Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 1. (1.1.1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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wandert sich dann noch, dass Diejenigen, die baares Geld hatten, sich Zinsen dafür zahlen liessen. Da wo so ausführliche Verordnungen und Gesetze über das Leihgeschäft erlassen wurden, da war dem ungebührlich hohen ZinSnelunen sicherlich ein Riegel vorgeschoben, und wäre von einem unbefangenen Historiker viel eher dieWürdigung der Bedeutung des jüd. Elementes für dieEinbeziehung des Landes in die nördlichen Handels- und Culturländer zu erwarten gewesen, als das wirtschaftlichem Unverstand entstammende alte Lied vom jüd. Wucher. Nun durchaus mönchisch sind Herrn Dudiks Dar- Stellungen nicht. Wenn er sich auch keine Gelegenheit entgehen lässt, vom Gelde der Juden zu reden — für die Tragik ihres Geschickes hat er doch auch ein Wort des Mitgefühls. Hr. D ist ein so verdienstvoller und so angesehener Historiker, dass seine Ausführungen grösseren Kreisen dürfen zugänglich gemacht werden. Wir liefern in Folgendem eine Reproduetion 1r.it mehreren längeren,]übrigeus durch Punkte bezeichneten Auslassungen und mit unseren eigenen Zusätzen und Anmerkungen. (Forts, f.) Literaturbericht. Recensionen. Biesenthal, Dr. Joh. H. R. Das Trostschreiben des Apostel Paulus an die Hebräer, kritisch wiederliergestellt und sprachlich, archäologisch und biblisch-theologisch erläutert Leipzig, L Fernau. 1878. Im neuen Testament befindet sich unter den Briefen י׳ס Apostel Paulus ein Brief mit der Adresse: ״An die Hebräer.‘‘ Dieser Brief wird von vielen und gewichtigen Stimmen diesem Apostel abgesprochen. Es werden unter Anderen gegen seine Autorschaft namentlich Aeusserungen geltend gemacht, welche man, als irrig, gerade diesem rabbinisch gebildeten Apostel am Wenigsten zumuthen kann; man müsste sich denn zu einer einschneidenden Textesänderung entsehliessen wollen, um diese Behauptungen richtig zu stellen. Der Verfasser vorliegender Schrift will ohne jeden Texteseingriff die Schwierigkeiten dadurch applaniren, dass er mit Berufung auf Euseb. hist. eccl. III, 28 annimmt, der Brief sei von Paulus, weil an die Hebräer, ursprünglich h ebräisch abgefasst und dann von einem Anderen ins Griechische übertragen worden. Die Irrthümer seien durch die gewissenhaft wörtliche Uebertragung entstanden und man brauche daher nur, auf den Ursprung wieder zurückgehend, das Hebr. zu reconstruiren, um sofort inne zu werden, dass einerseits der Brief hebr. conzipirt worden, und dass andererseits die Verlegenheiten, welche nur ein Reflex des griechischen Mediums sind, im Hebr. schattenlos verschwinden. Aber gerade der Versuch, das Schreiben auf gut Hebräisch zu reconstruiren, will uns dünken, zeigt durch die Schwierigkeiten, welche die Herstellung der hebr. Sprachfarbe bietet, dass das Schreiben auch ursprünglich griechisch gedacht und abgefasst sei, natürlich in jenem orientalisch gefärbten Griechisch der neutestamentlichen Zeit. Selbst einem geschickten Hebraisten dürfte ein solcher Versuch schwerlich gelingen, dem Verfasser ist er vollständig missglückt. Dazu ist er des Hebr. nicht genug mächtig, dabei fehlt es ihm an wissenschaftlichem Takt, um in weiser Beschränkung sein Ziel stets streng im Auge zu behalten, endlich scheint er seine talmudische Sachkenntniss nur aus seeundären Quellen geschöpft zu haben. Dass der Verfasser des Hebr. nicht genügend machtig ist, um eine treffende Rückübersetzung zu bewirken, beweist schon V. 1. Derselbe lautet im Griechischen: lIoXojjLspo); xai ~0k׳jzp6~(j)' 7uaXa1 6 frso; XaXrJaa; toi; icaxpofoiv £v ׳סד.; TcpO'-p^vai;, st’ £3yd־(uv ־co.1v ^jj.3pü>v toutujv £XdX7]0sv 7]j1iv ev uuü. Uebersetzt wird er folgendermassen: ,’האל לפנים . בנביאים בפעמים רבות ובמשלים שונים דבר עמנו באחרית הימים חאלה בבף (s•65•) Hiergegen 1 merken, dass אחרי gewöhnlich mit dem Infinr■ mit איצר und darauf folgendem Verbum finitu banden wird; אחרי mit unmittelbar darauf fo’ Verbum finittim ist sehr selten und im Neuheit bräuchlich. 