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Das jüdische Literaturblatt · 1880-01-21 · No. 4. (21.1.1880) · p. Seite 16

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 4. (21.1.1880)
Date
1880-01-21
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 und dann kurze aber klare Betrachtungen über den obligatorischen Unterricht, die Wohlthätigkeit, das Polizei- und Sanitätswesen, die Nachbarpflichten, die Solidarität, das Erbrecht, die Polygamie und Sklavengesetze vorausgeschickt. Diese einleitenden Betrachtungen sind recht geschickt und werden nicht verfehlen, zum wei* teren Studium der Uebersetzung einzuladen. Sie erwecken Bewunderung für die Weisheit und Gemüthstiefe der Rabbinen. Besonders interessant sind die Darstellungen über das Erbrecht und die Vielweiberei. Bei der Uebersetzung ging der Verfasser seinem Prinzipe getreu, streng kritisch zu Werke, indem er die gedrängte, juristisch kurze Talmudsprache in klarlegender Erweiterung wiedergibt. Für den Leser, dem es nicht so sehr um die vollste Genauigkeit, als um die vollste Klarheit zu thun ist, dem es vor allem an der Einsicht in die Ideen liegt, welche zu den gesetzlichen Bestimmungen geführt haben, ist diese Breite um so angenehmer, da sie das Verständniss erleichtert. Ebenso ist die Auswahl der talmudischen Commentirungen, bei welchen der Verfasser in methodischer Beziehung Alfassi und R. Ascher als Vorbilder hat, deren Spuren er zuweilen nachgeht, für den gebildeten aber nicht forschenden Leser sehr zweckmässig. Das Verwirrende der talmudischen Discmsionen, das Elinmischen ähnlicher, nicht streng mit dem misclmischen Thema verbundenen Erörterungen, die Unterbrechung durch äusserlich lose aneinander sich reihende Agada’s, alles dieses erschwert dein mit dem Talmud wenig Vertrauten nicht blos das Verständniss, sondern lenkt ihn oft von der Hauptfrage ab Dieses Alles hatderVerf. im Hinblick auf seinen an die geschmackvolle wissen• schaftliche Form unserer Zeit gewöhn:en, gebildeten Leser übergangen und dadurch eine glatte und elegante Commentirung der Mischna gegeben, welche das wichtigste zur Aufklärung anführt. Bei alledem wahrt der Verf. sich aber die Originalität der Auffassung und gibt neue Auffassungen mancher Stellen, die interressant und für den Forscher anregend sind. Es erhält dadurch das ganze Buch für die gebildete und forschende Leserwelt einen erheblichen Werth und muss — wenn es gelesen wird — den gutdenkenden Gegner des Judenthums, welcher gerecht sein und nicht auf Pamphlete und Tendenzschriften sein der Racen- und Confessions-Antipathie schmeichelndes Verdict über das Judenthum stützen, sondern auf objective Erkenntniss sein Urtheil gründen will, es muss ihn zum Freunde des Talmuds machen. Es wäre sehr zu wünschen, dass dieses R.’sche Werk in den verschiedensten Sprachen übertragen würde. Ja es wäre sogar recht erspriesslich, in dt*n höheren Klassen eines Gymnasiums die Erschliessung talmudischer Denkweise in der Landessprache vor den jüdischen Schülern zu verbreiten, wenn, was ja meistens der Fall ist, der Talmud im Urtexte nicht gelehrt werden kann.. Eis wäre gerade diese Talmud-Uebersetzung ein Werk das der jetzt herrschenden Judenhetz-Epidemie gegenüber überall hin verbreitet werden sollte. Den Juristen, den Directoren der höheren Schulen, den politischen Vertretern müsste sie zugänglich gemacht werden. ' (Schluss folgt,) (Die judenfeindliche polnische Clique, die beim österr. Reichstage u. A. den Antrag auf Uebersetzung des Talmud gestellt hat, in der Meinung, daraus dem Judenhass neue Nahrung zuzuführen, irrt sich gewaltig. Mögen die Herren nur die Rabbinowicz’sche Uebersetzung recht fleissig