Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 10. (3.3.1880)
- Date
- 1880-03-03
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Erwiderungen gegen des Hofpredigers Ausfälle ansichtig wird; der Mann scheint ja sein Handwerk aufgegeben zu haben; er spricht nicht mehr in Versammlungen, er donnert nicht mehr in Vereinen, er macht nicht mehr in Broschüren; wozu ihn also noch eines Wortes würdigen? Nichtig ist die Ansicht derer, die Solches wähnen. Der ״fJtomme Herr“ hat nur einen anderen Redestuhl betreten, in seiner Bosheit ist er sich gleich geblieben, es müssen darum nach wie vor seine Vorwürfe zurückgewiesen werden. In mustergültiger Weise ist es dem Verfasser der angezeigten Schrift gelungen, Schritt für Schritt die Anschuldigungen Stöckers in ihrem Grunde zu erschüttern, das Gebäude seiner Forderunsen in einen Trümmerhaufen zu verwandeln und neues Leben aus den Ruinen erstehen zu lassen. Nach dem Grundsätze: ״Auf das Erste das Erste, und auf das Andere das Andere“, ist der Autor auf jede Zeile Stöckers eingegangen und zeigt, in welchem Lager die Wahrheit sei. — Wollte man die eine oder die andere Kraftstelle herausheben, man käme wahrlich in Verlegenheit, wo anzufangen und wo zu enden; nur ein vollkommener Abdruck kann ein getreues Abbild des Urbildes geben. Wieder hat es sich dem Referenten bestätigt, dass die alte Lehre, es gebe nichts absolut Böses, eine tiefe Wahrheit enthält, den modernen Judenhetzereien verdanken wir die Ent- Stellung von Lazarus’ wunderbarer Schrift: ״Was ist national?“ einer Schrift, die in keiner jüdischen Familie fehlen sollte! wir verdanken ihnen die vortrefflichen Artikel ßarnbergers, wir verdanken ihnen die herrliche Abwehr, die uns eben vorliegt;־יי) sie ist wie die genannten von bleibendem Werthe und verdient es, dass sie in die weitesten Kreise gelange. So kann nur der schreiben, der mit allen Fasern seines Herzens am Judenthume und an dessen Lehre hängt, dabei jedoch offenen Sinn für die Wahrheit sich stets bewahrt. Dr. H. B. Notizen. 1. Zum מגן דוד. Die Frage über Entstehung und Bedeutun2 der verschlungenen zwei Dreiecke, des sogen. Magen David ist bereits vor langer Zeit in der Zeitschrift ״Hamagid“ 6. Jahrg. S. 286 behandelt. Indess tigkeit haben mögen, spielt sie mit noch anderen mistisehen Karakteren eine Hauptrolle. Ursprünglich nannten die Juden dieses Zeichen jedenfalls in richtiger Ueber- Iragung מגן דרוד, Drudenschild. Nachdem aber im Laufe der Zeit Ursprung und Bedeutung des Wortes aus dem Bewusstsein des Volkes geschwunden, vielleicht auch, um ihm einen jüdischen Anstrich zu geben, liess man das ר ausfallen, und so ist מגן דוד entstanden. Was schliesslich die zweite Frage betrifft, so ist überhaupt gar nicht bekannt, dass diese Figur in der Synagoge weder in Deutschland, noch in einem anderen Lande jemals eine Bedeutung gehabt. Höchstens wurde sie in Stickereien als Verzierung an Vorhang, Thorabekleidung etc. zugelassen, niemals aber ist eine religiöse Beziehung beigelegt worden Die Synagoge hat in ihrem Raum plastische symbolisirende Darstellungen nie gekannt und nie geduldet, und wenn in neuerer Zeit an neuerbauten Synagogen, welche meist Prachtbauten sind, die in Rede stehende Figur von aussen angebracht ist, so scheint mir das nichts als eine Nachahmung zu sein, wie etwa das Kreuz auf der Kirche Erfurt. J. Glück. Herr Rabbiner Dr. Friedländer in Kanitz macht darauf aufmerksam, dass Hr. Rabb. Levi im ״Bikkoreth ha-Talmud“ auch über den Namen ״Magen David“ geschrieben habe *) Herr Bez.