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Das jüdische Literaturblatt · 1880-02-04 · No. 6. (4.2.1880) · p. Seite 24

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 6. (4.2.1880)
Date
1880-02-04
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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— 24 — Diese ganze Ueberspannung des Begriffes national, wie sie auch in der Schrift des Prof. Lazarus sich zeigt., hat, wie es scheint, ihren Ursprung gerade in der Un- Sicherheit, in der durch die religiöse Spaltung erzeugten Schwäche des deutsch-nationalen Bewusstseins. Wir Juden gehören zu Deutschland allerdings auch, weil wir da geboren sind, weil wir deutsch reden, aber vor Allem durch den Staat, weil er uns hält und trägt, weil wir in Krieg und Frieden mit den anderen Bürgern in einer Reihe stehen Trefflich ist, was Lazarus zur Widerlegung einzelner Vorwürfe vorbringt•, man tadelt an den Juden, sie treiben keinen Ackerbau-, aber, sagt Lazarus, wo treffen wir es sonst so häutig, dass die Söhne von Handwerkern und Kaufleuten Bauern werden. Gerade der Landbau verlangt die Gewöhnung von •Jngend an bei denen, die sich ihm widmen 5 es ist schwierig, aus einem Städter einen Bauer zu machen, und iiberdem ist es eine vielerprobte Erfahrung, dass die Menschen sich vom Lande in die Städte drängen; warum sollten es die Juden umgekehrt machen? Zur Widerlegung der Behauptung Treitschke’s, dass die Juden nur wenig führende Männer der Wissenschaft stellen, weist L. darauf hin, dass unter 21 Mitgliedern der physik.-mathem. Klasse der Berliner Akademie fünf Juden sind. Sodann bringt er eine Binmenlese von judenfreundl. Aussprüchen der trefflichsten Männer, und überall hat der feinsinnige und sprachgewaltige Autor seine eigenen Bemerkungen hineingewebt; es ist ein hoher Genuss, dieser in einem klassischen Stil gehaltenen Darstellung der edelsten Gedanken zu folgen. Möchten es alle die vornehmeren und geringeren Judenfeinde lesen, und aufhören, Hass zu predigen und Liebe zu fordern. Sie sollten sich das Wort Burke’s in’s Gedächtniss rufen: ״Wenn wir unser Vaterland lieben sollen, so muss es auch liebe nswürdig sei n.• Z. Literaturberich t. Reccnsioneii. Statistisches Jahrbuch des Wochenblattes ״Der ungarische Israelit11־ für das Jahr 1880) 5640 תר״ם). Herausgegeben von Dr. Ign. W, Bak, ernirit, (?) Rabb. u. Prediger. Budapest 1879. (99 S. u. Datumanzeiger.) Warum ״statistisch“? Weil auf 17 Seiten einige Notizen über 8 ungarische Gemeinden gegeben werden. Derselbe Widerspruch zwischen Wollen und Können durchzieht das ganze Büchlein. Da ist ein warm gehaltener Artikel über die Alliance, eine sehr dankenswerthe Biographie des Dr. Salomon Schiller-Szinessy, dessen bedeutenden Geistesanlagen und rast romanhaft, wechselvollen Lebensschicksale recht geeignet sind, viele Leser anznziehen Aber da kommen neben den hör- 1-enden Druckfehlern die noch grausigeren Schreib- und Sprachfehler, — die Lust wird zur Last. (Nicht 5621, sondern 5581 ist Dr. Sch.-Sz. geboren). Dann die Abhandlang über Kränze bei jüd. Leichenbegängnissen. Wozu muss da ein und dasselbe mehrmals gesagt werden? Wozu das an sich Klare und Richtige stützen (?) durch Beweise zweifelhafter Gelehrsamkeit, wie dass כתר von 1ר abzuleiten sei und die geradezu falsche Auslegung der Hagada, dass als Josef seinen כתר auf den Sarg Jakobs gelegt, alle Fürsten die ihren ebenfalls dort niederlegten. Nicht von Kränzen, sondern von fürstliehen Diademen spricht da der Talmud. Die Gedichte (lucus a non lucendo!) die Novellen (ßimchiloh zu reden) verdienen allein das Epithethon, das ein seltsamer Druckfehler in der Erzählung des Polyhistors und Polyscriptors von Horch? giebt: ״ מים כלכם היוםIhr seid heute Alle — Wasser! Die Absicht ist ja sehr gut, die Tendenz lobenswerth, der Stil mit einzelnen Ausnahmen (wie im Dreinsprechendes