Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 37. (10.9.1880)
- Date
- 1880-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ipi.ll 1’jWÜ.I!W0. V M 37. 1880 3$raeKfi|c^e Jahrgangu ochen-Zchrlst für die religiösen und foeialen Interessen deS Judenthums. Erscheint jeden Mittwoch u. kostet sammt dem wöchentlich erscheinenden „JüdischenLiteraturblatt" bei allen Post ämtern und Buchhandlungen vierteljährlich S Mark. Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich 8 fl.; nach dem Aus lande: 16 Mk. (20Frcs. 8 Rub. 4 Dollars) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" ä 25 Pf., deS „Literaturblatts" 4 15 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner Dr. M. Ziahmer in Magdeburg. -- Magdeburg, IO. September. Inserate für die „W o ch e n s ch r i f t", wie für das „JüdtscheLiteraturblatt", die dreigesvaltene Petitzeile oder deren Raum werden mit 35 Pf. berechnet und stnd ausschließlich an die Central- Annoncen-Exvedition von G. L. Daube Äe Co., Mrank, urt a. M., Berlin, Hamburg, Eöln, München, Zürich, Wien, Paris re. einzufendm. Inhalt: Leitende Artikel r Die Antwort des Neujahrsfestes. Berichte und Correfpondenzenr Deutschland: Berlin. Aus Ostpreußen. Hannover. Hannover. Aus dem Hildesheimschen. Beuthen. Mainz. Aus der bairischen Pfalz. Oesterreich.Ungarn: Pest. Rußland: Petersburg. Rumänien: Bukarest. Palästina: Jerusalem, vermischte und neueste Nachrichten» Berlin. Grünberg. Coblenz. Wiesbaden. Posen. Wien. Proßnitz. Basel. Aus dem Elsaß. Paris. Haag. London. London. London. Petersburg. Bohislow. Romanows. Kenilteton r Ehajim Prostak. — Der Streit um den Pantoffel. — Auch ein Märtyrium. Inserate. Wochen- Lextewber 1880. Disobr! 5641. Mittwoch . . . 8 3 Donnerstag . . 9 4 Frettag .... 10 5 Sonnabend . . 11 6 Sonntag.... 12 7 Montag ... 13 8 Dienstag . . . 14 9 Kalender. Zorn Gedaljah. -J^l (7 U. 3 M.) Schabb. Schuwoh. Erew Jomkippur. Die Antwort des Neujahrsfestes. Wir stehen in den ersten Tagen des nenen Jahres, das wir als religiöse Gemeinschaft, als die Bekenner der Thora und der Tradition, als Menschen, die Gott als ihren alleinigen Vater und König, Gesetzgeber und Richter anerkennen, gefeiert haben. Wir Israeliten sind daher in einer so ernsten Stimmung, wie sie der Anblick der vergänglichen Zeit, der Rückblick auf das Erlebte erzeugt. Wir schauen zurück und sehen, was wir in diesem Jahre als Israeliten, als Gottes- Kinder und Diener erfahren haben. Da kann unser Geist an einem traurigen Bilde nicht vorüber, ungern beschaut er es, nicht ohne Zittern und Zagen, nicht ohne Wehmuth und Trauer, nicht ohne Sorgen und Bangen. Es ist das Bild des Fanatismus, der sich besonders in Deutschland gegen das Judenthunr erhoben hat. Zwar sind es bis jetzt Gott sei Dank keine Scheiterhaufen, die da rauchen, keine Gräber, die sich mit heiligen Opfern füllen, keine Trümmer, unter denen alles Erdenglück der Familie verschüttet liegt, noch irren keine Flüchtlinge verbannt und gehetzt umher. Noch, Gott sei Dank. Wohl ist das mit tausend Blutströmen geweihte Gesetz der unbeschränkten Religionsfreiheit und der von dem religiösen Bekenntniß unabhängigen Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze noch nicht umgestoßen, wohl ist es im Gegentheil neu geheiligt durch die Marokkaner Conferenz in Madrid, wohl scheint es, als ob eine Zerstörung dieser Freiheit überhaupt unmöglich sei. Aber der Umstand, daß der Wunsch, sie zu zerstören, daß der Hep-Hep-Ruf gegen die Juden wieder von allen Seiten laut wurde, daß auf einmal in dem Deutschland, das einem Lessing gelauscht, das freie Staatseinrichtungen angebahnt, das den Geist des Reliligionsfriedens in alle Reiche zu tragen mitgeholfen hat, in dem Deutschland, das durch das Blut seiner Söhne ohne Unterschied der Confession sich seine Freiheit und Größe errungen hat, das von dem Geiste der Milde getragen alte GesetzesKirter; zu entfernen sich mühte, daß in diesem Deutschland, in dem Juden gern und reichlich ihre Kräfte dem Vaterlande dargeboten haben, jetzt in diesem Jahre ein solcher Sturm entstehen konnte, das trübt uns den Rückblick. Und als sollten wir das Leid ja nicht übersehen, erscheint gerade jetzt in 2. Auflage eine Kampfesschrift gegen uns, „Die Iudenfrage" betitelt. Gottlieb August Schüler ist der geistliche Angreifer. Er erscheint im Gewände der evangelischen Orthodoxie, er vertritt das Christenthum mit dem Glauben an die Dreieinigkeit, mit dem Gottmenschthum, mit dem Satans- und Teufelsglauben, mit der Erbsünde, mit der Geringschätzung des alttestamentarischen Judenthums, das er nur als eine Vorstufe des neuen, besseren Christenbundes betrachtet, er kommt im Namen seiner christlichen Liebe und seines Offenbarungsglaubens, und ruft uns zu: Warum hat Euch Euer Gott in die Fremde zerstreut? Weil Ihr auf den Heiland nicht gehört, weil Eure Väter Gott gemordet haben! Warum seid Ihr unter die christlichen Völker zerstreut? Damit Ihr von ihnen demüthig das Christenthum lernt! Fremde seid Ihr, Gäste seid Ihr nur bei den Deutschen, den Christen. Nicht habt Ihr mit diesen über die nationalen Angelegenheiten zu berathen, kein öffentliches Amt habt Ihr zu erstreben, Gott hat Euch geschickt, auf daß Ihr in dem Schmerze der Verbannung an seinen Sohn den Erlöser glauben lernt. Ihr aber seid untreu dem alten Bunde und schändet den neuen Bund, ihr zerstört die Religion des Christenthums und damit den Boden, in dem die deutsche Nation wurzelt. Werdet besser, sehet doch, daß euch Gott wiederum jetzt straft, tretet zurück von eurem hochmüthigen Eindrängen in die Christennation, seid bescheiden als Fremde und