Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 38 u. 39. (18.9.1880)
- Date
- 1880-09-18
- Page
- Seite 329 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1 329 — Freiheitsstrafe, und zwar alsdann auszusprechen sein, wenn durch das Verschulden des Sträflings die Ehe thatsächlich getrennt, die Möglichkeit einer gedeihlichen Fortsetzung der ihrem Wesen nach die innnigste Lebensgemeinschaft bedingenden Ehe einseitig zerstört worden sei. Ob diese Voraussetzung im concreten Fall vorhanden, ob insbesondere anzunehmen sei, daß ein Zwang zum ferneren ehelichen Zusammenleben für den unschuldigen Ehegatten als eine unbillige Härte erscheinen würde, darüber habe das richterliche Ermessen zu befinden. Maßgebend für die Entscheidung seien dabei hauptsächlich die Schwere des Verbrechens oder Vergehens an sich, die Höhe der erkannten Strafe, die damit gesetzlich verbundenen oder im Strasurtheile ausgesprochenen Ehrenfolgen, die Bildungsstufe und die Standesverhältnisse der Ehegatten so wie deren Vorleben. Erfurt, im September. Auf gestelltes Ansuchen hat Se. Durchlaucht der Fürst Georg von Schwarzburg - Rudolstadt, allerhöchst mit der Führung der 8. Division betraut, den Rabb. Dr. Caro in Erfurt durch Handschreiben benachrichtigt, daß den israelitischen Soldaten im Bereiche der 8. Division Gelegenheit gegeben wird, am 6., 7. u. 15. September dem Gottesdienste ihrer Glaubensgenoffen beizuwohnen. Die zum Manöver ausgerückte Division hat ihr Hauptquartier in Arnstadt und dort werden wohl die meisten jüdischen Soldaten während der hohen Festtage ihre Gebete verrichten können. Erfurt. Die hiesige höhereHandels-Fach-Schule (unter der bewährten Leitung ihres Direktors Dr. Wahl) welche unter das König!. Provinzial- Schul- Collegium zu Magdeburg ressortirt, hatte Ostern 1880, 19 Abiturienten, welche sämmtlich das Zeugniß der Reife erlangten, das für den einj. freiw. Militärdienst in der deutschen Armee berechtigt. Leipzig. (Or. - Corr.) Hermann B o d e ck starb nach kaum 4itundlichem Unwohlsein am 19. August, und dieser Plötzliche Tod eines hier all ge mein hochgeachteten Mannes, der als tüchtiger Kenner der jüd. Literatur (Mitarbeiter des „Hamagid," „Hamelitz", „Hakarmel", „Jwri" u. a. m.) und eifriger Förderer derselben wohlbekannt war, hat hier die größte Theilnahme bei Freunden und Bekannten das schmerzlichste Mitgefühl erregt. Am 22. August begleitete die ganze jüv. Gemeinde und viele Mitglieder zweier Fremrauerlogen die Hülle des Entseelten zur ewigen Ruhestätte, und Dr. Goldschmidt sowohl als auch ein Freimauer- Vorsteher, hielten entsprechende Leichenreden, in denen sie die Verdienste B.'s in würdiger Weise hervorhoben. B. sollte am 3. d. Mts. sein 60. Lebensjahr feiern! Er war Sohn des bekannten Gelehrten Israel Bodeck und Schwiegersohn des berühmten S. L. Rapaport Der wohlbekannte frühere Redacteur des hiesigen „Tageblattes" und jetziger Redacteur des in Breslau erscheinenden politischen Blattes „Schlesische Preffe", Dr. Arnold Bodek, ist sein ältester Sohn, den 2. Sohn verheirathete er 14 Tage vor seinem Ableben, seine Tochter ist an den Bankier B. Kramer in Wien verheirathet; er hinterläßt außerdem eine Wittwe und 1 unverheirathetes Kind. Unlängst schickte B. dem Redakteur des „Hameliz" eine hübsche hebr. Abhandlung über die Geschichte der Freimauerer. Sein Name sei gesegnet! Frankfurt, 9. Sept. Gestern starb nach sch verem Leiden der letzte der drei Frankfurter Aerzte, welche 1831 dem Rufe der polnischen Nationalregierung gefolgt waren, Alexander Crailsheimer von hier, ein durch die Gediegenheit seines Wesens allgemein geschätzter Arzt. Als der erste Jude wurde er, nachdem die im Jahre 1848 vorgenommene Veränderung der Verfaffung von Frankfurt die gesetzlichen Hinderniffe beseitigt hatte, 1849 zum Landphysikus ernannt; er trat 1872 in Pension. Am 3. Juni des laufenden Jahres war noch mit großer Theilnahme sein 50jähriges Doctorjubiläum begangen worden; er erkrankte kurz nachher. Um die hiesigen wiffenschaftlichen Vereine hat er sich große Verdienste erworben. Bann. Das Schreiber'sche Blatt wildester Reform, das bei Skerzeczek in Löbau erschien, hört vom 1. October daselbst zu erscheinen auf. Das Baum'sche erscheint schon seit einigen Monaten nicht mehr hier. Mainz. Bei der Feier des Sedantages im Saale des Raimundigartens hat auch Herr Rabb. Dr. Fürst eine mit großem Beifall aufgenommene patriotisch« Rede gehalten, über welche die „Mainz. Zeit." ausführlich berichtet. Poln.