'דבר ב heisst hauptsächlich ,,gegen den reden‘‘; schon im Althebr. giebt es kaum einf mit der sicheren Bedeutung: ״durch Jemanden 1 dies muss vielmehr gegeben werden mit .דבר ביד נביאים und בן, so absolut hingestellt, entsprich dem hebr. Sprachgenius, der immer gern ein Pronome anfügt. Von Anderem zu schweigen, wird xoX’jxpdro) hebr. nicht in der üblichen Bedeutung, sondern mit ובמשלים שונים wiedergegeben; der Verf. nimmt also xpd-o; in diesem Wort ימשל während sonst ToXo-cpdrc); nur ,,verschiedenartig, mannigfaltig“ bedeutet. Das Recht zu dieser Abweichung hätte erwiesen werde•־ müssen; statt dieses Beweises erhalten wir eine Au. zählung der Gleichnisse, unter deren Bild die Erlösung in einem späten Midrasch erscheint, und daran wird die Vermuthung geknüpft, dass diese Bilder den Griechen veranlasst haben, xpdro; xporr) zu setzen und zoXu-cprä»; in diesem ungewöhnlichen Sinn zu gebrauchen (S. 66 ff.) Der Vers müsste hebr. etwa so wiedergegeben werden, ohne dass wir diese Wiedergabe gerade als Muster hinsteilen :,פעמים רבות ובפנים שונים מאז דבר האל אל אבותינו ביד נביאיו ולקץ הימים האלה דבר אלינו ביד בנו. Trotz der zahlreichen Citate aus Talmud und Midrasch scheint der Verfasser sein Material doch nur aus secundären Quellen geschöpft zu haben Wie wäre es denn sonst zu erklären, dass der קל והומר und die anderen dialektischen Handgriffe in lateinischer Rüstung vor uns aufmarschiren (S. 55), während das ganze Buch doch deutsch geschrieben ist. S. 57 wird Sabbath 143a und Kethuboth 23a in einer so schiefen und ungenauen Weise besprochen, dass man unmöglich glauben kann, dass diese Worte an Ort und Stelle in Augenschein genonnnen worden. Sicherlich hätte der Verf nicht so vage und falsche Behauptungen aufgestellt, wenn er die Citate selbst nachgeschlagen haben würde. Er behauptet nämlich, dass im Talmud ״die Citate aus der Schrift immer mit Auslassung ganzer Worte gemacht worden“ (S. 54); zum Beweis dafür wird Kidduschin 41b ange* führt. Aber gerade ein Blatt vorher, Kidduschin 40a und b werden ganz-e, Verse in erheblicher Zahl vollständig angeführt und zwar: Prov. 21, 21; Jes. 3, 10 und 11; Maleachi 3,16; Hiob 8, 7; ebenso Kethuboth 8b; 5 B M. 32, 19; Jes. 9, 16 und an zahllosen anderen Stellen. * Nur noch ein Beispiel dafür, wie schnell der Vf. mit gewagten Combinationen bei der Hand ist. Cap. 7, 27 (S. 200) ist dadurch überaus schwierig, weil der Briefschreiber sich äussert, dass die Hohepriester x«&’ ^pipotv d. h. täglich geopfert hätten. Bekanntlich entspricht dies nicht dem Sachverhalt, da der Hohepriester nur am Versöhnungsfest die Opferfunktion zu verrichten pflegte Der Verf. meint nun, hier habe im Original gestanden יומא יומא, was der griechische Uebersetzer wortwörtlich mit xaS■’ v wiedergegeben, während es in der That heissen müsste: ,jeden Versöhnungstag“. Dass jedoch יומא allein schon ״Versöhnungstag“ bedeutet, wird durch nichts anderes bewiesen, als durch den Namen des Traktates, der das Versöhnungsfest behandelt. Allein dieser Beweis reicht bei Weitem nicht aus, da einerseits nicht festgestellt ist, von welcher Zeit ab der Traktat diesen abgekürzten Namen führt, und andererseits von einem Titelnamen kein Beweis abzuleiten ist, weil ein solcher oft den seltsamsten Grund»״