Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 50. (9.12.1880)
- Date
- 1880-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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in spien- * lenet Ton!ne Werkj iss« nd he« Geist lächtnisj. ni gew. K.4,50. iC&llicot td8chuitt 1 r l Exem« als Prä. Labatt. [2567 ona. Mititon dnhebr. Bczire 33. Hei« nimmt« reis bei St. 8. im den bs. der 1z. iance bedeu« im vor itreten, ig des ihmi ußen. anitz, - . a. et* < entließt [ gelesen, j r v» i“ r.Srt. i mild« enden ,steil«' 'i lungeti «ivertt : »des« . Wir ,ß«ir ' in und : ene die ■ uchdir > nt »*it ■ Bellage zur „JsraMschen Nr. SO. Magdeburg, den 9. December 1880. 44 11 ", - 1 -.«‘■■T 11. Jahrgang. Breslau. Der evsngtlische Pilstor Gr über in Reichenbach veröffentlicht in der „Schlesischen Presse" folgende Erklärung: „Die Nummer 277 des „Schlesischen Morgenblattes" bringt in einer Kritik über die von mir herausgegebene Schrift „Der nxue Sturm der Judenfrage" so viele Unwahrheiten und Beleidigungen gegen mich, daß ich mich zur Mich» tigstellung der öffentlichen Meinung veranlaßt gefühlt habe, gegen den Redacteur des Blattes daS Einschreiten der königl. Staatsanwaltschaft zu erbitten. Die Art des Ausdrucks, dessen sich diese-, die konservativen und christlichen Interessen vertreten wollende Blatt bedient hat, richtet sich wohl vor jedem Gebildeten von selbst Ich beschränke mich daher hier auf die Ankündigung, daß ich mich durch derartige Angriffe nicht abhalten lassen werde, auch ferner meine Meinung frei herauszusagen und das gehässige Thun und Treiben Derer aufzudecken, welche sich bei demselben noch in den Mantel besonderer Christlichkeit zu hüllen verstehen." Coblenz. Hier und in Ehrenbreitstein ist die Antisemitenpetition mehreren Beamten zngeschickt worden, welche, wie die „Cobl. Ztg." es bezeichnet, das Schriftstück dahin gelegt haben, wohin es gehört. In B o n n dagegen soll es in studentischen Kreisen Unterschriften erhallen haben. Dirschau. Die Antisemitenpetition war auch unserem Bürgermeister Herrn Wagner zur Verbreitung zugegangen. Herr W. hat darauf folgende Antwort ertheilt: An den Herrn vr. B. Förster in Charlottenburg. Ew. Wohlgeboren remittire ich hiermit die mir heute mittelst Cirkulars zugesandte Petition an den Fürsten Reichskanzler, betreffend die Einschränkung des Einflusses der Juden, mit dem ergebensten Bemerken, daß ich das in dem obigen Circular an mich gestellte Ansinnen, „meine Kraft und meinen Einfluß dahin aufzubieten, da« Schriftstück möglichst zu verbreiten und wirksam zu machen", wie hiermit geschieht, mit aller Entschiedenheit zurückweise, da es einmal meine amtliche Stellung mißbrauchen hieße, wenn ich im Sinne dieser Petition gegen meine jüdischen Mitbürger Propaganda machen wollte, zweitens aber auch die in der qu. Petition gestellten Anträge meinem innersten Wesen und meiner ehrlichen Ueberzeugung als Christ widerstreben. Wagner, Bürgermeister. Frankfurt a. M., 30. November 1880. Zu meinem großen Erstaunen las ich in Nr. 48 Ihrer geschätzten „Wochenschrift" den Bericht von hier, über dem Besuch des Kronprinzen in der Loge Socrates. Da ich, als Deputirter einer andern Loge, bei der Feier zugegen war, bin ich im Stande, die Correspondenz dahin zu berichtigen, daß der Kronprinz in seiner Unterhaltung die sogen. „Judenfrage" resp. die „Antisemiten - Schandgeschichte" gar nicht berührt hat. Die diesbezügliche von mehreren Blättern gebrachte Erzählung hat einen und denselben leichtsinnigen Reporter zum Urheber. Zolkiew Hier ist Rabbi Chajim L. Horwitz zum Rabbiner erwählt worden. (Jwri.) Feuilleton. Mendel Schapiro. Novelle von Elsa Lewirr. (Fortsetzung.) „Sie fragen mich, was zu meinen Diensten stehe, Herr Schapiro? Gut, ich will es Ihnen sagen: Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Sie und möchte Sie gerne »och mehr kennen .lernen, und noch ganz andere Leute möchten eS, — mit