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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-08-18 · N° 34. (18.8.1880) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 34. (18.8.1880)
Date
1880-08-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 34. 1880. Israelitische NE» Wochenschrift für die religiösen und socialen Anlereffen des Indeuthnms. Erscheint jeden Mittwoch it. kostet fommt dem wöchentlich erscheinenden „Jüdischen Llteraturblatt" bei allen Post ämtern und Buchhandlungen vierteljährlich 3 Mark. Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich 8 fl.; nach dem Auslande: 16 Mk. (20 Frcs. 8 Rub. 4 Dollars) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" ä SS Pf-, des „Literaturblatts" a 15 Pf. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. W. Ilahmer in Magdeburg. -—— Magdeburg, 18. August. Inserate für die „Wochenschrift", wie für das „I ü* discheLiteraturblatt", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum werden mit 35 Pf. berechnet und sind ausschließlich an die Central- Annoncen-Exveditton von G. H.. Daube Sc Co„ Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris rc. einzufenden. Inhalt: Leitende Artikel r Das „Ausland" und die Juden. — Ist der Austritt aus einer Gemeinde religionsgesetzlich statthaft? Berichte und Correfpondenze« rDeutschland: Breslau. Breslau. Aus Ostpreußen. Aus Oberschlesien. Oesterreich: Wien. Wien. Rußland: Minsk. Aus dem Kreise Suwalk. Ameri ka: Newyork. vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Berlin. Breslau. Gleiwitz. Schildberg. Laupheim. München. Tczinow. London. Marocco. Feuilleton: Chajim Prostak. Inserate. Wochen» AugUSt 1880. Ellul 5640. Kalender. Mittwoch . . . 18 11 Donnerstag . . 19 12 Freitag .... 20 13 Sonnabend . . 21 14 Kltn 'D (7 u. 52 M.) Perek 1 u. 2 Sonntag.... 22 15 Montag .... 23 16 Dienstag . . . 24 17 Das „Ausland^ und die Juden. Das „Ausland" — die von Friedrich v. Hellwald redigirte Wochenschrift für Völkerkunde — müht sich in mehreren, durch 5 Nummern sich hinziehenden Artikeln über „den Iudenstamm in naturhistorischer Betrachtung" ab, um zu beweisen, daß dieser Stamm „ein von allen Menschenstämmen, Racen und Nationen abgesonderter sei", „ausgezeichnet durch relativ laugen Rumpf, kleine Extremitäten, schwarzes Colorit der Haare und Augen, eigenthümlich gekrümmte, scharfkantige Nasen, hervorragendes, nach oben gebogenens Kinn, magere Gestalt, einwärts gebogene Kniee, schnellen Gang und abweichenden Dialect." Anatomie, Physiologie, Pathologie und vor Allem die Statistik werden als Zeugen hierfür aufgerufen. Wie aber das „Ausland" Jrrthümer, unbegründete Hypothesen im Gewände der Wissenschaft vorträgt, wie da besonders sehr aus den Resultaten der Statistik falsche Schlußfolgerungen gezogen werden, das hat jüngst die „Berl. Volkszeitg." in einem trefflichen Artikel: „die Juden in der Statistik" nachgewiesen, deffenAusführungen wir im Wesentlichen hier folgen lassen. Unter dem Titel: „Degenerationunter den Juden" stellt nämlich Herr Goldhausen in Bremen — auf Grund des fünften „A u s l a n d"-Artikels*) — die Behauptung auf, daß die S t a t i st i k durch die Volkszählung den Beweis liefere, wie die Zahl der Gebrechlichen, namentlich der Blinden, der Taubstummen, der Blödsinnigen und der Irrsinnigen unter einer Million Juden viel größer sei, als unter einer Million Christen. Er beruft sich hierin auf die Volkszählungen in Preußen und B ayer n, in welchen man die verschiedenen Confeffionen in den Zahlenangaben berücksichtigt hat, und führt hiernach die folgenden Data als entscheidend für sein Thema an. In Preußen befinden sich unter einer Million Menschen: Evangelische 899 Blinde, 965 Taubstumme, 1437 Blödsinnige. Katholiken 997 „ 1027 „ 1346 Juden 1334 „ 1488 „ 1697 und *) Oder ist Hr. Goldhausen in Bremen vielleicht selbst der «erf. der annonymen „Ausland"-Artikel? Evangelische 847 Irrsinnige, Katholiken 884 „ Juden 1697 „ Fast in gleicher Weise verschieden stellen sich diese Zahlen im Königreich Baiern heraus. Es Inden sich daselbst unter einer Million Menschen: Evangelische 786 Blinde, 950 Taubstumme, 1514 Blödsinnige Katholiken 827 „ 836 „ 1483 „ Juden 1337 „ 1877 „ 2072 „ und Evangelische 925 Irrsinnige, Katholiken 964 „ Juden 2862 „ Die Unterschiede sind so auffallend, daß man in der That allen Grund hat über die Ursachen nachzudenken; aber will man denselben ernstlich nachforschen, so darf man nicht leichtweg der Natur die Schuld aufbürden, die in den Raffen einen Unterschied macht und einzelne zu Degeneration verurtheilt, sondern muß die menschlichen, die socialen Verhältniffe mit in Rechnung bringen, wenn man es vermeiden will, daß statistische Zahlen zu ganz merkwürdigen Fehlgriffen führen. Wir müffen im rein wissenschaftlichen Jntereffe davor warnen, aus Zahlen, welche confessionelle Verhältniffe darlegen wollen, irgend welche Schlüffe zu ziehen, wenn man nicht alle Nebenumstände mit in Betracht zieht, die abseiten aller statistischen Untersuchung eine gewaltige Rolle spielen. Wie sehr dies in den angegebenen Zahlen über die Juden der Fall ist, werden wir sofort sehen. Während die obigen Zahlen anscheinend eine Degeneration der Juden ganz zweifellos machen, lehren andere nicht minder sichere Zahlen gerade das Gegentheil. Die Zahlen der Geburten und die der Sterbefälle stellen sich für die Juden ungemein günstig heraus?) Namentlich ist die Sterblichkeit der Kinder in dem ersten Lebensjahr bei den Juden ganz erstaunlich geringer als bei den Christen. Wollte man hiernach aus bloßen Zahlen Schlüffe ziehen, so würde man gerade das Gegentheil von dem herausfinden, was die Listen *) Vgl. den Art. „Magdeburg" in vor. Nr. (Red.)

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