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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-04-28 · N° 18. (28.4.1880) · p. Seite 159

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 18. (28.4.1880)
Date
1880-04-28
Page
Seite 159 (sequence 5)
Language
German
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— 159 — (besonders der Memorirübung), der Vorbereitung und Durchsicht der Hefte rc, und der Musterung an, welche letztere sich Seitens der Hauseltern und des Aussicht führenden Lehrers auf genaue Inspektion der Reinlichkeit an Körper und Kleidüng erstreckt.*) Die zweistündige Mittagspause soll^ sofern nicht noch! Schularbeiten vorhanden sind, auf dem Spielplätze zugebracht! werden, oder es werden einzelne Besorgungen, wie der Gang zur Post, zum Buchhändler rc. nach empfangener Erlaubniß vom Aussicht habenden Lehrer gemacht, weil Jein Zögling ohne eine solche die Anstaltsräume verlassen darf. Dem Nachmittagsunterrichte folgt im Sommer der Besuch der Badeanstalt unter Aufsicht von zwei Lehrern und asdann die Arbeitsstunde vor und noch kurze Zeit nach dem Abendbrode, alsdann Erholung im Garten und auf dem Spielplätze bis zum Zubettegehen um 9 Uhr, im Winter aber eine einstündige Pause und möglichst Spiel im Freien, alsdann Beginn der Arbeitsstunde bis 8 Uhr, incl. eine halbe Stunde um 7 Uhr zum Abendbrode, alsdann begeben sich alle Zöglinge mit dem Aufsicht habenden Herrn Lehrer nach den zwei Spielsälen, wo mit Lektüre, diversen Spielen, besonders viel mit Schachspielen, auch mit Gesang die Zeit bis zum Schlafengehen angenehm ausgefüllt wird.**) Dreimal wöchentlich, an den Nachmittagen des Sonnabend, Sonntag und Mittwoch werden weite Spaziergänge, meist in die umliegenden Waldungen unternommen, wofür zur Eiszeit das Schlittschuhlaufen, ebenfalls unter Aussicht tritt. So ist die Zeit i,n Anstallsleben geordnet und eingetheilt und die Schüler lernen für ihr ganzes Leben die rechte Benutzung der Zeit und diejenige heilsame Aufeinanderfolge und Abwechselung in Arbeit und Spiel, Anstrengung und Erholung, welche ihrem künftigen Berufsleben Nutzen und Gedeihen verspricht. So bietet die Samsonschule der, in Rücksicht auf die zahlreichen Lehrkräfte, geringen Anzahl ihrer Zöglinge Schule und Haus in segensreicher Verbindung dar und ist bemüht, den ihr von den Eltern so vertrauensvoll Uebergebenen durch Pflege, Lehre und Erziehung eine kräftige Grundlage für ihren Lebenspfad zu geben." Großbritannien. London. Das bedeutungsvollste und erfreuliche Ereigniß der jüngsten Zeit ist, für die englischen Israeliten zunächst, der Ausfall der Parlamentswahlen. Obwohl nicht alle israelitischen Parlaments-Candidaten gewählt, sogar einzelne Parlamentsmitglieder diesmal nicht wieder gewählt wurden, so ist dennoch das Gesammtresultat als ein Sieg anzusehen. Fünf Israeliten, also einer mehr als beim vorigen Parlament, sind mit dem Vertrauen ihrer Wahlkreise gewahrt worden. Bemerkenswerth ist, daß trotz des heftigen Wahlkampfes und des hervorragenden Antheils den die Juden an demselben nahmen, der Judenhaß kein: solche Störungen und Verwüstungen anrichtete, wie in Deutschland. — Von besonderem Jntresse sind die Vorlesungen, die Ernst Renan über die Entstehung und Verbreitung des Christenthums hält. In seiner ersten charakterisirte er scharf das römische Religionswesen der heidnischen Zeit und die Analogien des römisch-katholischen Kultus und zeigte, wie die alten Römer unbewußt die Verbreiter des Judenthums in der Form, welche das Christenthum ihm gab, geworden waren. Für die englischen Juden werden diese wissenschaftlichen Anregungen um so interessanter werden, je mehr unter ihnen Kenntniß der jüdischen Geschichte sich verbreiten wird. Es ist daher nur zu wünschen, daß die in Angriff genommene *) Bei Beginn der Woche hält der Director selbst die Musterung o" Waschsaale ab und überzeugt sich persönlich von der Haltung der Zoglir^e. — Ebenso findet an jedem Freitag Nachmittag eine Revision aller Bücher und Fächer Seitens der Herren Ordinarien in den einzelnen Klassen statt. **) Jüngere Kinder dürfen auf ihren Wunsch und in Rücksicht auf oas frühe Aufstehen schon im Winter um 8 Uhr zu Bette gehen. Im Sommer dürfen jüngere, besonders schwächliche Kinder event. 