Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 22. (26.5.1880)
- Date
- 1880-05-26
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 188 — zwar referirteRahmer-Magdeburg: „über die beste Methode des Uebersetzens aus dem Hebräischen." Ausgehend von der unbestreitbaren Zugehörigkeit dieser Diseiplin zu dem jüdischen Religionsunterricht, gab er in klarer und übersichtlicher Weise über Stoff und Methode dieses UnterrichtSzweiges die belehrendsten Winke, die aufgestellten Thesen fanden einstimmige und von den Lehrern mit aller Entschiedenheit ausgesprochene Billigung. Einzelne Bedenken von Fröhlich-Halle und D e s s a u e r-Cöthen wurden von Caro- Erfurt und Stern-Seesen widerlegt. Eine Anfrage des Hrn. Lehrers Höxter aus Berlin über die praktische Anwendung der Methode wurde vom Vorsitzenden und Referenten beantwortet. Die angenommenen Thesen lauten: 1. Das Uebersetzen aus dem Hebräischen ist eine unerläßliche Forderung, die an eine jede jüdische Religionsschule gestellt werden muß. 2. Dieser Unterrichtszweig umfaßt das G e b e t übersetzen und das Bibel übersetzen; mit dem ersteren ist früher zu beginnen. 3. Sowohl für das Gebetals für das Bibelübersetzen muß eine Auswahl des Uebersetzungsstoffes, vom Leichtern zum Schwerern aufsteigend, getroffen werden. 4. Bücher mit Interlinear- oder gegenüberstehender Uebersetzung sind für die Schule nicht zu gebrauchen. 5. Alphabetisch geordnete Wörterbücher sind für die Volks¬ und die unteren Stufen der Religionsschule nicht gut zu verwenden. 6. Nur solche Vocabularien, die methodisch und mit geschickter Verbindung der das Uebersetzen erleichternden grammatischen Regeln verfaßt sind, sind die geeignetsten Hilfsmittel für diesen Unterrichtszweig. Hierauf erstattete Cantor Jacob so h n Leipzig sein Referat: „über den religiösen Gesang in Synagoge, Schule und Haus." Auch diese die Geschichte des religiösen Gesanges bei den Juden beleuchtende und recht praktische Winke für die Entwickelung dieses Zweiges enthaltende Arbeit, erfreute sich der uneingeschränkten Beifalls der Versammlung. Die 6n bloc angenommenen Thesen lauten wie folgt: 1. Die Errichtung und Erhaltung einer deutsch-israelitschen Cantorenschule behufs Ausbildung von musikalischen Vorbetern ist ein im Jntereffe der Gemeinden liegendes höchst dringendes Bedürfniß. So lange diesxm Bedürfniß nicht entsprochen werden kann, ist bei den bestehenden Lehrer- Seminarien dahin zu wirken, daß auf die berufsmäßige Ausbildung von Vorbetern nach Möglichkeit Rücksicht genommen werde. 2. Der gottesdienstliche Chor-Gesang ist ein wesentlicher Bestandtheil des israelitischen Gottesdienstes und ist deshalb als Unterrichtsgegenstand in Religionsschulen einzuführen. Zur Theilnahme an demselben soll die Schuljugend beiderlei Geschlechts herangezogen und angehalten werden. 3. Zweck des liturgischen Gesangsunterrichts in der Religionsschule ist die Heranbildung der Jugend zur verständnißvollen Theilnahme an dem öffentlichen Gottesdienste und sein Ziel — die allmälige Entwickelung eines einstimmigen Gemeindegesanges. 4. Die Schaffung eines musikal. Lehrbuches, welches diesem Zwecke diente und zur Erreichung des angegebenen Zieles führt, ist ein allgemein anerkanntes Bedürfniß; die Einführung eines solchen Schul- und Gemeinde-Gesangbuches in Religionsschule und Gotteshaus ist thatkräftig zu fördern. Hoffentlich werden die gehaltenen Vorträge in einer oder der anderen Form veröffentlicht werden. Wegen der vorgerückten Zeit verzichtete Prediger Fackenheim-Mühlhausen auf sein angekündigtes Referat über religiöse Trauung und Civilstandsgesetz. Von den hierauf folgenden Anträgen des Vereinsvorstandes wurden zwei sehr bedeutungsvolle und die reichsten Früchte verheißende mit wahrer Begeisterung zum Beschluß erhoben. Erstens die Herausgabe eines pädagogischen und die verwandten Disciplinen umfaffenden Jahrbuch es, sodann aber die Her- 