Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 12. (17.3.1880)
- Date
- 1880-03-17
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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nalen Einheit so erschweren soll. ״Fühlt der Jade etwas anderes, wie der Christ, wenn er sein: ״Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobt“, mit betendem Munde spricht? Beruht nicht ein Theil unserer erhabenen Musik auf Wort und Geist des Juden? etc. Ja, ihre Formen sind anders als die unsern; wie gar verschieden sind denn die Formen z. B. des Gebetes zwischen evangelischen und katholischen Christen! Gar manchmal, auch noch heute, wird ein echtes Protestantenkind unangenehm oder komisch bewegt, wenn es seine katholischen Nachbarn beim Gebet das Kreuz schlagen sieht; es ist ihm neu, es versteht den Sinn der Form nicht. Ich kann..mich nicht davon überzeugen, dass wir in unserem religiösen Gefühl von dem der Juden so ״vollständig verschieden“ sein sollen.“ Ebenso treffend ist der Hieb, den F. gegen'die Behauptung T ’s, die Juden seien ein fremdes Element und nur geduldet, führt. Er sagt: ״Treitschke kommt immer wieder auf den Satz zurück, dass die Juden als ein ״fremdes Element nur geduldet“ seien. Wäre dies der Fall, so müssteman unsere ganze Emancipationsgesetzgebung für ein Verbrechen an der Nation halten. Will man diese aber aufrecht erhalten, wie dies Treitschke für sich erklärt, so darf man auch nicht länger von einer ״Ausnahme- Stellung“ reden und die Juden als ein fremdes geduldetes Element hinstellen. Das wäre eine halbe Massregel, die T. noch nirgends gebilligt hat, die kein Verständiger billigenwird und die zu immer bitterem Beschwerden, Klagen und Anklagen führen muss.“ (S. 33.) ״Wenn T. aber immer jene Ausnahmestellung und das Fremde betont, wie denkt er sich da die Ausführung dessen, wozu er die Juden auffordert: ״Sie sollen Deutsche werden, sich schlicht und recht als Deutsche fühlen?“ ״Die Juden sind unser Unglück!“ Sie sollen sich bestreben, ihren ״Mitbürgern gleich zu sein“; aber wenn sie im Begriffe sind, dies zu thun, werden sie ״hochmüthig“ genannt und werden an ihre ״bescheidene Ausnahmestellung“ erinnert etc. Wie können sie sich denn als Deutsche fühlen lernen, wenn sie so ausgeschieden und auf den Stand des Beobachters, vielleicht des bedrohten Beobachters, gestellt werden?•‘ Geradezu vernichtend und unverwindlich ist das, was Fischer auf die lieblosen und ungerechten Aeusserungen Treitschke’s betreffs Schenkung der Bürgerrechte ihm entgegnet. ״Wenn Treitschke behauptet, dass wir ihnen ,.die Rechte des Menschen und des Bürgers geschenkt“ hätten, so muss ich widersprechen. Die Rechte des Menschen kann kein Mensch schenken, sondern nur Gott; die Ausübung derselben aber den Menschen vorenthalten, das kann der Mensch, allerdings nur zu seinem eigenen Nachtheil und nach der göttlichen Ordnung der Dinge nur auf eine Zeit, die den Menschen unendlich lang, Gott wie eine kleine Weile erscheinen muss. Die Rechte des Bürgers verleihen kann der Staat, versehenken kann er auch die nicht, denn er muss Gegendienste verlangen. Wer aber die Geschichte der Juden-Emancipation in Deutschland liest, dem wird jener endliche Vergleichungs-Act nicht als ein Geschenk erscheinen können, er wird in ihm nichts sehen, als die Erfüllung des göttlichen Willens, in jahrhundertelangem Kampf von vielen der Besten unseres Volkes erstritten .... Dürfen wir da noch von Schenken sprechen? Mich däucht nicht.