allklugen Töchterchens mit ihrem ,,ti donc“ und bei der ״Erkühlung“) erträglich, aber die Witze und Situationen sind gemacht, erzwungen, erkünstelt, die Charaktere sind Stoppel werk, — alle denken sie als Rabbiner und Prediger, und nicht der ihnen angewiesenen Stellung gemäss, selbst die Gänse-Jentl mit ihrem ״Hast ich, rost ich“ könnte dreist die Horciger Kanzel betreten. Dazu das stete Vordrängen des Verfassers, das erweiset, wie er’s gemerkt, dass er die Personen nicht so hat sprechen lassen, wie er gewollt — ja für solche Nachkommen Komperts möchteu wir uns höflichst bedankt haben. Schuster, bleib’ beim Leisten! ,,Novellen“ zum Talmud vielleicht — wir wissens nicht — aber nur ja keine Novellen für’s Publikum. Ob Cretinismus so immer oder fast immer die Schuld der Väter spiegelt? Das müsste doch erst sicherer dargethan sein, bevor der Titel ״DieVergeltung“ der ganz trefflichen Schilderung eines Asyls solcher unglücklichen Blöden vorgesetzt werden darf. Und damit auch hier das Wollen und Können disharmonire, plagt den Verfasser der böse Geist, hebräisch zu citiren und es kommt heraus: Poiket avoin ovois al bonim al silesim v’al ribeim, l’soinoi! Coblenz. Dr. Lewin. Literarische Anzeigen. ©egen üiacfjnaljזוזe offerire: SBeltbero. graben; ißolttif. §lb. . . . 3abtb. f. b. ©eichb• 3ubm. 1—3 §110, ®a§)elf'e 1 1t. 2 geb. ®asl'e.be II. br. iüibliotb■ erriech. u römifdj. ©dbriftfteller, 530• 1, 2, 4. ®aS'elbe 53ö. 2. geb. ob br. SBiocivop[). ®tij^eu. 1—3 br. ®asfelbe geb. 11. br. . .. £51«, ©rap'o.?tequifiten. 2 53bc. br. £i0IIar9ki, ®itus. ,Stein, §. S^rlic(|. . a lleubaucr, karcu’rüjuni. geb. £üunk, ^ialäftina 530. II. br. yiirft, Raräcr I[., III. (oljne 31a<f)tr.) br. J-rankel, 2U)1nnbUber. geb. u. br. . a pelsner, 33aififta. 3 (Tj: juf. jhntlfdj, ®er ®alnmo. br. llllmann, Äoran jücutfd), 3shnn. . . . <£id)l)0rn, §ebr. ,Propheten. 2 0b. 3f?lbr. 3d)mifrt, vHibi. ©eographüud. Pgm Prtbeaur, Histoire des Juifs. 2tmft. 1722, 5 53be. in 2 Sbrb.4,-- pernilein, Ur)p. b. ©agen 0. 2Ibr. . . . 0,60 £trot)fol)n, gootogie *>. Satmub. br. . . 3,50 £eop, Siegele. (Seiger, ©abirot ißb. . . 1,50 £eu1), 3übi)dE>e SDlünjen, §trob. neu. . . 1,25 הערוך Setnberg 1857. 2§f3b.burcbfdj. 3,50 kränket, 1.5° .830! אפוקריפא Panibfotpt, 1,25 . . . .«!§ שמר הברית ^eilprin, סדר הדורות ©arlSrube, fot. 6,— 215b] g. Se^rer in Jleeä a. 9iE). W, Liehtivitz, Berlin C., [2151 §oi). ©teinro. 4 I offerirt: Abrnl) b■: Salmes*, grarntn. ^ebr. una c. lat. Sen 1523. 3)1. 12. piefentljal, ©cbulroorterb. f)ebr.u. dbalb.§fj. plod), ©tub. j. @e)d) ö. ©amml. b alt« bebr. Sitevatur. |3r0(kl)aus, ®onoer]at..־Sejü. 11. Stuft. 15 3)oe. u. ©uppt. 2 530e. in §lbfj. geb. Abama, @dd)■ b. 3ut>• 2 2t)le. in 1 53b. §110. pauer, ©efeb. b. bebr. 92ation. 2 43be. 53bo. 2.- 1.- peffauer, ©cid) b. 3*raeliten. §lbp. fjallcr, les juifs en France, ipar. 1845.210. perjfelb, ©efef). 33aels. 2p3g. 1870. gb. #0|l, ©efdjid&te b. 3br. 12 SBbe. geb. ״ bo.bo. 9Sbe.(neuere©efcl).fetjlt.) gb. ״ bo. b. 3nbentt). u. j.©ett 3 53be.iplfj. ^agferling, @efcb• b. 3uöen in ißortug. 9100״ ״ ״ ״arra. JRoenen, ©efdh-b. 3»ben in 9tieberlanb. §13■ £eog, @efti£>. b. jüö. UHinsen. §lblu>. JHuttk, Paläftina. 2 53be. §Iblto. Iteubouer, 53eitr. 3.®e(dE). b.ßaräertb. 210. Leitung b. Sjubentb. Sbrg• 12—39 ä 39• ■C5roentl)at, §iob. ®arftelt. M.3*>«en. $b. Pljilippfon, iörael. 3teligion§l. 3 53be. gb. l(nrui), 3erufat. u. f. 53au10. 53eitr. j.bibl. 2UtertE)umä£. m. $län. u. Ulbbilb. Stern, «Religion b. 3׳ubentt). 53etl. 1846. 2to. ©oben, 3Iir ®aoib. ®aä Seben ®aoibä in bebr. ©efängen. §tbfr3• Druckfehler. In vor. Nr. S. 18 Art. 2 ist st•• Kloppstock zu lesen: Onno Klopp gottlob.. Verantwortlicher Redacteur Dr. kakiaer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Bart)'. Verlag von Robert If riase in Leipzig.

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