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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-11-25 · N° 48. (25.11.1880) · p. Seite 407

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 48. (25.11.1880)
Date
1880-11-25
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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serbischen Israeliten ihren Mitbürgern anderer Confession v ollständig gleichgestellt sein werden. Der jüdische Deputate, der Mitglied der Skupschtina ist, ist einer der befähigsten Männer, er gehört allen Commissionen an und wird Minister werden können. Der Privatsecretär des Herrn Ristitsch ist auch Israelit, es giebt mehrere jüdische Beamte in den verschiedenen Ministerien. Der Fürst sagte mir, daß er in seiner Garde, die von ihm selbst ausgesucht wird, 6 unserer Glaubensgenossen placirt habe; wenn es noch keine jüdischen Offiziere in seiner Armee gebe, so liege das nur daran, daß es noch nicht lange her sei, seitdem die Juden überhaupt dienen, er sei jedoch jetzt im Begriffe, mehrere von ihnen zu ernennen. Endlich hat er Alles gethan und gesagt, um mir zu beweisen, daß er eine besondere Zuneigung zu „diesem so begabten und überlegenen Stamme" habe und daß es ihm darauf ankomme, zu zeigen, wie würdig die serbische Nation der Wohlthaten sei, welche sie von den Westmächten erhalten. „Ich garantire Ihnen", fügte er hinzu, „daß seitens Ihrer Glaubensgenoffen keine Klage mehr zu Ihnen gelangen wird." Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 21. Nov. (Or.-Corr.) Hier hat sich eine neue jüd. Gemeinde unter der Führerschaft des Herrn Rabbiner vr. Nascher, der gegen seine frühere Gemeinde klagbar werden mußte, gebildet, sie führt den Namen Kehillath Hattuschijah und beabsichtigt, neben der Sing-Akademie eine Friedrichstädtische Synagoge zu erwerben. — Vom Pastor Gruber in Reichenbach (Schlesien) Vers, von: „Christ nnd Israelit" ist soeben eine sehr empfehlens- und lesenswerthe Broschüre: Der neue Sturm der Judenfrage, „Ein Friedenswort," erschienen, auf das wir demnächst zurückkommen. Berlin. Die unverehelichte L zu S ch ö n s e e wurde von dem Vorstande der Synagogen-Gemeinde daselbst zu den jüdischen Corporations-Beiträgen pro 1879/80 herangezogen; die Steuer-Veranlagung wird statutenmäßig durch Auslegung der Steuerliste in der Synagoge publicirt. Die L. zahlte nicht und wurden die Beiträge von 16 Mk. von ihr durch Vermittelung des Magistrats iv Schönsee eingezogen. Hiergegen erhob die L. Klage beim Bezirks-Verwaltungsgerichte zu Marienwerder und führte in derselben aus, daß sie unverheirathet, kinderlos und als unverheirathete Person zum Besuche der Synagoge nicht berechtigt sei, auch von der Steuer- Veranlagung nicht Kenntniß erhalten habe. Der verklagte Synagogen Vorstand wendete ein, daß die L. ein Grundstück besitze, auf welchem sie eine Gastwirthschaft betreibe, und ihr der Besuch der Synagoge niemals verwehrt worden sei. Das Betriebs-Verwaltungs Gericht wies die Klägerin auf Grund dcs § 4 des Gesetzes vom 23. Mai 1850 ab, weil sie nicht rechtzeitig gegen die Steuer Veranlagung reklamirt hatte nnd führte noch aus, daß über ihre Verpflichtung zur Zahlung der Beiträge nicht im Verwaltunzs - Streitverfahren zu entscheiden sei. Auf von der Klägerin eingelegte Berufung bestätigte das Ober - Verwaltungs - Gericht die Vorentscheidung, indem es als festgestellt annahm, daß die Klägerin nicht rechtzeitig gegen die Steuerveranlagung reklamirt habe. Berlin. Unter den gegenwärtigen Verhältniffen mußte ein Vortrag des Profeffor vr. Paulus Caffel, des Predigers an der Christus-Kirche über „Die Bedeutung der Juden in der Weltgeschichte" ein besonderes Jntereffe heroorgerufen. Ein außerordentlich zahlreiches Publikum hatte sich denn auch gestern Abend lange vor Beginn des Vortrages im Hörsaal des Friedrich-Wilhelms-Gymnasium versammelt. Der Redner begann seinen Vortrag mit einem Vergleich der drei bedeutendsten Völker des AlterthumS, der Römer, als dem