Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 51. (16.12.1880)
- Date
- 1880-12-16
- Page
- Seite 442 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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442 — Äre Schrulle," sagte er scharf, „dergleichen in Menschen zu entdecken, die. ach ' du lieber Gott, froh sind über jede- Stück« chen Geld, dessen sie habhaft werden können! Lehren Sie wich die Menscken kennen, und nun gar Ihre Glaubensgenossen! nichts für ungut. Herr Harburger!" ES war am zweiten Ostertage. Vögele batte Mazzeklöße in die Suppe gekocht und war mit wundervoller Eilfertigkeit hundertmal zwischen dem Kochofen und dem Eßtisch hin- und hergelaufen, zum großen Vergnügen der beiden festtäglichen Gäste, die heute an dem Mahl tbeilgenommen hatten. Der eine Gast besaß ein weißes Mützchen und schwarze Haare. Er lachte mit den Augen seiner Mutter und hatte ein ernsthaft zugekniffenes Mündchen, besten Vererbung sein Vater für sich in Anspruch nahm, der ihn auf dem Schooße hielt. Der andere Gast hatte weiße Haare und ein schwarzes Käppchen, er war rosig und sauber wie eine WachSpuppe, die nur an Sonn- und Festtagen aus der Watte genommen wird, und er bewegte sich mit zierlicher Bedachtsamkeil und Ruhe, während der andere Gast bald nach einem wilden Tänzchen, bald nach einem unvernünftigen Luftsprung begehrte und dabei in seinem ernsten Herrn Vater den eifrigsten Helfershelfer fand. Der Alte war Vögele's Großpapa, einst Vorsänger und ein gar ängstlich frommer Mann. Darum hatte er, der sonst bei seinem Schwiegersohn wohnte, sich für die Ostertage bei den Enkeln zu Gast gebeten, da Vögele's Mutter in den letz' ten Wochen ein wenig kränklich gewesen und er der voraufgegangenen gründlichen Säuberung des Hauses, die nicht von ihr geleitet worden, nicht ganz vertraute. „Und denke Dir, Mendel," hatte die kleine Frau gesagt, „Großpapa hat sein Osterbrot und AÜeS. was er zum Frühstück gebraucht in einem Korb in verschloffenem Zimmer! wie er sicher sauer macht, der arme Großpapa!" — Und der Alte hatte mit einer traurigen Miene und innnigem Mitleid mit sich selber den Kopf geschüttelt, und war dann mit Mendel zum Abendgebet in die Synagoge gegangen. Und in ihrer Abwesenheit halte Vögele alle Hände voll zu thun gehabt, damit die Männer bei ihrer Heimkehr Alles zum Eeiderabend vorbereitet fänden. Zuerst hatte sie ihre eigene kleine hübsche Person mit Hülfe enuS weißen Krügelchens und rother Schleifen an der Brust und in den dunklen Flechten festlich geschmückt. Dann ward das häßliche unförmliche Haartuchfopha vermittelst einiger Kiffen und Decken von den kleinen geschickten Händen in einen morgenländischen Purpursitz für den Großvater umgeschaffen und auf daS | schimmernde Tischtuch ein großer Teller n>it Mazzes gestellt, I die ein gestickte- Deckchen verhüllte. Dann legte sie Petersilie Meerrettich und bittre Kräuter in einem zierlichen Kranze auf einen Teller, der vor den Platz deS Gro ßvaters geschoben ward. Auch die Eier vergaß sie nicht, mct, daS Salzwaffer, noch den Wein, und als sie nun auch die Lichter angezündet, da fand Vögele noch Zeit, während sie seitwärts,vom Sopha Waschbecken und Kanne bereitstellte, und ein seines Handtuch daneben hing, ein wenig mit ihrer Mutter zu plaudern, die schon zur Festfeier gekommen war, und ihr von dem närrischen Herrn zu erzählen, dessen Besuch sie neulich überrascht hatte. Inzwischen waren die Männer heimgekeht: der Großpapa, Mendel und sein Schwiegervater, ein lebhafter rüstiger Mann mit schwarzem widerstrebendem Haarwuchs und kampflustig funkelnden Augen. Der Alte segnete und küßte seine Tochter, dann die Enkelin und auch den kleinen Joseph, der nach seinem Nachmittagsschläfchen außerordentlich rothbäckig und munter aussah. Er hielt Großpapas weißes Käppchen in den kleinen Fäusten, aber eS war die Frage, ob er eS bei Beginn der