Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 8. (18.2.1880)
- Date
- 1880-02-18
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaction zngesandt werden, finden in diesemBlatte eingeh.Besprechung. BeiEinsendung von zwei Receusionsexemplaren erfolgt auch. Erwähn, i. d.Wochenschr. Das ״Jüdische Iiiteratwrtolatt‘4 erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Lei p zig bei Robert Friese) pro J ahr g an g: 8 Mk. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 15 Mark berechnet. Die Expedition der ״Israelitische!! Wochenschrift.“ Inhalt: Wiss enscha ft liehe Aufsätze: Alter und neuer Judenhass, — Zum Unsterblichkeitsglauben bei den Juden. Literaturbericht: Recensionen: Bibliotheca Rabbinica. Eine Sammlung alter Midraschim. Zum ersten Male ins Deutsche übersetzt von Dr. August Wünsche. — Schriften für die Juden: 4) Die Lehrsätze des neugermanischen Judenhasses von Ludwig Stern. - - 5) Anti-Stöcker. Offener Brief von Dr. Lefsohn. — 6) Ein Wort an Herrn v. Treitschke von Dr. L. Glück. — 7) Oppenheimer, Moses, Offener Brief an Herrn Adolf Stöcker. Auf den Tod Adolphe Cremieux’. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Alter und neuer Judenhass. (Schluss.) Die Hauptursache der damaligen Verstimmung war, wie schon einleitend angedeulet, dass die Juden durch die staatlichen und socialen Umwälzungen der Jahre 1812 und 1813 und sonsthin namentlich in Preussen grosse Summen erschwungen haben sollten. Man sagte : Diese Reichthumsammler und Anleger grosser Cupitalien werden zuletzt alles Geld einsaugen und das übrige Gemeinwesen durch ihre Macht sich unterordnen. Darauf antwortet v. Voss: ״Derlei Furcht ist nichtig. Wer irn Handel grosse Summen anlegt, hat auch grosse zu wagen, die Zeitläufte suchen Capitalien־ und Gutsbesitzer heim, und lassen das Eigenthum von Hand zu Hand wandeln. Sahen wir Israeliten Summen gewinnen, verloren Andere auch deren, z. B. der Millionär Liepmann Meier Wulf in Berlin, dem vom Handel mit Staatspapieren ein Schade von ll/a Millionen erwachsen sein soll. Auch bei reichen Juden gilt oft das: was ein fleissiger Vater addirt, ein lustiger Sohn subtrahirt, und gerade sie zeigen sich nicht als die sparsamsten ihrer Nation. In guter Zahl leben sie gastlich und gesellig, fröhnen dem Luxus, bauen und schaffen zierliehen Hausrath an, bringen so das Geld wieder in Umlauf etc.“ In der That, wer kennt jene Geldmänner, die damals den Neid Aller wachriefen, heute, nach kaum 60 Jahren, noch? Und war es nicht mit den Strousberg s, Jaques’, Simon’s, Cohn’s etc, in unseren Tagen ebenso? Das Büchlein resumirt zum Schluss: ״Zählen wir die bürgerlichen Tugenden auf, ist schon erinnert, dass Euch die Juden an emsigem Streben, Wirthlichkeit, häuslicher Ordnung voranstehen •, wenige Ausnahmen in grossen Städten abgerechnet, ist das Familienband bei ihnen fester, die Erziehung der Jugend besser. Sie haben letzthin auch gezeigt, dass sie gute Patrioten und Krieger sein können und bei weniger Aufmunterung. Und seht Ihr noch geschichtlich auf dies Volk, weht es Euch da nicht mit allen heiligen Schauern der grauen Uralterthümlichkeit an? Bis zur Schöpfung steigt ihre Legende hinauf, und was sie auch Fabelhaftes enthalten mag, ist es doch immer edler theistisch und schöner menschlich, als was die Hellenen von ihrem Chaos, von Kinder fressenden und Väter entthronenden Göttern ersannen. Wie andere Altvölker erst von ihrem Ninus, Busivis, Inachus u. s. w. anheben, hat das israelitische bereits von einem zweitausendjährigen Dasein zu erzählen. Es giebt kein so poetisches Idyll, als die Meldung vom Garten Eden, die Sethiten und Cainiten sprechen anziehend zur Phantasie, und wahrhaft dyarnisch die Sündfluth. Die Patriarchen Sern, Heber, Peleg, Regu, Abraham, Isaac, Jacob, Joseph sind ungemein rührende Erinnerungen. Moses steht wie ein ungeheuerer moralischer Gigant da, noch umgeben uns allenthalben seine Wirkungen, und in noch immer junger Lebendigkeit, wenn längst zerstiebt ist, was die Sesostris, Solon, Numaetc. anordneten, oder höchstens todte Pyramiden und Ruinen von untergegangenen Völkern des Alterthums zeugen. Das, worüber in Griechenland und Rom und späterhin so viel geklügelt ward, Gesetz und Verfassung, hatten die Israeliten längst zuvor; ihr Gesetz stand fester als bei irgend einem Volk, ihre Republik unter den Richtern war eine echte; sie wussten gegen ihre Könige besser sich vor Sklaverei zu bewahren, als die Römer, nachdem sie Imperatoren gewählt hatten. Ihre Hohepriester — mit wenigen Ausnahmen — waren achtungswürdiger als manche andere. Sie hatten vor Homer und Pytha־ goras schon Dichter und Weise; Josua, Athniel, Ehud, Gideon, Jephthah, Simson, Judas Maccabäus waren tüchtige Helden. Im Aufopferungssinn können sie gegen Scävola, Regulus, die Fabier u. s w., die maccabäischen Brüder, die Priester, welche, als Pompejus den Tempel eroberte, ihren Gottesdienst nicht unterbrachen, sich über dem Gebet ermorden Hessen, getrost aufstellen, so wie man allenfalls sie ein ganzes Volk von Märtyrern nennen könnte. Denn fielen schon einzelne Theile bisweilen der Abgötterei zu, konnte die Gesammtheit doch weder die babylonische Gefangenschaft, noch Antiochus Epiphanes, noch Florus oder andere Tyrannen ihrer Theokratie abwendig machen, ja sie gewann ein um so festeres Band, als Titus das politische aufgelöst hatte. Nun in alle Welt zerstreut, blieben sie doch Juden, trotz aller grausamen Verfolgungen, und ihre Rabbinen pflogen Wissenschaft in den finstersten Jahrhunderten. Haben sie mit vielem mystischen Unsinn verkehrt, Hessen die Patres ecclesiae es wahrlich auch daran nicht fehler^