Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 51. (16.12.1880)
- Date
- 1880-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zur „Israelitischen Wochenschrift." Rr. 51. Magdeburg, den 16. December 1880. 11. Jahrgangs Es sind dies die Candidaten der sogenannten „siberalen" Partei. In der That wird eS jetzt die Aufgabe aller derjenigen Mitglieder der Gemeinde sein, welche dem Cotteriewesen entgegentreten wollen, für eine Aenderung des WahlmoduS zu agitiren. Sollten die Repräsentanten sich bei der bevorstehenden Rabbinerwahl zu der religionslosen Anschauung bekennen, welche der darauf mitgewählte Vor» fitzende der früher» Wahlversammlung Stand gegeben, dann dürfte doch die Einheit der Gemeinde in die Brüche gehen. PrenzltM Am 29. v. M. ist auch dem Unterzeichneten die bekannte Petition betr. die Einschränkung de- Einflusses der Juden mit dem Ersuchen -»gegangen, seine Kraft und seinen Einfluß dahin auszubieten, das Schriftstück möglichst zu verbreiten und wirksam zu machen. Ich kann meine Erwiederung auf diese Zumuthung wie folgt zusammen fassen „Weder ich selbst, noch die Gemeindebehörde, deren Vorsitzender zu fein ich die Ehre habe, können Bestrebungen und Agitationen der in Rede stehenden Art billigen oder auch nur als erlaubte öder entschuldbare ansehen. Wir halten im Gegen» theil dafür, daß dieselben mit Recht den unbedingten Tadel verdienen, welchen sie je länger desto mehr und allgemeiner in der Oeffentlichkeit erfahren und weisen daher mit gerechter Entrüstung dagestellte Ansinnen zurück. Wer für die Verbreitung dieser Petition mit seiner Person überhaupt einzu» treten im Stande ist, thut und erreicht unserer Ueberzeugung nach weiter nicht-, als daß er jeden weiteren Anspruch auf Ächtung seitenseiner Mitbürger im Staat und in der Gemeinde sich selber aberkennt. Prenzlau, 3. Decemb. 1880. Merten-, Bürgermeister." Leipzig, 24. November. In der nationalliberalen „Ge-: meinnützlgen Gesellschaft" stellte Prof. Biedermann den Antrag, der Verein wolle sich der bekannten von den Herren Prof. Mommsen und Genossen erlassenen Erklärung anschließen. Dieser Antrag wurde indeß mit großer Majorität abgelehnt. — Eine von hiesigen S t u d i r e n d e n für den heutigen Abend anberaumte größere Versammlung zu Gunsten der Antisemitenbewegung ist vom Universitätsgericht verboten worden. Darmstadt, im Dez. (Or.-Eorr) Hier haben im verflossenen Monat November zwei Kundgebungen zur Verurthei» lung der Antisemitenbewegung stattgefunden. 1) In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 25. v. MtS. hat Herr Oberbügermeister Ohly derselben eröffnet, eS sei ihm die antisemitische Petition an den Reichskanzler zügegange», die er wieder an das Eomitä zurückgesandt habe. Erhoffe, daS gute Einvernehmen^ das bisher, dahier zwiWn den verschiedenen Confeffionen befanden, werde arph. ferner nicht gestört werden, Die Versammlung erhob sich einmüthig, SM ihre Zustimmung zu bekunden. — Am 28. vq^Mts. hat in einer Versammlung deS hiesigen Protestantenvereins der Vorsitzende desselben, Herr Major a. D. R a h das antise» Attisch.' Treibest mit den schärfsten Ausdrücken verurtheilt. Die ganze Versammlung gab durch Erheben ihre Beistimmung zu erkennen. Frankfurt a. M., 1. December. Am 24. d. M. feierte der emerit. Lehrer der hiesigen iSrael. Realschule und deS OymnastumS Herr 0r. Jgcop Auerbach sein 70. Geburtstag. Dem rüstigen Jubilar würden Seitendei-r. GemMndrvorstandeS und der Anstalten, an welchen er mehrere