45 Minuten später aufstehen. Uebersetzuug des Grätz'scheu GeschichtsWerkes iu's Englische recht rasch von Statten gehen. Einen lächerlichen Eindruck machen die unaufhörlichen Versuche der Bekehrung sgese llschaften, Juden durch die plumpesten Mittel der Täuschung und List ihrem Glauben abwendig zu machen. So wird jetzt ein hebräischer Almanach veröffentlicht, der gewissermaßen als Hausfreund in jüdische Häuser sich einschleiche, um die arglosen Seelen zu verwirren. Es ist verächtlich, so Wahrheit durch Täuschung lehren zu wollen, und die Bekehrer zeigen hier erst recht, wie armselig die Sache sein muß, die sie »vertreten. Uebrigens ist ja bekanntlich alles dies Manöveriren vergeblich. Die Hebung des jüdischen Schulwesens in London sorgt dafür, daß die armen Israeliten ihre bürgerlichen Kenntnisse nicht in den Schulen der Verführung zu suchen brauchen und daß sie eine solche Kenntniß des Judenthums erlangen, die sie vor solchen Trugmitteln schützt. Einen ganz besonders befriedigenden Zustand zeigte die jüd. Freischule, so daß ihr öffentliche Anerkenung zu Theil wurde. — Die Anglo -Jewish - Association hat in ihrer letzten Sitzung ihre Aufmerksamkeit auch wieder den marokkanischen Zuständen zugewendet. Es werden diese immer unerträglicher und wenn die Mächte Europas hier nicht den Druck der sittlichen Forderungen ausüben werden, so könnten leider noch viele Opfer des schrankenlosesten Fanatismus und des ungezügeltsten Despotismus zu beklagen sein. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. In einem Nachruf auf H. B. Oppenheim, den Karl Braun in der „Gegenwart" veröffentlicht, wird auch der in letzter Zeit auftauchenden Bestrebungen und Gesinnungen gedacht, die denen so ähnlich, „welchen der gemeine Haufen mit den Buchstaben H E P vormals Ausdruck zu geben gewohnt war". Dann heißt es wörtlich: „Und an der Spitze dieser Bestrebungen steht noch kürzlich ein im offenen Parlament von dem preußischen Kultusminister, von dem directe« Nachfolger eines »Doctor Falk und dem indirecten eines Freiherrn Karl von Altenstein hochgepriesener „Historiker", welcher heute, statt Geschichte zu schreiben» wie sie ein Leopold von Ranke geschrieben, Pamphlete auf die Straße hinauswirft, auf welche man das Wort anwenden kann, daS ein Papst über die „karcrlss d’un croyant“ von Abbe Lamennais aussprach: „Opus vollimine parvum, pravitate ingens“, — Paniphlete. die wenig Thatsachen, und viel hohles und gespreiztes Pathos» viel Prätensionen und absolut nichts Neues enthalten, so daß sie ebenso gut, wie von einem „berühmten Historiker" auch geschrieben sein könnten von dem Schneidergesellen Grüneberg oder dem Hofprediger Stöcker." Berlin. Der außerordentliche Profeffor der Universität vr. Munk (auS Posen) wurde zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften gewählt und vom Kaiser bestätigt. BreSlau. Das an der hiesigen Universität bestehende landsmannschaftliche CorpS „Boruffia" hat jüngst beschloffen, keine Juden in seine Verbindung aufzunehmen, auch solche Christen nicht, die vordem Juden waren, oder deren Väter ursprünglich zum semitischen Stamme gehörten. Erst von der dritten Generation null man annehmen, daß sie in beregtes Corps ausgenommen werden können, ohne auf deffen blankpolirte Ehre einen Rostfleck zu träufeln" Wenn daS unter der studirenden Jugend möglich erscheint, unter den Jüngern einer jener Hochschulen, welche die Pflegestätten der Cultur, der Geistesbildung, der Humanität sein sollte«, dann darf man wahrlich über die in niederen Volksschichten herrschende Rohheit nicht erstaunt sein. Elsaß. Das Recht deS Bischofs Räß, Lehrer am neuen Knrbenminar anzuüellen, collidirte mit den Maigesetzen, demzufolge verlangte die Statthalterei von Elsaß-Lothringen ein juristischer Gutachten. Dieses Gutachten, welches die Geneh*

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