Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 28. (8.7.1880)
- Date
- 1880-07-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Israelitische M 28. 1880. Wochen-Zchri für die religiösen und foeiale» Znlereffen des Zudenthums. Erscheint jeden Mittwoch u. kostet sammt dem wöchentlich erscheinenden „Iüdischen Kiteraturblati" bei allen Post ämtern und Buchhandlungen vierteljährlich 8 Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich 8 fl.; nach dem Aus lande: 16 Mk. «SVFrcs. : 8 Nub. 4 Dollars) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrist" ä 25 Pf., I des „Literaturblatts" & 15 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner Dr. W. Wahmer in Magdeburg.! ---K--- 1 Magdeburg, 8. Juli. Inserate für die „W o ch e n s ch r i f t", wie für dar „I üd ifch eL i t e r at u r b l a t t", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum werden mit 25 Pf. berechnet und sind ausschließlich an die Central- Annoncen-Expedition von G. L, Daube & Co., Frank.urt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Eöln, München, Zürich, Wien, Paris rc. einzufenden. Inhalt: Leitende Artikel; Die Mischehe. — Josef Engel, der Meister des Szechsnyidenkmals. Berichte nnd Correspondenzenr Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Bielefeld. Würzburg. Marburg. Oberaula. Frankreich: Paris. Holland: Leewardrn. Italien: Rom. Vermischte und neueste Nachrichten; Magdeburg. Berlin. Berlin. Dessau. Heilbronn. Jglau. Paris. Paris. Paris. Rumänien. Feuilleton; Chajim Prostak. Inserate. Die Mischehe. Durch mehrere Vorgänge in Amerika und durch die von der Berliner Rabbiner-Wahlcommission an den zu wählenden Rabbiner gestellte Forderung, auch Mischehen religiös einznsegnen, ist diese eminent wichtige Angelegenheit wieder einmal auf die Tagesordnung der jüd. Journalistik gesetzt worden» Wir beabsichtigen nicht, dieselbe heute vom halachischen, d. i. vom tatmudisch-gesetzlichen Standpunkte aus hier zu beleuchten, sondern von dem Standpunkte, auf welchen die Fürsprecher der Mischehe sich gewöhnlich stellen, vonl humanistischen; nicht nach dem Buchstaben des Schulchan amch, sondern im Geistedes Judenthums soll die Frage hier einmal erörtert werden- Die Vertheldiger der Mischeoe führen für dieselbe gewöhnlich die Gründe an, daß es nur einen Gott gäbe, und dieser die Menschen doch nicht nach confefsionellcn Unterschieden treri' nen wolle, daß eine Religion, welche dem Herzen das Lieben verbiete, welche den Anhänger einer andern Confefswn um seines Glaubens willen von der Ehe zurückweise, eine Religion des Fanatismus und der Intoleranz sei; die höchste Religion sei die Liebe der Menschen unter einander und besonders unsere Zeit habe Pflicht und Recht, die Humanität, welche die vollste Freiheit lasse und gar keine Schranken zwischen die Menschen setze, als die einzige wahre Religion zu verkünden. So die Vertreter der Mischehen im Allgemeinen- Es giebt aber auch Theologen, die solche vertreten, und was führen diese an? Welche Vortheile versprechen sie sich daraus für ihre Religion resp.Confession? Die protestantischen Theologen er war t e n bei einer Ehe zwischen Juden u. Christen, die sie einzusegnen gebeten werden oder verpflichtet sind, baß die Kinder dieser Ehe P r ot e st a n t e n werden, — die katholischen Geistlichen verlangen geradezu, daß die Kinder Katholiken werden, — und die Juden, Wochen-! Juli Tammus ' Kalender.! 1880. 5640. Mittwoch . . . 7 28 Domierstag . . 8 29 Freitag .... 9 1 Rosch Chodesch Aw. Sonnabend . . 10 2 MJDDl miDÖ ^r. 2. (9 U. 13 M.) Sonntag.... n 3 Montag .... 12 4 Dienstag . . . 13 5 die jüdischen Theologen? Was erwarten diese? Daß die Kinder Inden werden? O nein, das wäre ja ein Widerspruch mit dem Prinzip, das den starren Confeffionalismus brechen soll! Das wäre ja eine lächerliche beschränkte confeffionalistische Eitelkeit, und gerade der jüdische Theologe sei doch berufen zu zeigen, daß das Judenthum der Gegenwart auf der Höhe der Humanitätscultur steht, daß der Jude an Toleranz es allen zuvorthut, daß der Jude alle Menschen für Brüder erklärt; ja der jüdische Theologe sei besonders berufen zu zeigen, daß die dem Judenthum vorgeworfene Ausschließung nichtjüdischer Dinge nur das jüdische „Mittelalter" treffe, nur die spitzfindige Beschränktheit rabbinischer engherziger Klügelei, nur die von Moses leider dem damaligen Zeitgeiste mit entlehnten ceremoniellen Formen, aber nicht den Kern des Judenthums. Und diesen Kern müffe ein jüdischer Theologe von der Schale trennen, und dieser Kern sei die Liebe. Und noch mehr, der jüdische Theologe müffe die Gefahr beachten, die in einer Verweigerung der Einsegnung einer Mischehe für die Juden liege; er würde ja vor aller Welt eine Zurückweisung der nichtjüdischen staatsbürgerlichen Elemente bekunden, dem Judenhaffe neue Nahrung und somit Waffen in die Hände der Judenhasser geben. Und nun gar zu verlangen, daß die Kinder dieser Mischehe Juden werden, das heißt Juden mit religiösen Sitten und Festen, mit religiösen Freuden- und Trauererinnerungen, mit Formen der Gemeinschaft und der Geschichte, Juden mit der dis zum Tode nicht erlöschenden Begeisterung für das Judenthum, das kann der Mischehe einsegnende jüd. Theologe nicht. Er kann es nicht, denn Formen sind ihm ja im religiösen Leben nur Schale, Erinnerungen ein historischer Ballast, die Moral ist ihm ja nur der Kernpunkt, und dazu bedarf es ja des Verbleibens im Judenthum nicht. Verlangen, daß die Kinder aus Mischehen Juden werden sollen.