Volke der Macht, der Griechen, als dem Volke der Schönheit, der Juden, als dem Volke des Glaubens. Durch die Zerstörung > Jerusalems in alle Welt zerstreut, wurden die Juden in den Ländern der Barbaren zu Trägern und Verbreitern der Welthumanität. An vielfachen Beispielen machte der Redner augenscheinlich, wie während des ganzen Mittelalters sich Juden auf jedem geistigen Gebiete ausgeze ichnet haben, er erwähnte des berühmten spanischen Ministers Chasdai und wie Franz I. von Frankreich sich ausschließlich jüdischer Aerzte bedient habe, er rühmte die vielen jüdischen Dichter in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland, die nicht nur auf liturgischem, sondern auch auf jedem anderen poetischem Gebiete Werthoolles geschaffen. Profeffor Caffel führte weiter aus, wie lediglich oder doch hauptsächlich das Hängen an seinen geistigen Besitzthümern das Judenthum zum Vorkämpfer auf den Gebieten der Mathematik, der Astronomie, der Heilkunde gemacht habe. Der Vortrag fand demonstrativen, ungewohnt enihusiastischen Beifall. Braunschweig. Es dürfte für viele Leser dieses Bl. von Interesse sein zu erfahren, daß der um die jüd. Wissenschaft so hochverdiente Landrabbiner Profeffor vr Herz selb in Braunschweig, am Freitag, 3. December d. I. seinen siebenzigsten Geburtstag feiert. Rotterdam. (Or -Corr.) Am 10. d. M. feierte Herr Advocat H. H. T e l s seinen 70. Geburtstag. Herr Tels, der durch mehrere Jahrzehnte hindurch das rechtskundige Mitglied des Vorstandes der hiesigen Gemeinde ist, der in der uneigennützigsten Weise sein immenses juristisches Wissen in den Dienst der Gemeinde gestellt, hat sich durch seine segensreiche Thätigkeit große Verdienste um die Rotterdamer Glaubensgenossen erworben. Der Vorstand und Kirchenrath hatten daher beschlossen, Herrn T. an diesem Tage in feierlicher Weise zu begrüßen und zu beglückwünschen. Eine Deputation, bestehend aus 6 Herren vom Vorstand und Kirchenrath, richteten unter Ueberreichung von kostbaren Geschenken herzliche Bcgrüßungsworte an den Jubilar. Herr I. Polak jr. sprach irrt Namen des Vorstandes, Herr D. Hirsch im Namen des Kirchenrathes. Es waren treffliche Worte, in denen hervorgehoben wurde, daß Herr T. nicht allein der Gemeinde im engeren Sinne, sondern auch dem Judenthum im Allgemeinen zur Ehre und Zierde gereiche. Wünsche für ein schönes, ungetrübtes Greisenalter schlossen die gehaltvollen Anreden. Herr T. dankte in jener bescheidenen Weise, die die ihm zuerkannten Verdienste ablehnt und in der Erfüllung der übernommenen Ehrenpflichten die höchste Zufriedenheit findet. Möge der würdige, verdienstvolle Mann noch viele Jahre seiner Gattin und Kinderschaar in voller Rüstigkeit des Körpers und des Geistes, feiner Gemeinde und ihren Institutionen, seinen zahlreichen Freunden und Verehrern erhalten bleiben. Paris. Daß die Französischen Blätter jede Gelegenheit benutzen, um auf Grund der antisemitischen Agitation gegen Deutschland zu schreiben, braucht nicht erst gesagt zu werden. Für sie sind solche Vorkommnisse natürlich ein wahres Vergnügen. Ein Pariser Blatt beispielsweise begleitet die im „Journal officiel" pitblicirte Ernennung eines Ingenieur- Oberst Abraham L e v y zum Brigade-General mit der Bemerkung, daß sie diese Mittheilung „an die Adresse der Berliner Judenfresser" — „4 l’adresse des mangeurs des juifs Berlinois“ — richte. . . . Lrndon, 18. November. Die „Times" brandmarkt und verurtheilt in einem redactionellen Artikel in den schärfsten Worten die antisemitische Bewegung, indem sie schreibt: „Alles was in Deutschland edel ist, wird mit Mommsens Erklärung sympathisiren, alles Gemeine und Niederträchtige dagegen mit der Judenhetze. Es sei eine Satire auf Deutschlands Bildung und etne Schmach für Berlin, daß dort eine derartige Bewegung Fuß fasten konnte, welche schon der deutsche Kronprinz als eine Schmach und Schande für Deutschland erklärte." I (Fortsetzung in der Beilage.)

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