Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 37. (10.9.1880)
- Date
- 1880-09-10
- Page
- Seite 322 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 322 — phie studirt hatte, wurde später Dominicaner in Graz, trat jedoch auS; P. Adler fühlte sich nun verpflichtet, die Stelle seines Freundes im Orden auszufüllen und trat selbst in den Prediger-Orden des heil. Dominik, wo er bald zu den geachtetsten und angesehensten Mitgliedern gezählt wurde und erfolgreich in mehreren Klöstern wirkte, bis er nun an die Spitze des Convents berufen wurde, deffen Subprior er zuletzt war. Sein ehemaliger Mitschüler Brentano ist derselbe vr. Franz Brentano, der als ordentl. öffentl. Professor der Philosophie in Wien wirkt, und sich, obschon er die Priesterweihe erhalten, jetzt verheirathen will. Proßnitz, 25. August. Die hiesige Stadtvertretung und die Jsraelitengemeinde werden beim Empfange des Kaisers in Olmütz durch Deputationen vertreten sein und vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit wird der hiesige Rabbiner vr. Hoff seine anläßlich der Jubiläumsfeier des Kaiserpaares im vorigen Jahre gehaltene Festrede in einem prachtvoll a lsgestatteten Exemplar dem Kaiser überreichen. Auch die von dem genanten Rabbiner aus Anlaß des 5 0. Geburtstages des Kaisers im hiesigen Tempel gehaltene Festrede, wird demnächst im Druck erscheinen; das gesammte Erträgniß derselben kommt den Ueberschwemmten zu gute. Basel. Der diesjährige Rektor der hies. Universität hat die Lebensschilderung einer seiner Vorgänger, Johannes Buxtorf des Aelteren (gestorben 1629 nach 4 Ijähriger Lehrtätigkeit daselbst) zum Gegenstand seiner Jnaugurationsrede gewählt. Er erzählt darin u. A., daß B. immer mindestens einen, manchmal sogar zwei jüdische Gelehrte sammt ihren Familien im Hause hatte, die ihn bei seinen Studien unterstützen mußten. Dadurch gerieth er einmal in eine tragikomische Verwicklung. Einem dieser seiner jüdischen Hausgenossen wurde ein Söhnlein geboren. Buxtorf freute sich ungemein, bei dieser Gelegenheit einmal der Eircumcision persönlich beiwohnen zu können. Er bewog den Rathsdiener, xer uetss einige fremde Juden, die man für die Ceremonie brauchte, in die Stadt einzulaffen. Aber die Sache wurde ruchbar, die Geistlichkeit verklagte die Betheiligten „wegen unchristlichen, sündlichen Benehmens", der Jude wurde um 400 fl, Buxtorf um 100 fl. gebüßt und die übrigen Theilnehmer in den Kerker geworfen. Aus dem Elsaß. Eines der angesehensten Mitglieder der | elsäflischen Emigration, Herr Isidor Wolfs, vor dem Kriege Anwalt in Sargemünd, ist vor einigen Tagen als Friedensrichter in Longjumeau bei Paris gestorben. Gegen Ende des Krieges war er als Verfasser einer Petition an die französische Regierung, welche gegen die Abtretung Elsaß Lothringens protestirte, in Metz vor ein deutsches Kriegsgericht gestellt worden, kam aber mit blauem Auge davon, da er beweisen konnte, daß diese Petition gerade noch einen Tag vor der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien in Versailles aufgesetzt war. Er wanderte aus und beschloß sein Leben in dem durch die Adam'sche Oper berühmt gewordenen Dorfe. Paris. Die Beiträge für das Cr6mieux-Grabdenkmal betrugen am 31. Juli cr. 45,658 Fr. 65 e. (36,526.92 M.) Die Stadt Haag errichtet ihrem großen Sohne Spinoza, den sie einst so schnöde aus ihren Mauern in die Verbannung getrieben hat, ein Denkmal. Ueber zweihundert Jahre nach dem Tode Spinoza's sühnt man, was die Mitwelt an dem großen Philosophen bei dessen Lebzeiten verschuldet hat. Das Denkmal wird im September dieses Jahres auf der Pavillon-Gracht in Haag, gegenüber dem Sterbe hauie des großen Denkers, errichtet werden. Dasselbe wird Spinoza, auf einem Sessel sitzend, in Nachdenken versunken, darstellen; es ist diejenige Stellung, in der derselbe den größten Theil der letzten Jahre seines Lebens zugebracht hat, da er leidend