1 stellung gediegener Jugendschriften für die israelitische Jugend beiderlei Geschlechts als ein mit allen Kräften anzustrebendes und sobald als möglich zu realisirendes Ziel hingestellt. Als Redaktions- resp. Prüfungscommiffion der zum i Theil sofort angemeldeten Arbeiten wurden die Herren Rabb. vvr. Rahmer, Kroner, Leimdörfer, sowie die Herren Lehrer Jacobsohn und Fuchs gewählt. Wir halten diesen? Beschluß und seine Verwirklichung für eine hochbedeutende Thal und hoffen mit Gottes Hilfe aus diesem Samen reiche und gottgesegnete Früchte erwachsen zu sehen. Nachdem vor Schluß der Delegirte des Heffischen Lehrervereines Seminardirector Dr. Stein um's Wort gebeten, um seine Freude über den Geist der Eintracht und Harmonie, der in diesem Vereine zwischen Rabbinern und Lehrern herrsche — was leider jetzt in Heffen, seitdem einige jugendliche fanatisch-orthodoxe Rabbinen daselbst sich eingenistet, nicht der Fall sei — ausgesprochen, schloß eine warme und der Freude über das Wachsen der Conferenz an Zahl und geistiger Bedeutung Ausdruck gebende Ansprache des Präsidenten die Sitzung und den geistiger Ar- ) beit gewidmeten Theil der diesjährigen Conferenz. Als Ort der nächsten Versammlung — Pfingsten 1881 s. G. w. — wurde auf Antrag Leimdörfers Nordhausen bestimmt. - Der Rest des Tages war dem geselligen Vergnügen gewidmet. In welcher Weise das Festcomits und die Mitglieder der Synagogen Gemeinde Halle hierfür gesorgt hatten, sei in besonderem Berichte (in nächst. Nr.) geschildert. Gab schon die äußerst rege Theilnahme der Gemeindemitglieder an den Verhandlungen Zeugniß von dem lebendigen religiösen Sinn unserer Gastfreunde, so bewies die Sorge für die Erholung und das - Wohlbefinden der Gäste, daß die Israeliten in H a l l e es wohl I verstehen, die Hüter des religiösen Geistes und die Erzieher der isr. Jugend in gebührender Weise zu ehren. 6. Berichte und Correjpondenzen. Deutschland. I Hamburg, 18. Mai. (Dritter deutscher Lehrer- 1 tag.) Aus der Rede des Lehrers Pfeiffer (Fürth) über; das Simultanschulwesen dürften folgende Stellen für I die Leser Ihres Blattes von Jntereffe sein: „So auflösend j für den Staat der Klaffenhaß, ebenso zerstörend wirkt der | nicht einmal zum Haß zugespitzte Religionsgegensatz. (Rufe: j Sehr wahr.) Wir können den Kindern nicht gleichen matej riellen Besitz, aber gleiche Lehre geben. Die Simultanschule ] des deutschen Reiches kennt keine konfessionslosen Lehrer. Die | Angriffe gegen die Behandlung des vorliegenden Thema's i werden selbstverständlich nicht ausbleiben. Und wer etwa der l Meinung ist: der Zelotismus sei blos in den Reihen der Kat tholiken zu suchen, den verweise ich auf den neuesten Berliner 1 Hepp-Hepp-Kreuzzug, dem von höchster Stelle auch bereits;j ein Halt zugerufen worden ist. Das beste und tiefgreifendste jj Gegengift gegen solche Auswüchse ist die Simultanschule, in z der die Jugend vereinigt wird, in der Jugendfreundschaften l abgeschloffen werden, die über die Schulzeit hinausgehen, in j der das kindliche Herz nicht mit Haß gegen Andersgläubige ä angefüllt, sondern in der dem Kinde eingeprägt wird, daß j es unter allen Confeffionen gute Menschen giebt, und daß i die konfessionelle Zugehörigkeit nur ein Zufall der Geburt ] ist." (Bravo.) Aus die Bemerkungen des.Oberlehrers Dr. j Kriebel (Posen), daß die Simultanschule in Posen jüdische j Lehrer erfordere, die beispielsweise durch ihre rituellen Satzun- > gen gehindert sind, am Sonnabend zu schreiben; und daß sich 1 auch noch andere Unzuträglichkeiten geltend machen — so ließ 1 ein Lehrer einmal unachtsamer Weise einen jüdischen Knaben ] eine Vorschrift abschreiben, auf der stand: „Jesus Christus I der Sohn Gottes ist unser Heiland und Erlös er" — erwiderte I Lehrer Pfeiffer (Fürth): „Die vom Vorredner geschilder- > ten Unzuträglichkeiten sind zu beseitigen, wenn man am » Sonnabend solche Lehrgegenstände vornimmt, ]