Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 24. (9.6.1880)
- Date
- 1880-06-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 84. 1880. Jahrgang H. Wochen-Zchrift für die religiösen und socialen Interessen des Zndeuthums. Erscheint jeden Mittwoch u. kostet sammt dem wöchentlich erscheinenden „Jüdische« Literaturblatt" bei allen Postämtern und Buchhandlungen vierteljährlich 8 Mark. Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich S fl.; nach dem LuSlande: 16 Mk. (*0 FrcS. 8 Rub. 4 Dollar«) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" i *5 Pf., | des „Literaturblatts" i 15 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner Dr. M. Aahmer in Magdeburg.! -_c*o- Inserate für die „Wochenschrif t", »ie für da« „I fl» discheLiteraturblatt", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum werden mit!3ö Pf. berechnet und sind ausschließlich an die Central« Slnnoncen-Expedition von G. L. Daube &> Co., Frankturt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Parts re. «inzufenden. Magdeburg, 9. Juni. Inhalt: Leitend« Artikel r Beantwortung der vom ministeriellen Organ ge« stellten „Preisfrage" betreffs der Juden. Berichte und Eorrespondenzen rDeutschland: Magdeburg. Mag« deburg. Mainz. HUdesheim. Halle a S. Oesterreich: Wien. Frankreich: Paris. Palästina: Safed. Amerika: Rew-Iork. Vermischte und neueste Nachrichten r Magdeburg. Cöln. Lifsa. Elsaß-Lothringen. Paris. Budapest. Budapest. Italien. Padua. Paris. Madrid London. St. Petersburg. Melbourne. Jerusalem. Keuittetour Chajim Prostak. Inserate. ■E'jm Wochen- Juni Tamm us Kalender. 1880. 5640. Mittwoch . . . 9 30 l Rösch Chodesch Donnerstag . . 10 1 / Tamiuufii. Freitag .... 11 2 Sonnabend . . 12 3 PHp Per. 4. (9U.17 M.) Sonntag.... 13 4 Montag .... 14 5 Dienstag . . . 15 6 Beantwortung der vom ministeriellen Organ gestellten „Preisfrage" betreffs der Juden. Die „Nordd. Allgem. Ztg." stellte bekanntlich, wie wir in Nr. 21 berichtet, jüngst über die Juden eine Betrachtung an, deren Gedankengang kurz folgender war: Die Juden haben besondere Ursache, der Reichsverfasiung und der Reichsgesetzgebung dankbar zu sein. Mangel an Dankbarkeit kann man ihnen im Allgemeinen nicht vorwerfen- Gleichwohl stehen Juden an der Spitze fast jeglicher Opposition gegen das Reich. Die Frage liegt also nahe, ob in unserer Gesetzgebung noch irgend eine Bestimmung sich finde, welche eine dauernde und gleichmäßige Unzufriedenheit der Juden Hervorrufe. Es würde der Mühe werth sein, diese Frage zum Gegenstände einer wissenschaftlichen „Preisfrage" zu machen, weil die dauernde Unzufriedenheit eines so begabten und so reichen Theils unserer Mitbürger nicht mit gleichgültigen Augen angesehen werden könne. Darauf erwiedert nun die „Weser-Zeitung" in 2 trefflichen Leitartikeln, die wir (wenigstens in extenso) hier wiederzugeben für angezeigt halten. Sie schreibt: „Es soll wiffenschaftlich untersucht werden, ob das Reich den Juden aus Versehen vielleicht die Schuhe zu eng gemacht hat, und wenn sich's findet, daß dem so ist, so sollen die Schuhe auf einen neuen Leisten geschlagen werden. Ader die Frage wird erlaubt sein, ob es dazu wohl eines so feierlichen Apparats bedarf. Wenn es wahr ist, daß „eine dauernde und gleichmäßige Unzufriedenheit der Juden" in Deutschland besteht, in solcher Schärfe besteht, daß man die Juden „an der Spitze fast jeglicher Opposition gegen das Reich" findet, — wir sagen, wenn dies wahr ist, sollten dann die Juden »icht selbst am besten wissen, wo der Schuh sie drückt, und sollten sie selbst es uns nicht längst gesagt haben? Man behauptet ja, daß sie die Presse und die Parlamente beherrschen, man klagt darüber, daß sie zu anspruchsvoll seien, und nun sollten sie — wir wissen nicht, ob aus Schüchternheit aus Bosheit — ihren Gram so sorgfällig verheimlichen, daß man, um dahinter zu kommen, Preisaufgaben ausschreiben müßte? Eine alte Anekdote erzählt, daß der König Friedrich Wilhelm der Erste von Preußen seiner Akademie die Preisaufgabe gestellt habe, zu erklären, wie es zugehe, daß ein Kübel Wasser nicht schwerer werde, wenn man einen lebendigen Hecht hineinsetze. Lange hätten die Akademiker sich den Kopf zerbrochen, die sinnreichsten Erklärungsversuche angestellt , die heftigsten Controversen geführt, bis schließlich Jemand auf den Einfall gekommen sei, zu untersuchen, ob die Thatsache, auf welche die Preisaufgabe des Königs sich stütze, richtig sei. Und natürlich habe sich da gefunden, daß der Kübel um das Gewicht des Hechts schwerer werde, daß die Akademie sich bemüht habe, eine Erscheinung zu erklären, die gar nicht existirte. Wir glauben, mit der Preis - aufgabe der „Rordd. Allgem. Ztg." verhält es sich nicht viel anders. Unzufriedene Juden giebt es, das versteht sich von selbst, auch reichsfeindliche Juden. In diesen beiden Punkten hat die mosaische Confession vor den christlichen nichts voraus. Allein darum handelt es sich nicht. Es wird behauptet, daß die Juden als Juden gleichmäßig und dauernd unzufrieden seien und deshalb an die Spitze der Opposition gegen das Reich träten. Es ist also nicht etwa die Rede von denjenigen Beschwerden, welche Juden und Christen gemeinschaftlich Vordringen, noch auch von solchen, welche einige Juden geltend machen, andere nicht. Es giebt Juden, welche beklagen, daß wir Schutzzollpolitik machen, daß wir Petroleum besteuern, daß wir Ausnahmsgesetze gegen Jesuiten und Socialisten nothwendig finden u. s. w. Aber das sind keine specifisch jüdische Klagepunkte. Eine große Menge Christen denkt eben so, sehr viele Juden umgekehrt sind für Schutzzölle, für Petroleumsteuer, für Ausnahmegesetze. Im Vereine mit Christen haben einige Juden gegen die Samoasubfidie gestimmt, im Verein mit anderen Christen haben andere Juden bei der