einem Wort, Sie habey Aufsehen erregt, was sage ich, Aufsehen ^Verwunderung, Bewunderung! Sie, Sie sind ja ein gottbegnadeter —" Tie letzten Worte wurden mit unglaublicher Schnelligkeit heroorgesprudelt, Mendels ruhiges Gesicht röthete sich, er unterbrach ihn: „Ich kann nicht glauben, daß Sie im Ernst sprechen, mein Herr," sagte er, mit einem Seitenblick auf seine Frau, die den Fremden mit weitoffenen Augen anfchaute. „Ick wüßte mich in der That keiner bemerkenSwertben Eigenschaft zu rühmen, zum Scherzen aber bin ich wenig aufgelegt, und kann mir ebenso wenig erklären, wie Sie —" Harburger schnellte plötzlich empor und erfaßte den Widerstrebenden an beiden Schultern, Vögele sah ängstlich zu, sie meinte, der Fremde habe den Verstand verloren. „Kein Scherz! kein Scherz!" rief dieser indessen; seine Hände waren von Mendels Schultern zu dessen Handgelenke« hinabgeglitten, die er fester drückte, als man seiner schmächtigen Persönlichkeit hätte zutrauen sollen. „Wohl weiß ich, daß Sie stolz sind, aber Sie sind auch —" er wollte sagen arm. besann sich indessen, daß daS nicht eben höflich fei und verbesserte sich schnell: „Ich seh' den Wurm, der Dir am Herzen frißt!" „Aber mein Herr!" fiel Mendel ungeduldig ein, „dürfte ich Sie bitten, zur Sache zu kommen?" „Ich bin ihr bereits ganz nahe!" deklamirte Harburger, „ich wiederhole Ihnen, eS ist mein furchtbar bitterer blutiger Ernst, daß Sie ein Genie sind, Mendel Schapiro, (mein Name ist Harburger!) wenngleich noch in demjenigen Stande der Unschuld, wo das Genie nichts von sich selber weiß!" Während er diese außerordentlichen Worte von sich gab, bemühte sich Herr Harburger so furchtbar, bitter > blutig, ernst auszusehen, daß Mendel Mühe hatte, nicht zu lachen, er zuckte die Achseln, blickte Vögele mit heraufgezogen Augen - braunen an, und dann schüttelten Beide mit einer Geberde entschiedenen Nichtbegreifens den Kopf, aber auch dadurch ließ sich der Musikkenner nicht stören. Er legte wie in tiefen Gedanken seine weiße Hand mit den wohlgepflegten Nägeln und dem Brillantring am kleinen Finger vor Vögele auf den Tisch, damit sic sich während der nun folgenden Auseinandersetzung an ihrem Anblick erlabe, lehnte sich in einen Stuhl zurück und sagte: „Sie haben meinem Enthusiasmus nicht geglaubt, Herr Schapiro, vielleicht glauben Sie meiner dürren, trocknen Erklärung. Nun also, eine Anzahl Kunstfreunde, Musikfreunde, ich sage nicht wieviel, sind in der Synagoge auf Ihre vortrefflichen gesanglichen Mittel aufmerksam geworden. Diese Musikfreunde, ich sage nicht wieviel, Herr Schapiro, haben seit Jom-kippur, wo Sie für den erkrankten Vorsänger eintraten, keine Gelegenheit versäumt. Sie zu hören, und »diese Kunstfreunde machen Ihnen nun den Vorschlag —" Herr Harburger ließ eine kleine Kunstpause eintreten. Vögele athmete tief auf und sah mit glänzenden Augen auf ihren Gatten, auch Mendel war aufmerksam geworden. „Welchen Vorschlag?" fragte er gespannt. „Den Vorschlag," sagte Harburger langsam, wie um beileibe keins von den köstlichen Worten zu verschütten, „den Vorschlag, dem hiesigen Operndirector Ihre Aufwartung zu machen, ihm mit Ihrer göttlichen Stimme etwas vorzusingen, mit Entzücken angenommen zu werden, sich auszubilden und nach Jahresfrist der erste Sänger Europa's zu sein." Mendels Gesicht war wieder ganz ruhig, vergeblich spähte Harburger nach einem Zeichen, daß seine Worte Eindruck gemacht hätten; als Schapwo sprechen wollte, machte der Jmpreffario seine beschwörende Handbewegung. — „Bitte, stoch nicht, Herr Schapiro, denn ich sehe noch keinen Entschluß auf Ihrem Gesichte glänzen, nein, bitte, warten Sie noch einen Augenblick, der Direktor ist natürlich bereits unterrichtet und erwartet Ihren Besuch schon morgen!" Mendel Schapiro lächelte, er lächelte zum erstenmate, seit Herr- Harburger-eingettetsn war. ^Wich wundert-doch^ sagte er scherzend, „ob Sie noch keinen Entschuß aus meinem