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Das jüdische Literaturblatt · 1880-02-11 · No. 7. (11.2.1880) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 7. (11.2.1880)
Date
1880-02-11
Page
Seite 4 (sequence 8)
Language
German
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4 ßat eine, mie c« ißm fdßeint, fc^r mödßtige Sobaffecurana begrünbet! — üDtan muß STreitfd^feg ameite« ®efießt ßaben, um bon bem feften Sujammenßang ber in bei* Iprcffe arbeitenben Suben als fofdßcr etma« ju bemerfen. Steine greunbe j. 53. berbinbet, foiueit ftc biefetbe §erfunft mit mir tßeiten, bie pofitifdßc Ueberaeugung toiet inniger, af« bie ©rabition ber Slbftammung, unb mit ben Suben anberer Parteien ßaben mir in ber 9tegef gar feinen Serfeßr. ©ie $fage über ba« Sefteßen bon gobaffecuranjen ift boffenb« feit jeßer in ber beutfeßen Siteratur, im ,gufammcnßattg mit ber oft ßerrfdßenben Steßguitft unb 9tedßtßabcrei, fo Verbreitet,, baß fie jebenfaff« öfter ift, af« ber ®inflnß ber Suben in ber Literatur. ,gumeift un& am febßafteften björte man fofdße 53e־ feßmerben über gegenfeitige 80bbcr(idßerung«anftaften au« bem Siunbe Äarf ®u^tom«, ber an Serfofgung«maßttfinn litt unb jebe« einem ©ritten gefpenbete Sob af« eine perfönfidße 53efeibig־ ung empfanb. ®« gibt afferbing« fiterarifeße ®oterien, mefeße momentan ben Starft befjerrfd^en unb tßeifmeife audß burdß per־ föntieße Schiebungen bie ®unft ber Sritif genießen. Sfber bie Suben ßaben jufätlig menig ober nicht« bamit ju tbun. Unter ben )ßerjonlicßfeiten, mefeße $. 53. in ben Serfiner 53fättern eine beachtete Hritif üben, müßte idb faum ein ober jmei Suben ju nennen. Ser Sfnffagen erbebt, bat bie ^fließt, fdßarf ju formufiren. ©ie Suben ßaben gar feinen ftarfen ®fiquengeift; fie ber־ mögen fd^on au« bem einfachen ®runbe nid^t Viel in biefer ^orm, meif ihnen ba« germanifdbe ^neipfeben ferne liegt, Sefbft bie Unberbciratbeten bringen ihre meiften Sfbenbe in ^amifienfreifen 3u. ©ie 9fomantif ber Stammlneipe ift ihnen nidßt aufgegangen; bamit entgeht ihnen ba« in '־ßolitif unb ©age«preffe mirffamfte Sinbemittef für ben perföttfießen Sufammenßattg unb bie!leinen ©ienftfeiftungen, mefdbe auf ®egenfeitigfeit beruhen, aber fuß bodb im (Sinjefnen ferner eingefteben faffen. ©aburdb, baß §err b. ©reitfeßfe biefe literarifeben 3Ser^altniffe naefj ihrer Sebeutung unb Sirffamfeit außerorbentfidb überfdßäfct, faßen mir un« genötigt, fie ausführlicher au Beleuchten, ©afür befpridßt er bie öfonomifeße gragc nur gana fura, afferbing« in gemaftigen Sdßfagm örtern, aber bodß meßr ber Soffftänßigfeit megen, mie e« fdßeint. ©enn menn er fagt, baß bie Suben, bie naeß feinem 3u9eft0nbniß in affen |)anbef«ftäbten biefe ehrenhafte unb adßtunggmertße firmen gähleit, audß ״an ber fredßen ®ier be« ®ritnber־Unmefen« einen großen Slutßeif" haften, fo fagt er etma« gana ©efbftberftänbfidße«. Senn bie Suben affein fieß bor bem allgemeinen ©aurnef bemaßrt hatten, fo mären fie be« ßödßften Sobe« mürbig, mie e« feinem ®emerbftanbe gegeben ift. 5lber bie Suben gehörten, fdßott au« ®efißöftSfenntniß, nicht au benen, mefdbe ben Sogen am fdßärfften fpannten, unb e« bürfte bodß audß ermähnt merben, baß e« Suben maren, mefdbe fidß guerft gegen ba« ganae unfittfidbe unb unmirthfdbafttidbe ©reiben erffärt haben. SfJZehr in« ®emießt fällt bie anbere Sfnffage, baß bie Suben ״eine ftßmere Stetfeßufb an jenem feßnöben SJateriafi«mu« unferer ©age" ßaben, ״ber jebe Arbeit nur noiß af« ®efcßäft betraeßtet unb bie alte gemütßfiiße 2lrbeit«freubigfeit unfere« Söffe« au e!'־ ftiefen broßt." Unter bem ״feßnöben Steteriafigmu« unferer ©age" fann idß mir fdbfedßterbing« nidßt« benfen, ma« bie geminnfüdßtigen ©enbenaen be« aeitgenöffifeßen Serfeßrgfeben« öon bem ®igennuß im f>anbcf unb Sanbef anberer ®poeßen unterfdßiebe; bodß fteffen fieß fofdße Sorte überaff ein, mo Segriffe feßfen. ®off nun biefer feßttöbe SZateriafi«mu« fieß barin funbtßuit, baß erften« bie Sfrbeit nur nodß af« ®efcßäft betraeßtet mirb, unb baß ameiten« bie Arbeit«־ freubigfeit be« Söffe« öerfümmert mirb, fo gerätß ©reitfeßfe mit biefen, bei ben paaren ßerbeigeaogcnen Sormürfen tßeif« in ba« ®eßege ber, öon ißm bekämpften, fatßebcr־Sociafiften, tßeif« in ba« ber ^iinftfer, aumaf biefer festeren. Slffo bie Arbeit foff nidßt af« ®efcßäft betraeßtet merben; af« ma« beim? ©oeß moßf ni^t af« leibeigner ©ienft, ober af« Auftrag be« Staate«? ״If« etßifcße Seiftung", mirb mir ©reitfeßfe mitfammt ben ^atßeber־Sociafiften ermibern. Sortrcfffidß! 3fffe«, ma« ber Sftcnfcß feßafft unb feiftet, ßat feine etßifcße Seite. ’ ״©a« ift’« ja, ma« ben ÜKenfcßen aicret״, ßat feßon Seßißer gefagt, ber ba« rießtige Serßäftniß in ber ״®lode״ gana auSgejeicßnet for־ mufirte, ber aber an^, mie mir miffen, über feine ffaffifeßen Scßriften mit ben Sucßßänbfern gefcßäftficß unterßanbefn mußte. Senn §err 0. ©reitfeßfe erft ben Sdßußmatßer gefunben ßaben mirb, ber, a««t ßobe ber Arbeit ^pmnen fingenb, au« etßifeßcm Semußtfein Stiefeln baut, fo mirb er ißm fießer nidßt fange feine ®unbfdßaft bemaßren, fonbern bafb au bem Serftänbigeren aurücf־ feßren, ber bie Arbeit gefeßäftfieß betreibt unb beffen Stiefefn gemiß beffer fißen. Sm ®runbe ßaben biefe ©inge mit ber Subenfrage nur infofern etma« au tßun, af« ber ®roßßanbef unb bie große Sn־ buftrie, barunter audß bie ®infüßrung neuer öaterfänbifdßer Sn־ buftrieameige, Oon ben betriebfameu unb tiermögenben Suben bieffeitige Sötberung erfahren ßaben. Soff e« ißnen etma aum Sormurf gereidßen, baß fie in ber Snbuftrie mie in ber Siffen־ fdßaft etma« feiften, unb märe man ißnen moßfgeneigter, menn fie nidßt« feifteten, fo ftimmt ba« freilich au ©reitfeßfe« naiber Se־ füreßtung: ״Sn einer näßen 3ufunft mirb fieß unter je aeßn ge־ bifbeten preußifeßen Männern ein Sube befinben״*). ^ann ein Sanb au biefe gebifbete Sfäitner