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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-06-23 · N° 26. (23.6.1880) · p. Seite 130

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 26. (23.6.1880)
Date
1880-06-23
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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— 130 — Wolle) überhoben sei, von zweifelhafter Farbe, war durchaus nicht in Ermangelung der Knöpfe von einem Gürtel fest zusammengehalten. Eine hohe, von der Zeit hart mitgenommene Pelzmütze, ein paar Pantoffeln und fadenscheinige Strümpfe bildeten die ganze Toillete — ein Hemd war nicht wahrzunehmen — des der Welt entsagenden Mannes. Er küßte lange die „Llesusab" ,*) als gelte es ihren Inhalt aufzusaugen. Während dieser Ceremonie erhoben die Speisenden sich vom Tische, Chaim ffchritt mit echter Ehrerbietung entgegen, Ester aber blieb auf ihrem Platze stehen, nahm eine zuwartende Stellung ein. Kaum hat jener sich die Mesusah satt geküßt, als Chaim ihm beide Hände, mit den Worten „Baruch habah“ „(gegrüßt der Eintretende)" entgegenstreckte — „Baruch hanimzah“, (gegrüßt der sich hier Befindende), entgegnete der heilige Bescht, und ließ sich von Chaim zu Tische führen. Jetzt beeilte sich auch Ester, ihm einen Sessel anzubieten, allein der Fromme wendete sich schnell von ihr weg, und ließ sich auf einen zweiten neben ihr stehenden Sessel nieder. „Ah! Sie speisen jetzt, so stören Sie sich meinetwegen nicht, ich bitte Sie darum" ermahnte Bescht. — „Ein Beweis wie gern wir Sie sehen."**) - Was giebt uns die hohe Ehre Ihres Besuches, entgegnete Chaim. — „Ich habe zwar nur mit Ihnen, lieber R. Chaim, sehr wichtiges zu reden, allein es hat keine Eile und somit stören Sie sich nicht." — „So werden Sie uns die Ehre erweisen mit uns ein Glas Wein zu nehmen, ich habe vorzüglichen." — Bescht nickte zum Zeichen des Einverständnisses. Chaim ließ den auserwähltesten Wein aus seinem Keller holen und die Männer sprachen ihm zu. Der Wein hatte auch Bescht's *) Die Kapsel an der Thürpfoste israel. Wohnungen mit der Auf. schrift „Schaddai“ (Allmächtiger). **) In manchen Gegenden wird das Kommen während des Essens für ein Beweis des Gerngesehenwerdens betrachtet. Zunge bald gelöst. „Wofür sahen Sie mich an, als ich Samstag bei Ihnen vorsprach?" fragte er Chaim. — „Ich sah Sie für das an, was Sie sind, für einen heiligen Mann" antwortete dieser. „Welche Wirkung übte auf Sie jener Psalm aus, den ich Ihnen zu sagen anempfahl?" frug jener weiter. — „Ich fühlte mit einem Male alle meine stürmisch aufgeregten Sinne besänftigt und meine Seele glaubte sich in höhere Kreise aufzuschwingen", erwiderte Chaim in einem Ausbruch von Extase, bei dem auch d.r Wein seinen Antheil hatte. - „Und was denken Sie von jener Stimme, die sich heute zu Ihren Gunsten in der Synagoge erhob? fragte Bescht weiter. — „Hierüber möchte ich mir gern Aufklärung von Ihnen verschaffen. Die Leute stimmten zwar alle darin überein, es war ein Batkol, allein was ist das ein Batkol? Können Sie es mir nicht erklären, heiliger Mann?" — „Ein Batkol ist eine Stimme vom Himmel, die sich bis zur Erde fortpflanzt und sich den Menschen mittheilt. Eine solche Stimme läßt sich nicht für Jedermann vernehmen. Man muß im Himmel große Sympathien haben und zu etwas Großem ausersehen sein, wenn so etwas geschehen soll. Ich habe es schon früher eingesehen, und habe es Ihnen Samstag vorausgesagt. Sie haben eine große Seele, haben Großes zu vollbringen, mir ist es zu Theil geworden, Ihre große Seele aus Ihrem Schlummer zu wecken, und meine einzige Bitte zu Gott ist es, sie zu einer riesenhaften Entfaltung sich entwickeln zu sehen" — „Was muß ich thun? und was soll ich thun" fragte Chaim mehr von dieser Erklärung als vom Wein berauscht. — „Sie müffen sich in jene Wissenschaft einweihen lassen, die der Laie Kabbala nennt, die aber in der That Oben (Obocbrna Nistara oder Geheim-Wiffenschaft) heißt, weil Jeder, der sich mit ihr vertraut macht, Oben d. h. Gunst findet bei Gott und Menschen." (Fortsetzung folgt.) Ukiren l-ager en gros & en detail F. Schlesicky in Frankfurt a. M., Roßmarkt Nr. 2, I. 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