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Das jüdische Literaturblatt · 1880-02-18 · No. 8. (18.2.1880) · p. Seite 32

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 8. (18.2.1880)
Date
1880-02-18
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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— 32 — Ehrfurcht vor langweiligen Büchern gar nicht einmal wagt, es einzugestehen.*) 5) Anti-Stöcker. Offener Brief von Dr. Lefsohn. Berlin. Schildberger. 16 S. Diese Broschüre ist in ihrem Stil und in ihrer Haltung der gerade Gegensatz zur Stern’schen. Ist jene, wenn ich mir das triviale Gleichniss gestatten darf, nur derbe solide Kost ohne jede Zuthat, so ist die des Herrn Lefsohn nur Sauce, aber so schmackhaft, dass man sie mit Lust hinunterschlürft, und wenn man fertig i-st, nun so ist man freilich nicht satt geworden, aber der Gaumen hat einen angenehmen Reiz empfunden. Herr Lefsohn hat ein recht frisches und lustiges Büchlein geschrieben; die Judenhetze hat ihn nicht tragisch gestimmt und er hat sie auch nicht tragisch behandelt. 6) Ein Wort an Herrn v. Treitschke von Dr. L. Glück, Landrabbiner in Oldenburg. 16 S. Ref. hat die Erfahrung gemacht, dass Streitschriften, die an einem Orte, wo sie erscheinen und wo man den Autor persönlich kennt, ein ausserordentliches Aufsehen erregt haben, doch nicht so weit gedrungen sind, als sie es nach ihrem Werthe verdienten. Ich glaube kaum, dass die Schriften eines Graetz und Joel, so mächtig ihre Wirkung in Breslau und vielleicht überhaupt im deutschen Osten gewesen ist, in die entlegenen Marken der Nordseeküste gekommen sind. Aber aller Orten waltet das Vorurthel, darum ist es gut, dass allerorten sich Männer erheben, wehrhafte Männer, um es zu bekämpfen. Wir begrüssen sonach den Brief des Herrn Landrabbiner Glück, weil wir ihn für wohlgeeignet halten, den Judenhass niederzuhalten, zu entwaffnen. Die Sprache ist warm und edel, energisch weist er den Vorwurf zurück, dass wir Fremde sind im deutschen Lande; es ehrt den Autor, dass er mit Lebhaftigkeit und Sachkenntniss seinen Lehrer Graetz gegen die Angriffe Treitschke’s vertheidigt. Nur da, wo Glück angreifend vorgeht und davou redet, dass das ״ungezügelte Herrschgelüste dieser oder jener Kirchenbehörde das Wahlrecht der Gemeinden missachtet (Horsbach, Schramm) und ihnen Seelsorger aufzwingen will,“ war seine Polemik nicht ganz nach unserm Sinn. Z. 7) Oppenheimer, Moses. Offener Brief an Herrn Adolf Stöcker. II. Aufl. Mannheim. Selbstverlag. Der Herr Verf. des vorliegenden ״Briefes“ stellt sich Herrn Stöcker und den Lesern gleich Anfangs als Social-Democrat vor, und ich kann nicht leugnen, dass ihm mir gegenüber das nicht eben zur Empfehlung gereicht hat, ja, dass ich deshalb mit einer gewissen Reserve an die Lectüre seines Briefes herangetreten bin. Nachdem ich sie aber beendet, stehe ich nicht an, das kleine Schriftchen zu den besten zu zählen, was mir in der ,,Stöckerfrage“ bislang zu Gesicht gekommen. Es ist durchweg frisch, derb und logisch geschrieben, trefflich stylisirt, so sachlich gehalten, als die Materie es zulässt, und zeichnet sich vor vielen ähnlichen auch dadurch vortheilhaft aus, dass es sich auf die Hauptsache zu beschränken und zur rechten Zeit zu — enden weiss. Ich weiss das nette kleine Opus nicht besser zu empfehlen, als wenn ich als theilweisen Belag des Gesagten zwei *) Wir können dem gesch. Recensenten in der Beurtheilnng des Stern’schen Buches nicht folgen. Die ״Lehrsätze“ schreiten allerdings in