war (er starb an der Sch w i n d s u ch i) und nur mit Mühe stehen konnte. Seine Leiche befindet sich in der I reformirten Kirche in Haag. Die meisten Beiträge sind aus ' England und Amerika eingegangen. London, 30. August. Vorige Woche wurde eine neue Synagoge in Newcastle (England) eingeweiht. Rev. vr. Hermann Adler hielt die Einweihungsrede, und wies darin in gewohnter eindringlicher Weise auf die Bedeutung eines neuen jüd. Gotteshauses hin. Was die Synagoge selbst betrifft, so ist sie ein prachtvolles Gebäude und enthält ungefähr 700 Sitze. Vor etwa 40 Jahren bestand die Newcastler Gemeinde aus nur 7—8 Mitgliedern, und jetzt zählt sie deren zu hunderten. Bedauernswerth ist es nur, daß eine solche ansehnliche Gemeinde, wie es auch bei vielen andern ähnlichen Gemeinden in England der Fall ist, ohne Prediger sich behilft. Wie diese ohne Piutim und ohne Predigten die Zeit während der hohen Feiertage ausfüllen werden, bleibt uns ein Räthsel. London. Die alljährlich wiederholte Sammlung für das allgemeine Krankenhaus (abgehalten in den Synagogen und jüd. Bethäusern) hat in diesem Jahre rund 750 Pfd. Sterl. (15000 Mark) ergeben. London. Ein reiches, abenteuerliches Leben ist abgeschloffen, vr. Amon H e n r i q u e z, 1812 in Jamaica geboren, starb hier geliebt und verehrt von den Vielen, denen er stets hilfbereit gewesen. 1830 hat er in London Medicin studirt, 1833 in Paris sein Examen gemacht, wo er in die revolutiß onäre Bewegung mit hineingezogen wurde. 1834 ging er - nach Italien, practicirte sodann in Athen und darauf in Conk stantinopel. Dort wurde er beauftragt, den medicinischen; Generalstab der Armee zu reorganisiren. Aber er wurde k 1839 von den Egyptern gefangen, entsprang und durchirrte | Egypten und Persien in der Verkleidung eines Türken. 1840 k hatte er als Arzt des Marquis Zilta Oberegypten besucht, f als er erfuhr, daß in Jamaica die Stelle eines Arztes offen | sei. Sofort kehrte er in sein Geburtsland zurück und wirkte f dort 7 Jahre mit großem Erfolge. Seitdem lebte und prac- ° ticirte er in London — seit 1850 als Homöopath, — und t war auch schriftstellerisch thätig. („Jew. Chronicle.");i Petersburg. Gegenüber den grauenhaften Hetzereien;i schlägt „Hameliz" eine dem deutschen Gemeindebunde ähnliche Vereinigung vor, deren Vorstand auf Grund der bestehenden Preßgesetze die Bestrafung der Verfasser solcher Libelle erstrei ben soll (dürfte eben hierin wenig zu bewirken sein!). Bohislow, (Gouv. Kiew.) Die Chassidimrebbe's betreiben das Geldsammeln im Umherziehen eifriger, da das vor 15 Jahren dagegen erlassene Verbot nicht mehr beachtet wird. So zog „Reb Dowidel" aus Rachinistriwka in der letzten Juniwoche dieses Jahres im feierlichen Zuge, von den Chassidim begleitet, am Sabbath in die Klause zum Beten — dann ging er von Haus zu Haus und tbat Wunder. Einem Kranken verhieß er baldige Heilung — und nach 3 Stunden schon spürte dieser keinen Schmerz. Selig war er hinübergeschlummert. . Einem Fieberkranken untersagte er, den Arzt zu rufen, behängte ihn dagegen mit Amuletten. So brachte er das einzig wahre! Wunder zu Wege, daß er in dieser schlimmen Zeit in unserer kleinen Stadt Tausend Rubel zusammenscharrte! Romanowo (bei Minsk.) Seit 20 Jahren haben 20 jüd. Familien in unserer kleinen Stadt je 10 Dessiatin Land vom Fürsten Wittgenstein immer auf 6 Jahr gepachtet. Sie bearbeiten das Felo selbst und erschwingen neben der Pacht ihren vollen Lebensunterhalt. Dies zum Erweise, wie gut die Ausführung des Colonisationsprojektes wirken würde. Leider fließen die Beiträge allzu spärlich. „Hazephira", dem wir Obiges entnehmen, macht den Vorschlag, daß jede Gemeinde aus den reichen Ueberschüssen der Fleischtaxe einen Jahresbeitrag zu dem großen Werke bewilligen solle. Verantwortlicher Redakteur vr. Rahm er in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barbp. Verlag von Robert Friese in Leipzig.