Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 48. (25.11.1880)
- Date
- 1880-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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48. 1880. Israelitische Jahrgang XI. Wochen Zchrist für die religiösen und socialen Interessen des Zudenthums. Erscheint jeden Mittwoch ' u kosiet sammt dem wöchentlich erscheinenden „Jüdischen Litcraturblatt" bei allen P o st ämtern und Buchhandlungen vierteljährlich 8 Mark. Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich 8 fl.; nach dem AuSlande: 16 Mk. (SO ffrcs. j 8 Nub. 4 Dollars) jä d r l i ch. j Einzelnummern der „Wochenschrift" ä 25 Pf-, des „Literaturblatts" k 15 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber! Rabbiner vi'. M. Flahmer in Magdeburg/ - —- Inserate für die ,W o ch e n s ch r i f t", wie für das „I ü» discheLiteraturblatt", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum werden mit 25 Pf. berechnet und sind ausschließlich an die Central- Annoncen-Txpedition von Gr. L. Dau.be & Co., Frankiurt a. Ri., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris rc. einzusenden. j I Magdeburg, 23 November. I n l, a l t: Leitende Artikel: Die Judensrage vor dem preußischen Landtage. — Briefe aus Breslau. Berichte und borrespondenzenr Deutschland: Magdeburg. Berlin. Frankfurt a. M. Kassel. Königsberg. Leipzig. Homburg v. d. H. Eßlingen. Oesterreich: Proßnitz. Rußland: Kowno. Mosir. Liebau. Serbi e n. Vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Berlin. Berlin. Braunschweig. Rotterdam. Paris. London. [Beilage:] Jerusalem. Jerusalem. Rumänien. Constantine. Feuilleton: Mendel Schapiro. — Belohnte Treue. Inserate. Die Judenfrage vor dem preußischen Landtage. „Die „Interpellation" war die Leuchtkugel, welche dieN a cht erhellte." (Aus der Rede des Abg. R i chter in der Sitzung vom 22. Nov.) Wer hätte vor zehn Jahren, als unsere jüdischen Jünglinge in den verschiedenen Heeresabthcilungen Deutschlands begeistert mit hinauszogen zur Vertheidigung des deutschen Vaterlandes und ihre Waffenbrüderschaft in heiliger Vaterlandsliebe mit ihrem Herzblute besiegelten, wer hätte damals gedacht, daß es in Deutschland, speciell in Preußen, noch eine „Judensrage" geben, daß die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden hier jemals noch eine Frage sein, oder gar in Frage gestellt werden könne! Und doch, wir haben — kaum ein Decennium nach der Heimkehr der heldenmüthigen Sieger — im preußischen Abgeordnetenhause die „Interpellation Hänel" erleben müssen. Ja gerade die No thwend igkeit dieser Interpellation, hervorgerusen durch die bekannt gewordene Antisemiten-Petition, und mehr noch: das ängstliche Lauschen auf ihre Beantwortung durch den Staatsminister, und die glückliche Befriedigung aller liberalen Blätter über den Ausfall der letzteren, dieses Alles zeigt leider nur allzudeutlich die ganze Misöre unserer Zustände, deren Schilderung ein auswärtige Zeitung mit folgenden Worten beginnt: „Zweihundert Jahre nach Spinoza, einhundert Jahre nach Lessing noch in einem Parlament die Frage erörtern zu müssen, ob Menschen ihrer Religion halber von Staatswegen zurückgesetzt und benachtheiligt werden sollen — fürwahr, das ist kein erhebendes Bild! Es gereicht dem Volke der „Dichter und Denker", der Nation, in deren Sprache der Nathan Wochen- November 1880. Kisslew 5641. Kalender. Freitag .... 26 23 (4 u. 36 M.) N eumondseinsegnung. Sonnabend . . 27 24 Sonntag.... 28 25 Chanuka 1 Montag .... 29 26 , 2 Dienstag . . . 30 27 » 3 Mittwoch . . . Dee. 1 28 » 4 Donnerstag . . 1 2 29 „ 5 und der „Don Carlos" geschrieben wurden, für die Kant und Schopenhauer gedacht haben, nicht zur Ehre, daß just ihr beschieden morden, der Welt dieses klägliche Schauspiel zu bieten." So war die Interpellation allerdings „eine Leuchtkugel welche die Nacht erhellte", — sie beleuchtete nur allzugrell die Nacht unserer socialen Zustände. Welcher Ansicht man auch vorher über die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit der Interpellation gewesen sein mochte, so viel steht jetzt unbedingt fest, daß sie Klarheit in die Situation gebracht hat, sowohl über die Stellung der Regierung, deren Erklärung sie provocirte, als auch der verschiedenen politischen Parteien im Hause (und entsprechend im Lande) zur Judenfrage. Die entschieden wichtigste Kundgebung war natürlich die Antwort, welche die Regierung auf die Interpellation ertheilte. Der Umstand, daß sie eigens im Ministerrath festgestellt worden, verleiht ihr erhöhte Wichtigkeit. Sie lautet wie folgt: Vicepräsident des Staatsministeriums Graf zu S t o lb e r g: Meine Herren! Die vorhin verlesene Interpellation ging davon aus, daß eine Petition an den Herrn Reichskanzler und Ministerpräsidenten gerichtet worden ist, weiche .die in der Jnterpallation wörtlich aufgeführten vier Forderungen an die Staatsregierung stellt. In Veranlassung dessen richtet der Herr Interpellant an die Staatsregierung die Anfrage: „welche Stellung nimmt dieselbe Anforderungen gegenüber ein. die auf Beseitigung der vollen verfassungsmäßigen Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger zielen? Hierauf muß ich zunächst constatiren, daß eine solche Petition, wie hier erwähnt, bisher an die StaatSregierung