Ceremonie gutwillig würde hergeben wollen. Mendel legte die Bücher auf den Tisch, aber Großvater- Blick flog noch unruhig suchend darüber hin: ^AlleS in Ordnung biauf den CharauffeS. Wo ist der CharauffeS, Vögele?" Die kleine Frau kreiselte zu ihm heran: „Bitte, willst Du ihn nicht selber mischen? ich bringe Dir Alledazu!" Und dann brachte sie Aepfel und Zimmet, und der Alte zerstieß Nüsse und goß Wein hinzu und rührte und probirte, bis die Masse einem lehmartigen Brei glich. Von Zeit zu Zeit blinzelte er unruhig nach seinem Schwiegersohn, der, die Hände auf den Rücken gelegt, daS kleine Zimmer mit starken Schritten durchmaß und in das Gespräch der Frauen dann und wann eine gute Bemerkung warf. Plötzlich blieb er vor Mendel stehen, der mit dem Kinde am Tische saß. „Du hast ihm die Thür gewiesen?" „Er hat recht gethan," sagte der Alte dazwischen, „wakommt er. ihn zu stören am Freitagabend!" „Ich bin ihm nicht unfreundlich begegnet," antwortete Mendel gelaffen, „er kam vielleicht in guter Absicht, aber der Mann ist ein müßiger Schwätzer, nicht wahr, Vögele?" „Ja!" lächelte sie, „und wie er aussieht und herumspringt und Ringe hat er auf allen Fingern!" „Nun. nun, da muß ihm doch daS Schwatzen etwa- RechtS einbringen," brummte der Schwiegerpapa. (Fortsetzung folgt.) Konigl. pr. Freut!., Grossherzogi. Badiachei, Herzogi. Anhalt., Herzog!. Slohalaehaa, Fürsti. Hohenzollem- Hilh. HmNttls. TR P:" hkJtl; aofeei n. Fürsti. Buminiachea Hof-Pianoforte and Kanst-Iastitat XaftalRtTgf Berlinerstrasse 25 n. 26. Grösstes Fianino-, Harmonium* a. riUgal*Verltanfs «Etablissement der Prevlea Stdiea. Prsspeete etc. gratis. 11 Hof-Diplome and andere ehrende Aaozeiehnangen* Allein-Ver kaaf der weltberühmten Estey-Orgeln. Lerantworttuher Redacteur Dr. Ra h rn e r Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer Mttwen und -Waisen in Deutschland. _ Einnahmen im Monat Novemjber 1880. a.’ Mitglieder-Beiträg^r J __ Bon Herren Branves tn Oberaula. Lehmann in Creuznach. M Luß in Sterbfritz, Golvschmidt in Facha, Brandeis in Gau Algesheim. Kahn in Flörsheim, Heimberger in Reilingen, Dr. Dessau in Fürth, Sommer in Hannover, Spier in Gmünden. Löbenstein in Burakunstadt, I. Oppenheim in Wandsbeck, Mansbach in Bsckenheim, Kaufmann in Ungedanken, Löw<nstern in Raugard. Schloß in Speyer, Waas in Burgpreppach, Eigner in Oberlustadt, Kahn in Jöhlingen, Rabb. Dr. Salzer in Schnaittach (pro 80 u. 81), Buchsbaum in Wesel, — je 8 Statt, b. Ehreumitgltederbeitrstge r Bon Herren S. Arnstein in Fürth. Dr. Wittelshöfer in Fürth. Stern in Ermarshausen, I. Springer in Eöln, I. Levy in Offenbach, Rabb. Dr. Hochstädter in EmS. Friedmann in Stralsund. M. E. Oppenheim in Mainz. I. Deutsch in Fürfeld, Schwär, in Pr. Stargard. Rabb. Brann in Schnridemühl, I. Stern in Obermoschel. Rabb. Dr. Philipps»» in Bonn, Magdeburg. Druck von tz. Horbach in «ar B. Günther, I. Plaat, I. Elkan, A. Gompertz in Wesel, — je 6 Mark. e. Freiwilliger Jahresbeitrag r Bon Herrn Josef Goldschmidt in Bonn — M. 10. P576 d. Einkaufsgelder r Bon Herren Jos. Oppenheim in Wanfried M. V-, Jacob Eögner in Oberlustadt M. HA, Isidor Kahn in Jöhlingen M. 10, Rabb. Dr. Salzer in Schnaittach M. 60» e. Geschenke r Bon Hrn. M. Obermeier in Sulzbach M» 6, Sammlung des Herrn Tiefenbronner in St. Johann M. 200, Herrn Dr. E. Neubürger hier M. 10, S> Elkan hier M. 20, Frau I. Löwenstein und . Frau D. Schwarzschild hier M. 100, Israel. Gemeinde in Elberfeld M. 80, Sammlung des Herrn Kahn in Flörsheim M. 2.10, Dr. Deffau in Fürth M. L, Frau R. Arnstem in Fürth 9R. 10, Ad. Baer hier 9ft. 20, E. Benjamin in Wesel M. 8. d. Zinsen: Mark 314.10. Frankfurt a/M., 9. December 1880. Namens der Berwaltung: Adolf Teblee. «erichttgnng. In Nr. SO des Literaturbl. ist auf S. 198 Sp. a. die Signatur „M. Mannheimer m Darmstadt" berichtiget nachzutrage«. ». Verlag von Robert F riese in Leipzig.