-Wartenberg (Echtesten), 23. August. Am vorigen Dienstage hat Hierselbst unter zahlreicher Betheiligung eines großen Theiles der Einwohnerschaft die Einweihung der neu erbauten Synagoge stattgefunden. Vor dem imposanten Gebäude, wohin sich der Zug von dem während des Baues benützten Locale aus bewegt hatte, überreichte Fräulein Levy nach dem Vortrage eines von Herrn Dr. Cohn (Oels) verfaßten Gedichtes den Schlüssel an den ersten Gemeinde-Vorsteher Herrn Ucko, welcher sich sowohl um den Neubau der Synagoge als auch um die Leitung der Gemeindeangelegenheiteu hochverdient gemacht hat. Unter dem Gesänge des Herrn Cantors Hohenstein und den Klängen einer Militär- Musik Capelle erfolgte der Einzug in die schönen, festlich geschmückten Räume und nachdem daselbst die eingeladenen Ehrengäste, die Vertreter des Magistrats, der Stadtverordneten, der Geistlichkeit ihre Plätze eingenommen, begann der liturgische Theil der Feier, worauf Hr. Prediger Dr. Cohn aus Oels die Festpredigt hielt. Nach beendigter Feier fand für die Gemeindemitglieder und ihre Gäste ein Festdiner und Abends ein Ball statt. Auf einstimmigen Wunsch der Gemeinde. Vertretung wird die erwähnte Festpredigt im Drucke erscheinen. Metz. Einer der 2 großen Römischen Preise für Bildhauer ist Herrn Emanuel Hannau von hier zuerkannt, worden. (Die Juden leisten nichts in Kunst — so decrelirt der Naturforscher im „Ausland", und da nicht alle Juden Künstler sind, bestätigen die Ausnahmen die Regel!) Frl. Jacob erlangte im Concurs des Conservatoriums den 2. Preis im Gesang und der komischen Oper. (Arch. isr.) Lemberg. Kaiser Franz Joseph hat hier sowohl den Tempel, wo er vom Prediger Löwenstein begrüßt wurde, als auch die Synagoge der Orthodoxen, wo Rabb. Ornstein ihn begrüßte, zur großen Freude der ganzen Gemeinde besucht. (Ausführlicher Bericht in nächster Nr.) — Eine Deputation des Vereins „Schomer Israel" wurde am 13. hulvvollst in Audienz vom Kaffer empfangen. Wien. Daß Lokalitäten, welche das Jahr über zu allerlei profanen Zwecken dienen, für das jüdische Neujahrsfest und den darauf folgenden Versöhnungstag in den Großstädten zu Bethäusern hergerichlet werden, ist eine alte bekannte Thatsache. Neu dürfte es aber sein, daß auch mit einem Circus eine solche .Wandlung vorgenommen wird. Dies ist nämlich hier in Wien der Fall, wo anläßlich der jüdischen Feiertage der Circus Renz eine Umwandlung für den entsprechenden Gottesdienst erfahren hat. So erfüllt sich die Verheißung des Proph. Sacharja 14 by n\T wnn om #ni? didh rn^xö Neutra (Ungarn.) Im hiesigen Tempel ereignete sich am zweiten Neujahrstage eine Schreckensscene. Der Tempel, ein alles, dem Verfalle nahes Gebäude war von einer so großen Anzahl Andächtiger überfüllt, daß auf jedem Sitze drei bis vier Personen Pmtz nehmen mußten, ja selbst die Vorhalle des Bethauses als Andachtsort verwendet wurde. Dazu kam noch, daß man am Vorabende des Neujahrsfestes einen gefährlichen Sprung in der Mauer der im ersten Stocke befindlichen Frauenhalle entdeckte, so daß man in letzter Stunde sich genöthigt sah, die Wand mit Balken zu stützen. Am zweiten Festtage war der Andrang der Andächtigen zu dem Tempel noch größer. Plötzlich erschallt in der Frauenhalle ein markerschütternder Auffchrei, eine Frau wurde in Folge der erdrückenden Temperatur ohnmächtig unv man schrie nach (Fortsetzung in der Beilage.) k