Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 27 (1.7.1880)
- Date
- 1880-07-01
- Page
- Seite 237 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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, SS 8» »» — 337 — Neigung. Wen sie lieben, dem geben Ne mit 10 Händen, bekleiden ibn mit kostbaren Gewändern, mag er auch keinen Vorzug verdienen, wenn er nur zu allen ihren Beschlüssen Amen sagt. Aber das wäre das Unschuldigste von Allem. Wenn sie nur alles Geld, das ihnen zugeschickt wird, vertheilen würden, dürften sie's schon nach Gutdünken vertheilen!" Unsere Frage, weshalb sie weder einzelne noch allgemeine Rechnung legen wollen! wird von dem Sachkundigen wiederholt. Rechnung von 1870—1880 fordert er sowohl über die Chaluka wie über die Verwendung der Fleischstener rc. Die Wahlen der Vertheiler werden von den Rabbinen und Vorstehern und nicht von der Gemeinde oder ihren Vertretern vollzogen. Der unter dem Namen Balin Alles so schön findende Corresp. des „Maggid" scheint bas Wort Riblius auf seiner Zunge zu haben. Denn das Geheimste weiß er, aber von Riblins Diebstahl iuiD sonstigem Unwesen weiß er nichts. Di\ Schwarz ist nicht der erste Arzt des Rothschild'schen Hospitals, den Riblin begeifert und in den jüd. Zeitungen anfeinden läßt. Alle seine Vorgänger haben dasselbe erdulden müssen. Die Gründe dafür sind: 1) diese Aerzie erhalten viele Spenden auH Europa, da man ihnen mehr Redlichkeit und Umnckt un Vertheilen zutraul — davon erhalten Riblin und Consorten nlchls, 2) die Aerzte verwalten die Unterstützung armer Wöch- _ nerinnen selbst — hätte Riblin es bekommen, dann wären ■g alltäglich 6 von einer Mutter geboren worden. 3) Das Rothschild'sche Hospital macht die Schnorrerei für Bikkur Cho- ■.* lim wenig einträglich — deshalb hat Riblin 18X18 zur * Zdoko gelobt (wovon er selbst wieder 9x9 nimmt), wenn das Hospital geschlossen wird. Das sind die Gegner der Schulen, (dies die Verkommenen, die im Schlamme der verrotteten Zu- . stände ihre Mast stnden. f Äermischre und neueste Nachrichten. t Magdeburg. Der „Hamaggid", der fast 24 Jahre linker Redaktion des Herrn Dr Silbermann in Lyk erschienen ist, geht mit dem 1. Juli in dem Besitz und die Redaction des Herin D. Gor dorr über, der fast seit Beginli des Biatles eifriger Mitarbeiter uiid Mitredacteur, in letzter Zeit alleiniger Redacteur des wiffenschafilichen Beiblattes „Maggid Mischnah" gewesen ist. Die Haltung des Letztern zeigt, daß der Rest pilpulistrscher Correspondenzen nunmehr vetschwiuden wird, um historischen und naturwissenschaftlichen Abhandlungen Platz zu »lachen. Wir wünschen dem Blatte weileres Gedeihen und Herrn Silbermann, der Ärankheits halber zuriicftritt, Genesung und Kräftigung, damit er von den Redaktionslasten befreit, „die Erwecker der Schlafenden" aus dem langen Schlafe erwecken und wenigstens den Pachad Jizchak I vollständig erscheinen lassen könne. Berlin, 17. Juni. (Or.-Corr.) In Bezug auf den Leitartikel „Palästina und die Alliance Israelin" in Nr. 25 die;. Bl. sehen mir uns zu der Erklärung veranlaßt, das Hr. Rabbiner Dr. Salvendi in Dnrkheinl seil dem Beginne unteres Werkes dasselbe niit rastlosem Elser und erfolgreicher Thäugkell unteriiützc hat. Hr. Rabbiner De. Salvendi gehörte den, Comtt6 zur Bilouilg unseres Vereines an und wirkt nach Constitmrung desselben als Delegirter für unfern Zweck Wir haben seinen Bemühungen recht beträchtliche Beiträge zu verdanken, und indem wir uns verpflichtet fühlen dafür unsere Anerkennung zu zollen, können wrr nur wünschen, daß Hr. Rabbiner Dr. Salvendi in seinem Streben die Nolh zu lindern, von welcher Seite auch die Anregung uusgegangen, auch ferner kräftig unterstützt werden möge.