etwas schwerfälliger Rüstung einher, allein das Buch will ja weniger eine Vertheidigungsals vielmehr eine Widerlegungsschrift sein, darum war Ausführlichkeit der Beweisführung nöthig, selbst auf die Gefahr hin, demjkun di gen jüd. Leser Bekanntes zu sagen. (Red.) Stellen desselben hierherstelle. Dem Vorschläge Stöckers, die Juden zur Wiederauswanderung zu veranlassen, entgegnet Oppenheimer: ״Sie erklären die Juden für ein verderbenbringendes Element, das in den christlichen Staat nicht passe, für fremde Eindringlinge, welche man zur Wiederaus- Wanderung veranlassen müsse. Diesen deutschen Boden, welchen Sie uns absprechen wollen, haben unsere Voreitern seit mehr als zehn Jahrhunderten bewohnt, sie haben ihn gedüngt mit dem Blute der Märtyrer, welche unter den Streichen der religiös fänatisirten Pöbelmassen verbluteten, mit der Asche der Männer, Weiber und Kinder, welche auf Scheiterhaufen und in brennenden Synagogen zu Tausenden dahingemordet wurden. Dieser deutsche Boden, welcher so viel ungerecht vergossenes Blut getrunken, ist uns schon um der Gräber unserer Ahnen willen heilig, er ist uns zur zweiten Heimath geworden, aus welcher Sie und Ihresgleichen uns vergebens fortzuweisen versuchen. Wir haben unser Heimathrecht voll und ganz bezahlt mit den grossen Männern, welche wir auf allen Gebieten der deutschen Kunst und Wissenschaft gestellt, wir haben es bezahlt mit den Leichen aller Söhne und Brüder, welche auf so vielen Schlachtfeldern für die Vertheidigung der deutschen Fahne gefallen sind.“ etc. etc. — Ferner: ״Wenn Sie von mir, dem geächteten Socialisten, einen Rath annehmen wollten, ich wüsste Ihnen ein besseres Wirkungsfeld, ich könnte Ihnen einen Weinberg nach weisen, in dessen Furchen noch viele Arbeit der treuen, wartenden Hände entgegenharrt. Steigen Sie einmal herab von den Höhen der Gesellschaft in die Höhlen der Noth und des Lasters, deren die moderne Weltstadt Berlin so unendlich viele zählt, Hier ist für wahre und humane Herzen, für Christen im echten Sinne des Nazareners noch eine solche Fülle von Aufgaben, dass auch das thatendurstigste Gemüth sich nicht an ihnen erschöpfen kann. Hier bietet sich Ihnen eine Rolle, wie sie zu Ihrer Stellung, zu Ihrem Kleide sich besser schickt. Und wenn Sie ein Jahrzehent auf diesem Boden mit dem Ihnea eigenthümliehen Feuer gearbeitet, wenn inzwischen andere Zeiten angebrochen, andere freiere Anschauungen auch mir die volle Meinungsäusserung gestatten, dann, Herr Hofprediger, werde ich gerne mit Ihnen auch über jene Punkte mich auseinandersetzen, welche ich heute nur andeutungsweise zu streifen vermag. Auf eine Fortsetzung der Judenhetze werden Sie dann aber aus eigener Erkenntniss freiwillig verzichtet haben.“ Es mag der etwas kecke Ton vielleicht nicht nach Jedermanns Geschmack sein. Wen aber muthete er nicht tausendmal wohler an, als jene salbungsvolle Duldermiene, mit welcher fast alle Mitarbeiter und Gesinnungsgenossen des Herrn Adressaten itn Gewände der Demuth und Liebe das Unbilligste und Grausamste uns zumuthen? M. Wbg. Auf den Tod Adolphe Cr^mleux’• ופשט בגדי הדדים" "כי;מות א ה ר ך נחרץ אל תראו.על האבנים* לא זעלה;עליו הךןרץ׳ . זעשה לוי בנפלם, כךם־;ה לא נפרץ, וראשו מגיע השמים* T T ** - - סלם מצב 7אךץ, ויפגע שם מחנים* T - T “ * * בסוד,קדושים נ?גךץי Leipzig. Fabius Mieses. Verantwortlicker Redacteur Dr. Rahuer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barty. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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