“ (S. 36.) Wir müssen es uns versagen, so gross auch die Versuchung dazu ist, noch ausführlicher auf das geradezu classische Schriftchen einzugehen. Aber auch das Gegebene wird genügend dargethan haben, dass wir es hier mit einer Streitschrift ersten Ranges zu thun haben, mit einer Schrift, die an innerer historischer Wahrheit, | an Unbefangenheit und philosophischer Tiefe, an aristokratischer, echt menschlicher Denkungsweise alle Darlegungen der Gegner um Haupteslänge überragt. Das Pro und Contra der Treitschke’schen Vorwürfe ist damit für uns erschöpft. Warten wir ab, wie sich Herr v. Treitschke zu dieser gründlichen Widerlegungsschrift stellen wird. Jonathan Eibeschütz als Grammatiker. Bekanntlich entscheidet sich die massgebende Halacha dafür, dass das Fehlen der Gebärmutter bei einem rituell geschlachteten Thiere durchaus nicht von Belang sei. Zu den Worten der Mischnah: ואלו כשרות בבהמה נטלה האם שלה * * * bemerkt die Gemara erläuternd (Cholin foi. 55b): היא האם היא טרפחת היא שלפוחית Etwas weiter (ib. fol. 56b) wird dieser erleichternde Grundsatz der Misclmah etwas eingeschränkt, indem in Bezug auf טרפחת irn Namen von R. Simai und R. Zadok referirt wird: הורו בטרפחת כר' בזפק. Nach R. schliesst selbst das Fehlen des Kropfes (זפק) die rituelle Zulässigkeit eines Vogels nicht aus. Die obige Relation scheint daher den Sinn zu haben, dass R. Simai und R. Zadok beim Fehlen der Gebärmutter sich nach der erleichternden Seite hin entschieden, gerade so wie R. beim Fehlen des Kropfes. Indess urgirt die Gemara hier auch die allerdings weniger plausible Deutung: הורו בטרפחת לאיסורא• Sie entscheidet sich nach keiner Richtung hin und lässt die Controverse für beide Deutungen weiter bestehen (תיקו,). Der unzweideutigen und unbestrittenen Mischnah gegenüber legen die Codificatoren natürlich auf die unentschieden gelassene, streitige Ansicht, welche das Fehlen von טרפחת als erschwerend ansieht, keinen Werth. Jore Deali § 45,1 wird demnach gesagt: בהמה או עוף שניטל' האם שהולד מונח בה כשרה. Von den Tossafisten entscheidet sich R. Chananel beim Fehlen von טרפחת nach der erschwerenden Seite unter Berufung auf Synh. fol. 33a, wo berichtet wird, R. Tarfon habe eine Kuh, der die Gebärmutter gefehlt, den Hunden vor werfen lassen. Freilieh kommt dort R Tarfon von seiner Ansicht zurück, nachdem er sich überzeugt, dass seine Entscheidung der oben citirten Mischnah widerspricht mit der witzigen Wendung הלכה חמורך טרפ1ן. Tos. zu Cholin fol. 56b s. v. איבעיא geht auf diese Schwierigkeit des Näheren ein. Jonathan Eibeschütz entscheidet sich in seinem פלתי für die auch von R. Chananel festgehaltene Ansicht, das Fehlen von טרפחת bedinge die rituelle Unzulässigkeit des betreffenden Geschöpfes. Um sich jedoch nicht in offenen Widerspruch mit der Mischnah zu setzen, nimmt er an, טרפחת beziehe sich nur auf Vögel und entspreche etwa dem Eierstock des weiblichen Vogels, während אם die Gebärmutter der Säugethiere bedeute. Freilich ist dabei noch ausser Acht gelassen, dass die Gemara diese Unterscheidung ausdrücklich abweist mit den Worten היא האם היא טרפחת. Dem gegenüber sucht Eibeschütz seine Ansicht auf grammatischem Wege durch eine sehr sonderba1*e etymologische Ableitung des Wortes טרפחת zu begründen. Das Etymon טרפחת hat nach ihm die Bedeutung ״Mutter kleiner Küchlein“ und setzt sich zusammen aus טר, abgekürzt von מטר, entsprechend dem griech. und lateinischen mater und dem Worte פחי, das sich in talmudischen Redewendungen, wie ביעי לפחי findet. Das Wort heisst also nach Eibeschütz in seiner eigentliehen Zusammensetzung מטרפחת. Allein wie wird das griech. oder lateinische Nomen (mater) auf das hebr. Idiom zurückgeführt? Auch hier weiss sich Eibeschütz | zu helfen. Er verweist auf das hebr. Wort ״ מטרהZiel-