*) Der Vorstand des Vereines zur Erz. Jüd. Waisen in Palästina. Charlottenburg. Hier wohnt ein Baumeister, der ein begeifterter Anhänger der edlen christlich-socialen Sippe ist. *) Wir haben nicht im eiitferntesten diese Seite der uns wohlbekannten ersprießlichen Thätigkeit des Herrn vr. Salvendi durch jenen Leitartikel schwächen wollen, nur gegen die blinden Handlanger der „Chaluka" und die Förderer der damit getriebenen unsauberen Wirrh- Eifrig sann er auf Mittel, dem durch den christlich-socialen geistlichen Agitator entfachten Haffe gegen seine Mitbürger jüdischer Confeffivn auf irgend eine Weise Luft zu machen. Mit der Gründung einer „Antisemitenliga," war es hier nichts und unser Baumeister kam endlich auf eine Idee, deren Ausführung zwar keinen Erfolg hatte, die aber den heißblütigen Verfechter antisemitischer Tendenzen unsterblicher Lächerlichkeit preisgab. Der Wackere setzte nämlich eine Petition in Umlauf. die nichts Geringeres bezweckte, als die zuuändige Staatsbehörde zu veranlaffen, „die Juden aus Preußen auszuweisen." Wie lehr übrigens die geniale Idee des Herrn Baumeisters Anklaug fand, beweist der Umstand, daß der für die Unterschriften bestimmte Raum des bemerkenswerthen Schrift» stückes außer einem entrüsteten „Pfui!" des couservativen Barons v R eine weitere Einzeichnang Seitens der 30,000 Einwohner Charlottenburgs nicht erhielt. (Wenn der Baumeister viele solche „Einfälle" hat, dann steht's mit seinen Bauunternehmen sehr faul.) Würzburg, 24 Juni. (Or.-Corr.) Der „Israelitische Lehrerverein für die drei fränkischen Kreise Bayerns" hielt heute seine erste ordentliche Generalversammlung ab, zu welcher c. 50 Lehrer erschienen waren. Herr Schuldirektor Ludwig Stern eröffnete die Sitzung mit einer begeisterten Ansprache, in welcher er zur Einigkeit und zuin Frieden mahnte. Die hiesige Enltusgem inde war durch das Vorstandsmitglied Herrn Müll er und der Deutsch-Israelitische Gemeindeb u n d durch seinen Secretär Herrn I a c o b s o d n aus Leipzig vertreten. (Näheren Bericht in der nächsten Nr.) Nürnberg, 7. Juni. Gestern Vormittag ua, 11 Uhr wurde auf dem israelitischen Friedhöfe die Leiche des dahingeschiedeiien verantwortlichen Redacteürs des „Correipondeuteil von u. für Deutschland", Dr. PH. F e u st, beigesttzt. Am Grabe hatten sich die hier dogiizilirenoen Eigenlhümer sowie die Angehörigen des Jnstitus des „C. v. u. f D.", mehrere persönliche -Freunde des Verlebien, Vertreter der hiesigen Presse und in sehr großer Zahl cie Mitglieder der mengen israelitischen Kullusgemelnoe eingefunden. Die Leichenfeier leitete Herr Rabbiner Dr. Levin in würdiger Weiie. Freiburg, (Schweiz.) Herr Jacques Geismann erklärt, daß der große Rath, wie aus den Debatten hervorging, nur deswegen ihin das von der Bürgerschaft versprochene Bürgerrecht versagt hat, weil er Jude se, — ob schon er seit 15 Jahre dort wohne. Aus Ungarn. Die Judengemeinde, in der Residenz des obersten Kirchentürsten Ungarns, in Gran, wendete sich jüngst an die m dieser Stadt bestehende Sparkasse mit dem Ansuchen um Bewilligung eines Darlehens von mehreren tausend Gulden zum Zwecke der Erbauung eines Schulgebäudes. Die Leiter des fraglichen Instituts, die wahrscheinlich als Gefchäftsprinzip — wenn es auch nicht in d:e Statuten aufgenominell i,l — die Bedingung ausgestellt haben: Juden bekommen keinen Credit, am wenigsten, wenn es gleich eine ganze Gemeinde ist, beschieden das Ansuchen der Gemeinde dahin, man sei bereit, das Darlehen zu bewilligen, wenn für Bezahlung des den Inden zur Erbauung eines jüdischen Schulgebäudes zu leihenden Geldes der — Fürstprunas die Haftung übernimmt. Die Herren hatten also in rbrer Nächstenliebe eine Bedingung ausgestellt, von deren Unerfüllbarkeit lie überzeugt sein konnten. Doch was geschieh!? Der GülerMreklor des Fürstprimas, ein trotz seiner Stellung sehr aufgeklärier Mann, hörte von der Sache und erklärte sich wsorl bereu, die gewünschte Haftung zu übernehmen. Diese Gulstehung wußte der Sparkasse natürlich genügen und die Judengemeinde erhielt das gewünschte Darlehen. schaft erhoben wir unsere Stimme und erhielten inzwischen auch von vielen Seiten Zustimmung. Zu unserer Freude sehen wir auch in den orthodoxen Kreisen eine Agitation zur Regelung dieser Angelegenheit sich in s Werk setzen, und Herr 0r. S alv end i selbst hat in dieser Beziehung eme Reihe wohl zu beherzigender Vorschläge gemacht. (Red.) (Fortsetzung in der Beilage.)