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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-08-04 · N° 32. (4.8.1880) · p. Seite 274

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 32. (4.8.1880)
Date
1880-08-04
Page
Seite 274 (sequence 2)
Language
German
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— 274 — des Lebens und abweichend, merkwürdiger Weise abweichend gerade über die höchste Frage, die den Menschengeist zu bewegen im Stande ist, über die religiöse Frage. Der eine Theil direkt zu Gott betend, der andere durch einen oder mehrere Vermittler seine Gebete emporsendend; der eine Theil die Sabbathe und jüdischen Feste feiernd, jüdische Geschichtserinnerungen pflegend, jüdische Bestrebungen billigend und befördernd, die dem anderen Theile gleichgültig und be, deutungslos erscheinen; bei aller äußeren Zusammengehörigkeit doch eine geheime Schranke, eine Scheidewand aufgerichtet zwischen dem Denken und Fühlen, zwischen dem Thun und Lassen der Beiden! eine Schranke, die sogar bis über den Tod, bis über die Beerdigung hinaus reicht! Ihr werdet mir entgegenhalten: All das ist unwahrscheinlich, sie werden vielmehr die Feste und Satzungen weder der einen noch der anderen Religion, weder Peßach noch Ostern halten, sie werden weder in der einen noch in der anderen Weise zu Gott beten und die Wege, die zu ihm führen, überhaupt meiden. Nun denn, desto schlimmer, desto trauriger und verhängnißvoller für sie! Wo liegt bei einer solchen Kühlheit bis ans Herz hinan, bei einer solchen Entfremdung gegen das Hohe und Heilige, — wo liegt da die Bürgschaft für die Dauer des ehelichen Glückes, für die ungetrübte Reinheit des ehelichen Verhältnisses, für Zucht und Sittenstrenge in der Ehe? Und nun gar die Kinder! In welchem Geiste wird ihre Erziehung geleitet sein? Ist die Erziehung von Kindern auf anderer als religiöser Grundlage möglich und ausführbar? Ihr saget mit mir: Nein! Welcher Religion werden nun die Erziehungsgrundsätze entlehnt werden? Der jüdischen oder der anderen? Wird der Vater oder die Mutter' durchdringen? Wem sollen die unmündigen Kinder Gehorsam leisten? Die heilige Schrift gebietet: „ein Jeder ehrfürchte seine Mutter und seinen Vater", „ehre Vater und Mutter", hier aber stehen die Kinder vor einem Entweder-Oder, krankend an dem tiefen Riß, der sich durch das Haus der Eltern hindurchzieht, an dem klaffenden Zwiespalt, mit dem die Ehe vom Beginne an behaftet war, „blicken — wie es in den Sprüchen Salomonis (Spr. 30, 17) heißt — entweder mit dem spöttischen Auge auf den Vater, oder mit den Blicken der Geringschätzung auf die Mutter" und fallen mit der Zeit entweder in den gähnenden Schlund des Nichts, des Chaos, oder — nach dem Gesetze der Schwere — in den weit geöffneten Rachen der Majoritätsreligion. (Schluß folgt.) Das Schreiben des Londoner Oberrabbiners über gottesdienstliche Reformen. (Schluß.) 17) Die Zahl der in der Synagoge an dem Vorabend von Jom Kippur recitirten Schire hajichud kann auf den einen für den Tag, auf welchen das Fasten fällt, bestimmter beschränkt werden. Ich rathe, daß alle Haskoraus neschomaus vor dem Beginne des regelmäßigen Gottesdienstes (in der Kol nidre- Nacht recitirt werden und nicht vor dem Schir hajichud. 