-Rabb. Dr. Goldfahn in Bäcs-Topolya weist noch auf Löw, ״Graphische Requisiten“ I. S. 57 Anm. 238 (u. ff. S. 142), sowie auf dessen ״Lebensalter“ S. 77 und 382 hin. — Hr. G. schreibt ferner: ״In den Synagogen Ungarns ist die fünfeckige Form beliebt, auf den Synagogen die sechseckige in Gebrauch. 2. Herr Jules Dullas veröffentlicht im ״Univ. isr.“ j ein Schreiben des Statthalters von Parma dato 21. Juli 1459 an den Herzog Franz Sforza von Mailand (aus! dem II. Theile des Indagini storiche etc. sulla librerio | Visconteo — Sforzesca — per cura die Gerolarno d’Adda), in welchem dieser schildert, wie er von einem Jui den Leon das Machsor von Roschhaschana und Jomj kippur für den Herzog vorsichtig erbeten habe. Der i Brief giebt nicht an, wozu der Herzog es haben wollte,; zeigt aber, dass der Jude eine Denuuciation eines trän- ל רז ist die daselbst etwas weit hergeholte Erörterung wenig einleuchtend und darum nur schwer befriedigend. Mir scheint die Sache viel einfacher und näher zu liegen. Bekanntlich galt dieses Zeichen schon bei den alten heidnischen Celten und Teutonen als heiliges Schutzmittel gegen Zauberei und Dämonen. Ihre Priester (Druden, Druiden) trugen es an ihren Füssen, um überall, wohin sie ihren Fuss setzten, die bösen Geister zu verscheuchen. Daher der Name Dnidenfuss, den es auch jetzt noch hat. Auch nach Annahme des Christenthums behauptete dieses Zeichen sein hohes Ansehen, und noch jetzt besteht in manchen Gegenden der Aberglaube, in der Osternacht es an Hausthüre und Fensterladen zu malen zum Schutz gegen das Eindringen böser Geister. Göihe lässt im Faust den Mephisto sagen: Dass ich’s nur gestehe, um mich zu entfernen, ist ein kleines Hinderniss, der Drudenfüss, an Deiner Schwelle. Wie so mancher Aberglauben ist auch dieser ins Judenthum eingedrungen, und jüdische Mystiker bedienten sich dieser Figur bei Kameen, Amulets u. drgl. Auf den sogen. Wochenbett-Zetteln, die wohl hie und da noch ihre Wich¬ *) Auf die Schriften: Offener Brief an den Redacteur H. v. Treitschke von M. A. N a d y r, Rabbiner. Bei Skrzeczek, Löbau. (60 Pf.) — und besonders auf die erschöpfende und gründliche Widerlegung: H. v. Treitschke und sein Wort über unser Judenthum. Ein Wort zur Verständigung von Prof. Dr Karl Fischer. Leipzig, Emil Schellmann. (80 Pf.) — kommen wir demnächst ausführlich zurück. (Red.) Verzntwortlicher Redacteur Dr. Ra hm er in Magdeburg. Druck י ן zösischen Juden gefürchtet hat. Jedenfalls wird das j Bestehen zweier Gemeinden in Parma und Mailand be- | zeugt-, auch dass Willkürmassregeln gegen die Juden 1 nicht alltäglich waren. j *) Nach ihm sei das Wort ״ דודFreund“ (nicht ״David“) zu lesen^ lilterarisehe Anzeigen, Im Verlage von IVni, Mühsam in Baltimore (316, West-Pra'ttstr.) ist erschienen : Moses Mendelssohn, Eine Gedenkschrift zu dessen I50ster Geburtsfeier, von 1)1*. Benjamin Szold, Rabbiner der Olieb-Schalom Gemeinde — Baltimore. Preis broch. 25 Cts. geb. 50 Cts. _ «erläge 0. ä». $0WeUt(tett’*־iBÜc^ Ijanblung in i8 erlitt C., 9tr. 6t fit tue $rieb* ridjtrafte, ift erfd)ienen: הגדה• SDie $efadj־§agaba mt 0011־ ftänbigem, forgfältig burdfjgefefienem 2kjte, @in< leitung, forttoufenber beutföer Ueberfefcung, Irit ifdjen »muerJungen unb genau« Angabe ber © e b t r* Drbnung oon Dr. David Cassel. 3n Umfd)lag gebunbtn —75 $f. 8elin*$apier 4«rad)tb. ©olbft$n. 2 3R. — 2>iefelbe SeEbStudgabe mit frit. Ijebr. Sütmerf. brod). —.30 ißf. Sei franco־ ©infenbung beä *Betraget, aud} in beutfdjen Steidjepofttnarfen, erfolgt f 0 f 0 r* _tige ©ffectuirung. [2194 1 H. Horbach in Barly. Verlag von Robert FrUie in Leipzig.