studiren, sie würden dann ehe ffchbigere Vorstellung vom Talm^d'ünd'uirter Anderem auch bessere Rechts begriffe erhalten. — Unserk.Quellenschriften liegen allen Gebildeten zur Einsicht und zum Studium offen, wir haben nur einen Gegner zu fürchten, das ist die? — I g n or a n z. Rd.) 5) Schwanthaler, J. Quellen des Heils. Erbauliehe Betrachtungen über die fünf Bücher Mosis; ein Buch für Schule und Haus.!.Heft. Bensheim. Selbstverlag. Wer jemals Zeuge einer Bar-mizwahfeier war, der erinnert sich, wie dem jungen Confirrnanden ein machtiger Stoss von Büchern aufgetischt wird, deren Inhalt hoch über der geistigen Sphäre des jungen Knaben liegt; Schiller und Göthe, Sheakespeare, Heine, sie finden sich Alle da zusammen und der Junne zählt gewissenhaft die Zahl der Bände und ist stolz, wenn er seinen Freunden um einen Band über ist. Besonders Körner figurirt, weil der Verleger einen stattlichen Band um ein billiges Geld verkauft, fast immer in einer solchen Ausstellung von Geschenken und ein mir befreundeter Buchhändler sagte mir einmal: wenn er seine Geschäftspraxis in Betracht ziehe, so müsse er glauben, Körner habe nur für Contirmationen geschrieben. Es ist über die Massen komisch, dass ein Knabe bei solchem Anlass Bücher zum Geschenk erhält, die weder mit dem Feste selbst noch mit dem Bildungsgrade des Beschenkten irgend welche Beziehung haben. Da wollen wir denn auf das Buch des Herrn Schwanthaler hinweisen, das sich vorzüglich zum Confirmationsgeschenk eignet; es ist eine recht erspriessliche Lektüre für die reifere Jugend; und wenn es die erwachsenen Männer und Frauen in die Hände nehmen sollten, so würde sich die Erfahrung erneuern, die sie so oft bei guten, für die reifere Jugend geschriebenen Büchern machen, dass nämlich auch das reifere Alter aus ihnen etwas lernen und sie mit Nutzen lesen könne. Wenn ein Vater am Sabbathnachmittao־ י Ö eine auf den jedesmaligen Wochenabschnitt passende Betrachtung seiner E'amilie vorliest und mit ihr bespricht, so wäre dies die schönste Sabbathfeier und Jung und Alt würden sich erbauen. Möge dem Unfernehmen des Herrn Schwanthaler der beste, der wohlverdiente Elrfolg zu Theil werden. Z. Bibliotheca rabbinica. Es gehört kein geringer Muth seitens der Verlagshandlung von Otto Schulze in Leipzig dazu, in der jetzigen Zeit moderner Judenhetze mit der Herausgabe der Bibliotheca rabbinica von Dr. August W ü ns che zu beginnen, und doch liegt gerade darin zugleich auch eine dankenswerthe Antwort auf die zahlreichen Verunglimpfungen des Judenthums. — Die erste Lieferung: ״Uebersetzung des Midrasch Kohelet“, liegt in vorzüglicher Ausstattung — 7 Bogen stark — vor uns. Wir werden auf den gediegenen Inhalt und die wissenschaftliche Bearbeitung — für welche der Name des Uebersetzers bürgt — in besonderer ״Recension‘1 ausführlich eingehen; diese Zeilen wollen nur die Aufmerksamkeit aller Freunde der Midraschliteratur anf dieses höchst nützliche Werk hinlenken und ihnen die EArderung desselben durch Ankauf — Preis nur 2 Mark — recht dringend ans Herz zu legen. Soeben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: T 0 S E F T A herausgegeben von Dr. M. S. Zuckermandel, Rabbiner in Pasewalk. Fünfte Lieferung, Subscriptionspreis beim Herausgeber 3 Mark. (Mit der sechsten Lieferung schliesst das Werk; wir werden sodann auf die ganze, streng kritische und mit musterhafter• Akribie veranstaltete Tosefta-Ausgabe, die der jüd. Literatur zur Ehre gereicht, in dies. Bl. zurückkommen. Red.) Verantwortlicher Kedactenr l)r. lUhmer in Magdeborg. ״ruck Von H. Horbach in Barby. Verlag rat Robert Frieee in Leipei«.

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