Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 47. (18.11.1880)
- Date
- 1880-11-18
- Page
- Seite 397 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 397 — beauftragt worden, die inzwischen schon beim Bureau des Abgeordnetenhauses eingereicht sein dürfte. (Ziehe Beilage) Berlin. Der von dem Vorstand der jüdischen Reformgemeinde auf Verleibung von Corporationsrechten gestellte Antrag ist. wie wir hören, Allerhöchstenorts ablehnend beschieden worden. Die Gründe hierfür liegen in dem Artikel 13 der Verfastungsurkunde, nach welchem Religions und geistlichen Gesellschaften nur durch Gesitz Corporationsrechte verliehen werden können. Berlin. Der wahrhaft klassische Text der „Erklärung" an der Spitze unseres heutigen Blattes ist von Herrn Professor vr. Mommsen redigirt worden, die Initiative zu der Erklärung ist ebenfalls von ihm und dem Oberbürgermeister von Forckenbeck ausgegangen. Berlin, 13. November. Im Potsdamer Straßenbezirks - Verein fand gestern Abend die Antisemiten - Agitation eine scharfe Veiurtheilung. Es wurde einstimniig die nachfolgende Resolution beschlossen: „Die heute zahlreich versammelten christlichen Mitglieder des Potsdamer Straßen- Bezirks-Vereins sprechen einstimmig ihre tiefe Indignation aus über die rohen Agitationen, welche gegenwärtig gegen unsere jüdischen Mitbürger in immer dreisterer Weise fortgesetzt werden und fortgesetzt werden dürfen, zugleich in der Erwartung, daß auch die übrigen Bezirksvereine Berlins sich gegen jenes Unwesen entsprechend erklären werden." Berlin. Die „Deutsche Landesztg." behauptet Folgendes: „Die Referendare eines der hiesigen Gerichte haben in einer Petition an den Justizwinister gegen die Zumuthung protestirt, mit Juden in einem Local zusammen arbeiten zu müssen. Ein Bescheid soll hierauf noch nicht erfolgt sein, doch sei dem berechtigten Verlangen der deutschen Referendare bereits insofern Rechnung getragen worden, als die jüdischen Collegen in einem Zimmer separat untergebracht sind." .... Die Unsinnigkeit der Nachricht, die natürlich nur den Zweck hat zu Hetzen und Haß zu verbreiten, geht rem sachlich schon daraus hervor, daß die Referendare eines Gerichts natürlich nicht zusammenarbeiten können, da dieselben in die einzelnen Deputationen respective zur Hilfeleistung an die einzelnen Untersuchungsrichter vertheilt sind. Berlin. Der Vorstand der hies. jüd. Gemeinde macht in einem der Uebersicht des „Haushalts" angefügten Circular an die jüd. Gemeindemitglieder folgende recht erfreuliche Mittheilungen: „Wir glaubten in einer unserer Vorstellun gen heroorheben zu müssen, daß man sich nicht scheue, durch Verlästerungen und Verdächtigungen der Juden — ihrer Lehre und ihres Lebens — die Masten gegen sie aufzustacheln, hierdurch aber den interconfestionellen Frieden zu stören und die Eintracht zu untergraben, welche zwischen Bürgern eines und desselben Staates, Einwohnern einer und derselben Stadt besteht. Vermögen wir auch keine greifbaren Erfolge unserer bisherigen Schritte machzuweisen, so dürfen wir doch nach den Gesinnungen, die uns von maßgebender Seite kund geworden sind, erwarten, daß endlich die gehästigen Agitationen aufhören werden, welche durch jene Kundgebungen hinreichend gekennzeichnet sind, sicherlich aber auch an dem gesunden Sinne und dem lebendigen Rechtsgefühl unserer Mitbürger scheitern müsten. Wie bisher, werden wir indeß auch künftighin nicht unterlassen, der Bewegung unsere Aufmerksamkeit zu widmen und alle diejenigen Schritte zu thun, die uns zweckdienlich erscheinen. Gegenüber jenen Anfeindungen von Außen constatiren wir mit um so größerer Genugthuung, daß^im Innern unserer Gemeinde der friedliche und einheitliche Sign ungetrübt fortwaltet. Versuche, das Band der Einheit zu lockern, sind von so überaus winzigem Erfolge gewesen, daß auf Grund der Austrittsgesetze vom 14. Mai 1873 und 28. Juli 1876 seither im Ganzen 17 Steuerzahler aus dem