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Das jüdische Literaturblatt · 1880-02-04 · No. 6. (4.2.1880) · p. [Seite 1]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 6. (4.2.1880)
Date
1880-02-04
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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6. Das Jahrg. IX Znr Beleuchtung aller Judenthnm und Juden betreffenden literarisch. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschicl1te,Ethnographie,Theologie,Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahiner. Magdeburg, 4. Februar 1H80. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaction zngesandt werden, finden in diesem Blatte eingeh. Besprechung. BeiEinsendung von zwei Recensionsexemplaren erfolgt auch Erwähn, i. d.Wochenschr. Das Ijitemtlirblsttt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in L ei p zig bei Robert F r i e s e) pro J a h r g a n g: 8 Mk. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für d1e״ dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 13 Mark berechnet. Die Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift._ Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Eine Versündigung an der Kinderwelt. — Was heisst national? Literatu!־bericht: Recensionen: Statistisches Jahrbuch des Wochenblattes ״Der ungarische Israelit“ etc. Von Dr. Bak. Inserate. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Eine Versündigung an der Kinderwelt. In den dreissiger Jahren, als die Lehrmittel für jüdische Reügionssclmlen überall noch sehr spärlich vorhanden waren, unternahmen es, wie in der Lehrerweit männichlich bekannt, die Herren Cohn und Dinkelspiel, gewissermassen als Ergänzung zu der ihrer ganzen Anlage nach mehr für das letzte Drittel der Schulzeit und darüber hinaus bestimmten s. g. ״Büdinger’schen kleinen Bibel“ eine Art Vorstufe zu schreiben, die sich mehr dem Kindesalter von b* bis 11 Jahren anpasste und im Allgemeinen bis jetzt sicli eines guten Namens erfreute. Dieses Compendium liegt uns jetzt in vierter von dem Herrn Dr. Schreiber in Bonn besorgter und, wie das Titelblatt behauptet, von ihm ״wissenschaftlicher (!?) bearbeiteten und mit einer kurzgefassten Geschichte des Judenthums vermehrten Auflage“ vor,*) überreiche er sich, nachdem er dieselbe — die ursprüngliehe Arbeit eines Anderen! — seinem ״hochverehrten L u n d s in an n e “ gewidmet hat, im Vorwort folgendermassen auslässt: ״Trotz der Menge ähnlieber Bücher glaube ich sagen zu dürfen, dass meine Abhandlung eine neue ist“ .... ״Die Geschichtsauffassung dürfte manchen Widerspruch hervorrufen, indess habe ich mich einzig und allein von der historischen Wahrheit leiten lassen und werde mit Dank etwaige Ausstellungen entgegennehmen, gehässige und übelwollende Kritiken aber ignoriren “ Nun, das wird selbst die gehässigste, übelwollendste Kritik dem Herrn Dr. Schreiber lassen müssen, ״neu‘1 ist seine Behandlung. Neu ist die Bescheidenheit und Pietät, mit welcher er sich gleich auf dem Titelblatt, gegen die eigentlichen Schöpfer des Buches benimmt, indem er seine Bearbeitung eine wissenschaftlichere nennt, neu die moralische Rechtsauffassung, diese Cohn - Dinkelspiel’sche Arbeit, deren ursprüngliches geistiges Eigenthum einem Anderen ״zuzueignen“, neu ist der Muth, dieses *) Erzählungen der heil. Schrift für Israeliten, zum Schul- und Privatgebrauch bearbeitet von A. J. Cohn und Abr. Dinkelspiel. 4. wissenschaftlich erer bearbeitete und mit einer kurzgefassten Geschichte des Judenthums vermehrte Auflage von Dr. E. Schreiber. Leipzig 1880. Langewiesche’s Verlag. u. Geisteskind eines Anderen derart zu verarbeiten? dass man es nicht wiedererkennt, und event. verleugnen würde, neu auch ist die — Freiheit, den jüdischen Lehrern zuzumuthen, ein so skandalöses, liederliches Machwerk ihren Schülern in die Hand zu geben oder ihrem eigenen Unterricht zu Grunde zu legen. Man möchte fast auf den Gedanken kommen, es liege hier eine Fiction vor, die Schreiber’sche Arbeit solle nur eine Parodie oder Travestie auf eine biblische Geschichte für jüdische Schuten sein, wenn das Machwerk nicht eine so ernst gelahrte Miene trüge. Was wohl die Herren Cohn und Dinkelspiel, die ihr Büchlein auf mehr als dreissigjähriger segensreicher und nutzbringender Wanderung begriffen wähnen, dazu sagen würden, wenn sie das Kind ihrer Liebe in diesem jammervollen Zustande wiedersähen? Würden sie nicht diesen Wechselbalg mit Entrüstung von ihrer Schwelle weisen? Sollte in der That soweit das Recht späterer Geschlechter, soweit das Recht des Verlegers gehen? Und giebt es denn im deutschen Strafgesetzbuch keine Paragraphen, eine derartige literarische Schändung gebührend zu strafen? Wir meinen, dass wenn der Herr Rabbiner in Bonn das Bediirfniss fühlt, die Erzählungen der Bibel, ein bekanntlich den Juden sehr heiliges Buch, seiner ״wissenschaftlichen“ Analyse zu unterwerfen — und dieses Recht steht ihm unzweifelhaft zu — er das auf eigene Faust thun muss, nimmermehr aber können wir es billigen, dass er ein derartiges Gebräu unter der Marke Cohn-Dinkelspiel in den literarischen Handel bringt. Doch nun einige Pröbchen der ״wissenschaftlicheren Bearbeitung“ dieses vornehmlich zum Gebrauch für Kinder von 7—II Jahren geschriebenen Schulbuches. Moses Geburt: ״Im Alterthum wurde von vielen heroischen Gestalten erzählt, dass sie ausgesetzt und wunderbar gerettet wurden (Romulus, Cyrus, Semiramis).“ Offen b arungam Horeb: ״Der Berg Horeb galt auch bei den Arabern als heilig. Göttliche Erscheinungen waren bei den Hebräern stets von Feuerflammen begleitet, bei den Zendvölkern ist das Feuer Symbol der Gottheit.‘‘ Moses verhüllt bei der Wahrnehmung der Gotteserscheinung sein Gesicht . . Bei den Römern verhüllten die Opfernden ihr Haupt.“ ״Mosis Aufgabe war eine doppelt schwierige, er sollte 1) politischer Befreier, 2] Religionsstifter seines Volkes werden. . . . Was Wunder, wenn er ein wenig ängstlich wurde etc. Er musste daher zu Wundern seine Zuflucht nehmen. Was nun das Wunder mit dem Stabe, der zur Schlange wurde, anlangt, so könnte dies um so weniger ein Beweis sein für den einzigen, ״ewig seienden Gott“ (Jehova), als ja die ägyptischen Zauberer und Weisen dasselbe nachmachten.“ Sub linea bemerkt Herr Dr. Schreiber zu dieser seiner

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