befiben? — ©ie Suben finb nämfidß naeß ©reitfeßfe fo inbiScret unb iibermütßig, baß fie über ba« bon ber Statiftif erlaubte9 ■׳Jlaß ßinau« bie ßößeren Seßufen befueßen. ©er gefeßrte ißrofeffor bürfte bodß bebenfen, baß bie ftatiftifeßen ©ureßfdßnitt«aaßfen fidß eben au« ben ®piremen au־ fammenfe|en. Senn ©reitfdßfe ba« beutfdße Soff unb bie Suben fefbft bor jübifdßer Ueberßebung unb Serbfenbung marnt, marum füreßtet er audß ben SiffenStrieb, ber gegen Ueberßebung unb Serbfenbung bie beften £>eifmittef liefert? Saßrfdßeinfidß maren bie Suben biSßer in ber Sorfteffung )befangen, baß SUbung nidßt bfo« Sftadßt berfeißt, fonbern aueß joor ben ÜÜfenfdßen moßfgcfäfftg maeßt. Stögen fie fieß burdß bie übefmoffenben unb ungerechten Eingriffe amar aur Sefbftprüfung anregen, aber nidßt bon ben ßößeren Seftrebungen abfeßreefen faffen; mögen fie, aurüefbfiefenb auf bie &änge ber burdßmeffenen Streifen fidß nidßt beirren faffen burdß bie Steindßcn, bie man ißnen je^t, naße am Siele, in ben Seg mirft! *) j£rettf<ßfe€ SSerfud), eine ftarfe jubi)d)c ©nltjanberung bar,utf)1m, be־ rußt nur auf S״ßlen, toetdße bie etluag ftärfere ,guuaßmc ber }übiftßeu S3e־ öölferung in gehnffen gpoeßen ju belegen fdßeincn. ®en Selueiö einer CDnftanten Sunafton ״ftrebfamer ßofenuerfaufenber 3unglinge״ bleibt er fcßulbig; ja feine eigenen ftatiftifeßen Ülitfitßrungen miberfpreeßen bem. ®agegen bringt ißrof. Dr. Söt. 2a3aru§ in einem Slnßange ju feiner foeben erfeßeinenben ©cßrift (3״ßa8 ßei^t national?") maßrßeitSgetreue SluSjiige au§ ben griinb־ ließen Unterfußungen be8 bemäßrten ©tatiftifer«?temnann über biefe grage. ®anaeß ßat in ben Saßren 1834—55 bie jübifeße Slugloanberung au« ißreußen bie (äintuartberung um 10,476 fiiipfe übertroffen. 3n beit fpäteren Saßreu ift gleicßfallg überall nacßjulneifen, ba§ ber Ueberfeßub ber ®ebnrten über bie ®obesfälle imterßalb ber jübifeßen SBeöölferung biefer nur tßcilloeife jugute fommt, fo ba§ bie ®ifferenj bnreß bie itbertoiegenbe 2lu§manbernng erllärt merben muß. 3m 3aßre 1855 betrug ba« ®crßältniß ber 3ubeu jur ®efammtbeoöllernng 1,361 ißrojent; biefe 35crßältniß3aßl ßat im ©anjcu, aber nießt mit großer Stegeimäßigfeit abgenommen, unb betrug 1875 nur nodß 1,322 ißrojent. Sine anormale 3aßre«rciße ßatte ®reitfeßfe für fein 25emci8tßema ßerau8gegriffen. Slber fann e8 für bie oermeintlicße?1118־ gleicßuug angeblicher ®egenfäße mirfließ auf biefe fbunbertftcl 0011 ^•roccnten anfommeit? Jßelcß ein niebriger, faßt rnmäitifcßer ©taiibpunft! —?a^aruS’ ebeufo gebanfenreidße al8 fcßmungoolle ©cßrift, bie idß ainß fperrn 0. ®reitfeßfe ßiermit bringenb empfoßlen ßaben miß, bient feinem politifdßen 3lue^c; Üe ift auä einem für Suben in einem jübifeßen 3>e1׳ein gehaltenen Vortrag entftaubeu. ■<=>- 33 ei So ui 8 9tocca, Seipjig, ®riinma'fcße ©traße. — ®rud oott Offenßaucr & (£0., Scipjig, Sinbenftraßc.

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