Gemeindeoerbande ausgeschieden sind." Berlin. Im Laufe des December finden in der hiesigen jüdischen Gemeinde die Ergänzungswahlen der Repräsentanten statt, welchen Wahlen diesmal in den betheiligten Kreisen darum eine erhöhte Bedeutung beigelegt wird, weil im vorigen Sommer bei der Wahl eines Rabbiners sich eine auffallende Meinungsverschiedenheit zwischen dem (aus der Wahl der Repräsentanten doch hervorgegangenen) Gemeinde-Vorstand und der Gemeinde-Vertretung kundgegeben hat. Es wird sich nun zeigen, in welchem Sinne die Wahlen ausfallen, und dürfte eine größere Wahlbewegung unvermeidlich sein. Limburg Bemerkenswerth ist die Entscheidung, welche am 1 October das hiesige Gericht in Anlaß der Klage einer jüd. Frau gefällt hat, die aus der Synagoge (in Braunfels) gewiesen worden, weil ihr Mann aus der Gemeinde ausgetreten ist. Das Gericht sprach die Vorsteher frei, weil die Austrittserklärung eines Mannes seine Familie mit inbegreist, insolange nicht ausdrücklich gesagt wird, daß er nur für seine Person austrete. Rogasen. Herr M. H i rs ch b e r g, der mehr als 30 Jahre Stadtrath ist, hat den Kronenorden 4. Kl. erhalten. Wiesbaden, 13. Nov. Ihre Kaiser!, und Königl. Hoheiten der Kronprinz uud die Kronprinzessin, der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen wohnten gestern Abend in der Synagoge dem Concerte für den „P e n s i o n s f o n d s der i s r a e l i t i s ch e n C u l t u sbea inten" bei. Unter der überaus zahlreichen Zuhörerschaft befand sich die Elite der hiesigen Gesellschaft. Bei dem Eintritte der kronprinzlichen Herrschaften in die Synagoge wurden Höchstdieselben von dem Vorstande des Gesangvereins empfangen. Die beiden Präsidenten Herren Simon Heß und Louis Heymann überreichten Jher Kais. Hoheit der Kronprinzestin und Ihrer Kgl. Hoheit der Erbprinzestin von Sachsen-Meiningen prachtvolle Blumensträuße. Beim Verlosten des Conzertes sprachen die hohen Herrschaften dem Vorstande ihre höchste Befriedigung aus. Alzey, 4. Nov. (Or. Corr.) Gestern wurde das hiesige Lehrer-Seminar unter Theilnahme der höchsten Regierungsbeamten von Darmstadt, Minister v. Stark an der Spitze, feierlich eröffnet. Dasselbe ist vorläufig nur von zwei israel. Zöglingen besucht, indem die anderen, aus fernliegenden Rücksichten, sich entschlossen, vorläufig noch in Friedberg zu bleiben. Dennoch hat die Regierung angeordnet, den israel. Religionsunterricht sofort zu beginnen, dafür den Rabbiner Dr. Rothschild bei der feierlichen Eröffnung in's Amt eingeführt und dem Lehrercollegium einverleibt. Ueber die Fächer und die Art des Unterrichts werden Ihnen weitere Mittheilungen zugehen. Derhiesige Gemeindevorstand hat bereits die ersten einleitenden Schritte gethan zur Bildung eines Vereins, der sich nicht blos die Unterstützung der Zöglinge, sondern auch die Beschaffung von Lehrmitteln und Lehrkräften zur Erweiterung des Unterrichts angelegen sein lassen wird. Er hat die Beweise dafür in Händen, daß ihm die Sympathien vieler und der größten Gemeinden zur Seite stehen. (Vor Allem wird es darauf ankommen, daß der am Seminar zu ertheilende Religionsunterricht ein solcher sei, daß die Bedenken, die von orthodoxer Seite gegen denselben geltend gemacht werden, sich als unberechtigt erweisen. Red.) Rußland. Die Juden von Jsmaili (in der Dobrudscha) haben sich an den Grafen Loris Melikoff mit einer Petition gewendet, es möchte das rust. Gesetz, nach welchem Juden innerhalb 50 Werst von der Grenze nicht wohnen dürfen, auf. sie nicht angewendet werden. Petersburg. Vom November an werden einige Gelehrte an jedem Sonntage für jüdische Studenten Vorträge über jüd. Geschichte halten. — Nach der „St. Petersburger Zeit." beabsichtigt die Regierung, eine Enquete zu veranstalten über Leistungen der Juden im Handel und Gewerbe, über ihr Verhalten als Armeelieferanten, über Geldgeschäfte etc. Der Ausfall soll maßgebend werden für die geplante Emanzipation.