Jahrzehüte gewirkt hatte, so wie von den verschiedenen Fitzl» maurerlogen unserer Stadt, von seinen vieleü Freunden und Btrthteru von Nah und fern vielfache Beweise ehrender Äner» lennüng und herzlicher Liebe zu Theil. . Stuttgart« 3- Dexör. Eine hief. Zeit, bringt folgende räthselhafte BMtheiluug: Als der Verfasser de- ^vyn An- --rissen gegen die christliche Religion strotzenden Sirdh Militans* ist auf Requisition unserer Staatsanwaltschaft ein wohlhabender Berliner Jude, seines Zeichens Rittergutsbesitzer, verhaftet worden. Derselbe wird hierher tran-portirt, um vor dem hiesigen Schwurgerichte abgeurtheilt zu werden. Bayreuth. 6. Dec. Das hiesige Rabbinat, einst vom seligen vr. Aub und nach ihm vom nachmaligen Cölner Rabbiner vr. Schwarz eingenommene, ist nach mehrjähriger Vacanz wieder besetzt. Aus der großen Zahl der Bewerber ist der erste von denen, welche zur Probepredigt berufen worden waren. Her Dr. Kuszn itz ki aus B r a u ns ch w e i g, ein Schüler Frankels, heute in einer Gemeindeversammlung zum Rabbiner gewählt worden. Petersburg. In de' Apellalion ist die Freisprechung Zederbaums aufrecht erhalten, auch LutostanSky nicht der verläumderifchen Anklage schuldig befunden worden. L.'s Ber» theidiger legte 4 Dankschreiben des Großfürsten Thronfolgeran L. für die judenfeindlichen Bücher vor!! (Hameliz.) Feuilleton. Mendel S cl» a p i r o. Novelle von SIfch Lewitt. HI. Mit ziemlich niedergeschlagener Miene setzte Harburger den Dirertor am nächsten Tage von seinem Mißerfolge in Kenntniß. Jedoch bemühte er sich, ihm ganz ernsthaft zu erklären, daß nichtals die Unbestimmtheit und Aussichtslosigkeit de- Anerbieten- Schuld an dessen Zurückweisung sei. „Mendel Schapiro ist ein vernünftiger Mann," wiederholte er stetvon Neuem; „er weiß, was er thut, er will sich nicht so in- Blaue hinein verkaufen, aber wenn ich Operndirector wäre, wie Sie, so würde ich auch wissen, was zu thun!" „Sie würden?" „Ich würde ihn mir sichern, denn ich sage Ihnen nun zum wievielten Male: ein solcher Tenor soll noch erst wieder geboren werden; er ist ein Schatz, ein goldener Schatz!" „Aber Sie sind eS ja, der die Geschichte offenbar verkehrt angefangen hat," rief der Director ärgerlich; und sollte er algroßer Mann und Kunstmacen nicht ärgerlich sein, wenn ein unbekannter dunkler Körver, den er dem Nichts zu entziehen wünschte, seinen AdiMtk« kalten Widerstand entgegensetzte? Er verhalte sich nicht, daß seine Absicht durch die Weigerüng erstarkt war; wer wat denn, dieser Jude, der nicht gehorsam herbeieilte, wenn mast sich überhaupt die Mühe gab, ihn zu rufen? Harburger hatte sich inzwischen besonne». „Wissen Sie wa»?" sagte er, „Sie sollest ihn jrotzdeM hören! Sie müssen! Ich schleppe sie morgen in VH Synagoge. Es ist ja Ostern, und tobt oder lebendig. Sie kommen nicht eher hinaus, als bis Sie ihn gehört haben." „Haben Sie ihm goldene Berge versprochen, wie ich Ihnen rieth?" wandte der Director ein. „Ich erlaubte mir eine Mndeütungr" sagte Harburger verlegen, „aber sie blieb so völlig unbeachtet, daß —" „Eine Andeutung?" wiederholte dtr Ästdere gering» HWßj . „min da wundert eS Mich gar nicht, daß. -Ihr Dernünftrger Mann nicht darauf. anbiß! Jchwtllihsi Hören, und wenn er wirklich^, hält, was.Sie von jhpg verjprschest, dann «erde ich selbst mit ihm reden Und mich nicht. mit mner bloßen Andeutung begnüM, dur fLge ich Jhnestl" ^bürget murmelte etwas von Stotz ststv dergleichen Der Director kehrte ihm heftitz Lrn MüikrS: „Und eSift