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Das jüdische Literaturblatt · 1880-01-07 · No. 2. (7.1.1880) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 2. (7.1.1880)
Date
1880-01-07
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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8 — 41! ,U 31 zeichnet wird ,,von welchem an der Israelite als relativ mündiger zur Beobachtung des Gesetzes verpflichtet ist.“ Das hat noch Niemand behauptet. Zu den verschiedenen Namen und Verrichtungen des Hyperetes, die auf p. 28 aus dem Talmud angeführt werden, hätte noch Baba Mezia 93b erwähnt werden sollen; hiernach war der חזן auch Nachtwächter. Budapest. Dr. Heinrich Bloch. Fessler, D1*. Sigmund. Mar Samuel, der bedeutendste Amora. Breslau 1879. Schletter’sche Buchhandlung. 68 S. 8°. Mit hingebender Liebe und einer gewissen vom Herzen kommenden Wärme hat sich der junge Verf. in sein übrigens sehr lohnendes Thema versenkt. Er hat sich bemüht, eine quellenmässige Darstellung über den Amora Mar Samuel zu geben, was ihm bei dem Fleisse, den er sichtlich anf seine Arbeit verwendet hat, um so eher gelingen konnte, als er sogar treffliche Monographien zu Rathe ziehen konnte. Wir hätten sogar im Interesse des Verf. gewünscht, dass er sich viel eingehender mit diesen Vorarbeiten auseinandergesetzt hätte, um so den Fachgenossen klar zu zeigen, in wie weit diese neue Monographie über Mar Samuel einem wirkliehen wissenschaftlichen Bedürfnisse entspricht und welche Lücken seine Vorgänger unausgefüllt gelassen oder gar welche Schwierigkeiten sie geschaffen. Nur sehr vereinzelt und nebensächlich wird auf Hoffmann’s gleichnamige Schrift hingewiesen. Dagegen ist es ein Vorzug dieser Schrift, dass fast jede biographische Angäbe gewissenhaft auf die talmud. Quelle zurückgeführt wird. Nach einer etwas allgemein gehaltenen Einleitting würdigt der Verf. des Näheren Mar Samuel!. als Menschen, 2. als Gesetzeslehrer, 3. als Civil-Rechtslehrer, 4. als Astronom und 5. als Arzt. Pg. 10 AnmerkgA 6 rechtfertigt Hr. F., was ihn veranlasst, Samuels Geburt in das Jahr 179 n. Chr. zu setzen, während GraetzlöO post Chr. als das Geburtsjahr dieses Amora annimmt. Die Erörterungen des Verf.’s sind sehr plausibel. Er argumentirt mit Recht, dass Mar Samuel nach Graetz das hohe Alter von 97 Jahren erreicht haben und dass er zur Zeit der Pubertät seiner Töchter, als Nehardäa durch Papa bar Nazar zerstört wurde, mindestens 77 Jahre alt gewesen sein müsste. Diese Daten leiden aber an grosser, innerer Unwahrscheinlichkeit und sind auch durch keinerlei Relationen verbürgt Weniger glücklich ist der Verf. mit seinen etymolog. Erklärungsversuchen. Zu den mehr oder minder gekünstelten, wenn nicht gar verzweifelten Erklärungen für das dem Samuel beigelegte epitheton ornans אריוך fügt Hr. F. eine neue, welcher man durchaus nicht Einfachheit nächrühmen kann. Fr denkt dabei an das syr. Wort, welches ״bibliothecarius“ bedeutet, ein epitheton, womit man zu Samuel’s Zeit schwerlich die jüd. Gelehrten glorificirt haben dürfte. Hat das Wort vielleicht einen persischen Ursprung? Warum es Herrn F. beliebt, auf S. 65 מסכת gewaltsam und willkürlich von der syr. radix ״endigen“ abzuleiten, ist uns unerfindlich. Verf. inotivirt seine Etymologie wörtlich damit, dass ,in jedem Traktate eine gewisse Abhandlung seinen Abschluss findet, also damit endigt.“ Jeder Talmudkundige weiss, dass diese Bemerkung streng genommen nicht zutrifft, da innerhalb einer Masechta gar viele Abhandlungen ihren Abschluss finden und dass die neue Masechta sich oft genug als Fortsetzung und der organische Theil einer anderen zu erkennen giebt. Warum muss denn Alles im Talmud syrisch sein? Was von Belang lässt sich gegen den hebr. Ursprung dieses Wortes einwenden, wonach es gleichbedeutend mit textus ״Gewebe'־‘ ist? Wir wollen mit dem Verf. nicht allzuhart [darüber in’s Gericht gehen, dass er inseinen Helden oft, so zu sagen, verliebt ist und selbst über Einseitigkeiten im Charakter hinwegsieht. Wir rechnen hierzu z. B. die bekannte Thatsache, dass Samuel in seinem hochgehenden patriotischen Gefühle bei der Eroberung der cappadocischen Stadt Mazaka durch Schabur keine Kundgebung der Trauer an den Tag legte, obgleich 12,000 Juden bei dieser Gelegenheit gefallen waren. Dass sein von der civilrechtlichen Norm recipirter Ausspruch לינא דמלכותא דינא für die Juden in der Diaspora in den Jahrhunderten mittelalterlicher Aechtung von providentieller Bedeutung war, hat schon Grätz sehr lichtvoll auseinandergesetzt. Schliesslich bekennen wir gern, dass diese Monographie uns mannigfache Anregung geboten hat. Wir zweifeln nicht daran, dass Fachgenossen gern und mit Nutzen diese Schrift lesen werden. Sohrau O.-Schl. Dr. Immanuel Deutsch. ^für affe gdiübete greife, bie ©tnn für Sprachen unb Sileratur haben, tft brtngenb ju empfehlen ba§: 9Waga$in für bie Literatur bes 2tu$lanbe& 2113] &rgan fcet SSeltliteratur. 1832 begr. ט Jos. Lehmann. 9leb : Dr. Ed. Engel. 2Böd)entlich ca. 2 Sogen in gr. 4°, pro Quartal nur *Di a r t 4.—. 1880 ^aljrgang XLIX. $)a§ ״ÜRaaajin" enthält Originalbeiträge oon $Mll «fjfhfG 2fr. 330ben־ fle&t, (gm. (Seifcel, SUfreö fötafjner, $arl £iaebranb, Johannes ©dterr, 3:11an gaftenrotff, (gtnile £010, (gmilio (garftelar, SJlnfier (Ojforb) 2c. unb ift foroohi bag reidjljalttgfte, mie hittigfte Ifiteraturhlaff. 3u begehen burch alle Söuchhanblungen, ^oftanflalten unb birect 00a ber 2$erlaa3banblung. Setpjig. aStlbelm $r{ebtttc(>. Abonnements-Einladung. Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums redigirt von Professor Dr. H. Graetz, unter Mitwirkung zahlreicher und namhafter Gelehrten, beginnt mit dem 1. Januar 1880 ihren Neunundzwanzigsten Jahrgang und ladet zu zahlreichem Abonnement ergebenst ein. Dieselbe erscheintwie bisher pünktlieh in 12 monatlichen Heften zu 3 Bogen gross 8°, welche regelmässig in den ersten Tagen jeden Monats versandt werden. 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