18) Die Form der Strophe Aliddao horochamim welche an Neilah und an dem Lehern daoora recitirt wird soll dahin abgeändert werden: bAj ly^y wa a^amn ma bxtyx D'am •»ar ‘ryai -'brb tyx-i *?3i tt 33*? Sa -3 19) Ich habe für das Aufrufen von0h0880u thauroh und Chosson bereischis Formeln vorbereitet, die aus den im Machsor befindlichen abgekürzt sind. 20) Das |aipa lnPK darf aus dem Morgengottesdienst nicht ausgelassen werden, da es einen Theil des täglichen Gebetbuches bildet. (Dieser Grund nicht stichhaltig. Red.) 21) Die besonderen Pijutim am Purim können ausgelassen werden. In den Synagogen, in welchen die Pijutim nicht gesagt werden, muß das X'M “lirx während des Morgengottesdienstes vorschnftsmäßig recitirt werden. 22) Das Stück 3py fWlty muß beibehalten werden, da die hierbei gemachten Erklärungen mit dem Schulchan aruch verbunden sind. 23) Das Stück D'am '3^3a kann ausgelassen werden. Die Strophe s^arn *3X^a kann also geändert werden: •|nn 3L?a3 pHy bx yam ispa Die nunn (zum Schluß der Leliohoth) können ausgelassen werden. 24) Ich billige die Abkürzung der Wiederholungen von 3ITV “j^a 'in der ernsten Hoffnung, daß diese Veränderung beide, Vorbeter nnd Gemeinde veranlassen wird, diese Anrufung langsam und feierlich zu recitiren. Ich schlage vor, daß der pba ^x nur gesagt werde: a. an den Fast- und Bußtagen am Ende der Leliohoth und nach dem Pisrnaua, und in den 10 Bußtagen auch nach der Akedah; b. an Erew Rosch haschonoh nur nach 3 (näher bezeichneten) Leliohoth und nach Pi8mou und Akedah; c. am Abendgottesdienste des Jom hakippur bei der Einleitung und am Ende der Leliohoth und dev Pi8mauu. d. Am Jom hakippur einmal je zu Lohaeharis, Mussak und Minchah. Zu Neilah bei der Einleitung und nach der 2. Leliohah. 25) Die Zahl der Kinaus, welche am Tischoh beow recitirt werden, kann auf neun (excl. die Zijon) beschränkt werden. (Dieselben Und namentlich aufgeführt; ihre Wiedergabe hier jedoch unnöthig. Red.) 26) Ich habe einen Auszug der Ke8uboh in englischer Sprache vorbereitet. Ich empfehle, daß dieser Auszug dem Bräutigam vor Unterzeichnung der Ke8uboh vorgelesen werde. Die Vorlesung derselben nach dem Orginal würde unnöthig die Dauer der Trauungsceremonie verlängern. Ich gebe auch anheim, daß nach dem Glaszerbrechen der fungirende Geistliche den Priestersegen über das Brautpaar spreche, so daß die Ceremonie mit einer feierlichen Würde schließt. (27, 28 und 29 handeln von Privatgebeten für Trauernde im Hause und auf dem Friedhofe, sowie für Wöchnerinnen.) Es bleibt mir nur noch übrig zu sagen, daß ich mit dem Schlußgedanken des Berichtes darin vollständig übereinstimme, daß keine dieser Veränderungen durch sich selbst wirksame Gottesdienste sichern kann. Dieses Ziel zu erreichen, rufe ich die G e i st l i ch e n, die V o r st e h e r und Mitglieder einer jeden Synagoge in unserer Mitte an, eifrig an dem Werke mitzuarbeiten, die anständige und würdige Ordnung unserer Versammlung beim öffentlichen Gottesdienste zu fördern. Ich rufe die Vorbeter an, die Gebets und die Stücke der Schrift gleichmäßig mit Ausdruck und Würde vorzutragen, alles Unschöne mit Eifer zu vermeiden, jedes Singen mit geziertem und gekünsteltem Wesen zu Unterlasten und nur d i e Melodien anzuwenden, welche sich in harmonischem Einklänge mit dem heiligen und feierlichen Character des Gottesdienstes befinden. Ich rufe die Vorsteher an, pünktlich und vorschriftsgemäß auf ihrem Posten zu sein und vor Beginn des Gottesdienstes alle Vorbereitungen für denselben zu treffen, z. B. die Vertheilung der Mizwaus, die Benennung der Aufgerufenen. Ich rufe die Synagogenbesucher an, jedes Gespräch und jede unwürdige Haltung im Gotteshause zu Unterlasten. Es müssen dieselben auch beherzigen, daß sie nicht den Gottesdienst zu einer für sie gewordenen Stellvertretung werden lasten, sondern daß sie aufmerksam und ehr-

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