Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 51. (16.12.1880)
- Date
- 1880-12-16
- Page
- Seite 439 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rabat 1× ep/1045497
- Tunis 1× ep/1048155
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gen wurden von dem ganzen in allen Räumen überfüllten Haufe mit brausendem, demonstrativem Beifall ausgenommen, der unl so bedeutsamer war, als unter den Applaudirenden nicht nur Studenten und Burschenschafter aller Farben sich befanden, sondern auch Abgeordnete, Herrenhausmitglieder, Vertreter der Presse und wissensch. Corporationen u. a. illustre Gäste, die an der langen dicht besetzten Ehrentafel Platz genommen hatten. Man muß es den Wiener Studenten zur Ehre nachsagen, daß sie doch freier, unabhängiger fühlen und denken, als ihre Brüder an den Hochschulen des deutschen Reiches. Wahrlich eine Ironie des Dentschthums dieses Antisemiten-Unwesen! England London. Die private Thätigkeit der Israeliten zur Errichtung von jüdischen Schulen ist durch einen als sehr zuverlässig beurtheilten Jahresbericht über Privat-Erziehungsanstalten von England und Wales in ein sehr günstiges Licht gestellt. Es ist für die Unterbringung von 7986 Schüler gesorgt, während vorläufig nur 5750 Schüler in diesen Anstalten sind, 5173 Pf. 15 Sh. sind für die Erhaltung derselben verwilligt und 211 Lehrer an denselben thätig. Demgemäß stellt sich die jährliche Verwilligung für Schüler auf 17 Sh. 5 P. im Durchschnitt, während der allgemeine Durchschnitzsatz 15 Sh. 8 P. beträgt. In Bezug auf die Entwickelung der Schulverhältnisse im Allgemeinen ist es erfreulich, daß die Aberdare Schulprüfungsangelegenheit, welche ihrer Zeit durch die Zurückweisung einer Jüdin, weil sie den Sabbath nicht die Prüfung mitmachen wollte, viel Aufsehen erregte, nunmehr zu einer sachgemäßen Erledigung gekommen ist, indem Vorsorge getroffen wordenist, daß ferner für jüdische Lehramtscandidaten ein anderer Prüfungstermin angesetzt werden soll. — Die Auglo- Jewish Association hat in ihren monatlichen Sitzungen sich wieder vielfach mit den Verhältnissen der Juden in Rumänien, Serbien, Persien, Tunis, Marocco, Palästina, Bagdad, Beyrut, Constantinopel, Jamboli, Philippopolis, Salonichi und Smyrna beschäftigt und nicht unbedeutende Summen für dortige Schulen verwilligt. Besondere Mühe gab sie sich in der Maroccaner Judenmetzelei und veranlaßte eine directe Erörterung im auswärtigen Amte. Die Bemühung hatte den Erfolg, daß Sir Drummond Hay. der Vertreter Englands in Marocco, dem auswärtigen Amte eingehend über die verschiedenen Morde und Mißhandlungen, welche in neuester Zeit dortige Juden zu erleiden hatten, berichtete. Die Mörder des Juden bei Azila hofft man demgemäß, sobald die betroffene jüdische Familie ihren Verdacht nicht laut werden läßt, ergreifen zu können. Von den Mordthaten zwischen Rabat und Alcassar sollen weder Cid M. Bargach noch die jüdischen Aeltesten von Tanger etwas wissen; dagegen sei ein Jude, Ben Haim Wazary, in Elgarb getödtet worden, dessen Mörder zu entdecken und zu bestrafen der Gouverneur daselbst Befehl erhalten habe. DerBerüchtigte Gouverneur von Entifa, der Virtuose der Prügelstrafe werde wahrscheinlich vom Sultan bestraft werden. Im Allgemeinen bemerkte S. Drummond Hay, daß die Araber ebensosehr, ja noch mehr unter solchen Mordthaten leiden als die Juden, daß die letzteren nicht so sehr durch den Fanatismus als durch die schlechte Verwaltung solchen Mißhandlungen ausgesetzt seien. Nicht Protection, sondern sine succeffive aber radicale Reform der Staatsverwaltung seien die erforderlichen Hilfsmittel und er halte es für nothwendig, daß die Mächte hierauf ihr Augenmerk richten und entschlossen vorgingen. Alle anderen Mittel könnten schließlich noch zu einer Judenverfolgung in so großem Maßstabe führen, daß des Sultan's Macht gar Nichts mehr dagegen vermochte. Allerdings ist diese Aeußerung Drummonds geeignet, den Verdacht zu wecken, als ob er es nicht so recht aufrichtig freundlich mit den Inden meinte. Doch würde es voreilig sein, diesen Verdacht schon als Gewißheit anzusehen. Denn das was er sagt, macht den Eindruck einer traurigen, aber unbestreitbaren Wahrheit. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Was wir zum Schluß der vor. Nr. (im „Briefkasten der Red.") als dringend nothwendig gewünscht, die gegnerischen Reden in der Judendebatte mögen mit widerlegenden Anmerkungen veröffentlicht und i Verbreiters werden, erfüllt zum Theil die soeben erschienene Broschüre: Herrn Stöckers Rede im Lichte der Wahrheit." Es ist darin nach einer kurzen Einleitung durch eine Gegenüberstellung des amtlichen Textes der Rede des agitatorischen Pastors in der Judendebatte mit den Thatsachen der Beweis all der Verdrehungen, Unrichtigkeiten, Widersprüche und Unwahrheiten geliefert, deren sich Herr Stöcker damals in so überaus leichtfertiger Weise schuldig gemacht hat. Jeder Freund der Wahrheit und des religiösen Friedens trage zur Verbreitung der Broschüre bei. Magdeburg. 4. December. Die „Magd. Zeit." schreibt: Wenn es noch einer Verurtheilung der wüsten und leidenschaftlichen Weise, in der die antisemitische Bewegung betrieben wird, bedürfte, so liegt dieselbe in den beklagenswerthen Vorgängen, die heute allenthalben auf unseren Universitäten sich abspielen und durch welche die studirende Jugend in diese schändliche Agitation hineingezogen wird. Die Verantwortung, welche in erster Linie die leichtfertigen Urheber der gegen die Juden gerichteten Agitationen trifft, ist grade nach dieser Seite hin eine sehr schwere. Man braucht nur die Spalten langen Erörterungen zu lesen, in denen die „Germania" sich täglich mit sichtlichem Behagen über die Judenfrage ergeht und in denen sie immer neues Material zur Judenhetze herbeischleppt und namentlich dieser Vorgänge auf den Universitäten mit besonderer Vorliebe gedenkt, um daraus allein schon die Uebrrzeugung zu gewinnen, daß es sich in dieser Angelegenheit noch um ganz andere Gegensätze handelt als die zwischen Germanenthum und Judenthum!" — (Wir werden in nächster Nr. einen Artikel, die „I u d e n f r a g e und die Universitäten" bringen. Red.) Breslau. Die Angabe der „Arch. isr." (in vor. Nr. unter „Magdeburg") ist unrichtig. Ungetaufte Mitglieder der Berliner Akademie sind seit lange der Botaniker Priegsh e i m, der Philologe Jacob B e r n a y s, nnd auch ein Mathematiker. Berlin. Herr Dr. Eberts, Belle-Alliancestraße 63, beabsichtigt, in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten einen Verein zu begründen, welcher eine Gegenagitation wider die Antisemiten-Liga inS Leben rufen soll. Eine vorbereitende größere Versammlung hat bereits stattgefunden und Zustimmungsadreffen nehme der Genannte bereits entgegen. — Herr Manheimer hat gelegentlich der Feier seiner silbernen Hochzeit der jüdischen Alterversorgungs-Anstalt eine Schenkung von 100,000 Mark überwiesen. — Der Vorstand der Synagoge zu Marienwerder hat an den Abg. Hänel für seine treffliche Begründung der Interpellation bezüglich der antisemitschen Petition ein Danktelegramm abgesandt. Berlin. Die gestern abgeschloffene Wahl für das Repräsentanten-Kollegium der hiesigen jüdischen Gemeinde hat folgendes Resultat ergeben: Profeffor Lazarus, Ludwig Loewe, Louis Liebermrnn, Louis Bamberger, Herrmann Landsberger. Ferd. Reichenheim, Louis Friedberg, Moritz Manheimer, Davtd Hirschfeld, Sanitätsrath Dr. Marcuse und Amtsrichter Moffe. Zu Stellvertretern wurden gewählt: Justizrath Leoin, Rechtsanwalt M. Levy. Sanitätsrath Boas, Komm.- Rath Albert AronS, Gustav Loewenberg. Komm.Rath Samuel Aron, Komm.-Rath I. Simon. Geh. Sanitätsrath Dr. Steinthal, Sanitätsrath Dr. Kirstein, Adolf Eiseck, I. ». Jaeoby, Eduard Hirschberg, Herrwann Baschwitz, Alb. Phil. Meyer und S. M. Loewenthal. (Fortsetzung in der Beilage.)