Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 16. (14.4.1880)
- Date
- 1880-04-14
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-9583817-9583975--4061-9583984- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Waid*. f: "" Hause.?SU5li^ sich! 'JPebition b. »gen. f rein relif [2345 | »r~~! Würfliger f Wltttvkil «ad I laud. "i ürz 1880. I löge: l Ueischhacker m j , Dr Hanover | lburg, Stern! d, Sender in : «Mark. ' ltrKger Sttauß II. in k r Kleinkarben,! nd Adolf Gins» Karlsruhe (fiic imidt in Bonn, , nein in Neiffe M. 13; zur Gustav Dann sbeck M. S; - R, Friedmann! , Grvtzkarbm j Odmngelhrim! 90; Deutsch- Jacob Rachod sier R. 100» I; Sammlung i M. 12.12; s in Nürnberg >■ §. Rosenthal , von Reinach n Rotterdam lhierM.10; Larl Burghold > 1880. . lf Teblee. i iicntä -n us-v pf. die ersch'k IST""" Beilage zur „Jsncliüscheu Wochenschrift." 16. Magdeburg, den 14. April 1880. 11. Jahrgang. In Iowa (Amerika) hatten sich während einer Debatte über Schweme-Cholera so viele Mitglieder entfernt, daß keine beschlußfähige Anzahl mehr im Hause war. Wie gebräuchlich wurde nun der „Sergeant-at-Arms" abgesandt, um die fehlenden Mitglieder einzufangen, die dann ihre Entschuldigungen für ihre Abwesenheit Vorbringen mußten. Unter den Missethätern befand sich auch ein Jude, Herr Mose« Blum von Iowa City. Aufgekordert, einen stichhaltigen Grund für seine Abwesenheit anzugeben, erklärte er: „Herr Sprecher, als ich den Sitzungssaal verließ, wurde gerade die Schweine-Cholera besprochen. Da nun meine Erziehung in Bezug auf die Schweinefrage leider sehr vernachlässigt worden ist, so hielt ich mich nicht für berechtigt, weder für noch gegen die beantragte Maßregel zu stimmen, sondern ging nach dem Senatszimmer, um die lehrreiche und interessante Debatte über das Temperenz-Amendement zu hören." Das Haus erkannte einstimmig an, daß gegen diese Entschuldigung nichts einzuwenden sei. Herr A. Margolius aus Horadno, Vorsteher der dortigen Schule, welche 200 arme Kinder aus der Stadt und ihrem weitern Umkreise ausgenommen hat und ihnen Esten, wie auch Kleidung und Obdach giebt, fordert in „Hazeph." die Städte, welche ihre Armen ihm zuschicken, auf, ste wenigstens anständig bekleidet zur Aufnahme zu bringen und zu ihrem Unterhalte beizutragen — die ihm zu Gebote stehenden Mittel reichen nicht aus. Es ist ein erhabenes Schauspiel, dieses Bildungsstreben der nicht nur nicht „Hosen verkaufenden", sondern kaum „Hosen tragenden" polnischen Jünglinge und die Aufopferung und Hingebung tüchtiger Männer, welche selbst kaum gesättigt, den Hungernden Leibes- und GeisteSkost reichen. Hier habt ihr Israel! Nicht in den Kreisen der blastrten, allem Judenthume abgestorbenen Geldaristokratie, aus welcher unsere Haster die Modelle zu ihren Carrikaturen holen. Marocco. Spanien hat eine Conferenz zur Prüfung der Mittel vorgeschlagen, mit welchen die Sicherheit der Juden Marocco'S wiederhergestellt werden könnte. Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Portugal haben sich zur Theilnahme bereit erklärt. Hoffentlich werden auch die anderen Mächte bis Ende Mai, wo die Conferenz stattfinden soll, ihre Zustimmung erklärt haben. Daß gerade Spanien, „der klassische Boden der Intoleranz und des Judenhaffes", diese Anregung gegeben hat, dar ist eine der angenehmsten Ueberraschungen, welche dieses Jahrhundert des Lichts und des Fortschrittes uns gespendet und die wir jubelnd begrüßen. Das scheint auch die Aussichten für die Wiederansiedelung der Juden in Spanien als sehr günstige zu bezeichnen. — Die neuesten Nachrichten aus Marocco sind übrigens sehr betrübend und fordern schnelles und energisches Einschreiten der europäischen Möchte. Man hat die Häuser der Juden, welche die Mosche umgaben, weggeriffen und Denjenigen, welche bei der höheren Behörde sich darüber beklagten, statt aller Antwort die Bastonnade gegeben. AuS Pittsburgh berichtet Herr Rabb. vr. L. M a y e r, er habe bei Gelegenheit des Trauergottesdienstes um Cr6mieux einen Zweigverein der „Alliance" in seiner Stadt begründet, dem gegenwärtig schon 75 Mitglieder angehören. Aus Alexandrien kommt die betrübende Nachricht, daß es am 2. Peffachtage zwischen Juden und Griechen zu einem Krawall kam, wegen eines auf dem Dache der Synagoge todt gefundenen griech. Knaben. Natürlich tauchte sofort die fatale Osterblutbeschuldigung auf. Die Griechen drangen in die Synagoge, die Juden setzten sich zur Wehr, bis Militär einschrit und Verhaftungen vornahm. Menschenleben ist G. s. D. auf keiner Seite zu beklagen, doch liegen Viele verwundet im Hospital. Obwohl sich die Wahrheit bald herausstellte, daß der Knabe eines Ballons wegen, mit dem er Tags zuvor gespielt, das Nachbarhaus entlang gestiegen, von da auf das Dach der Synagoge gestürzt sei und so seinen Tod gefunden habe, und obwohl der griech. Patriarch dies bestätigte und im Verein mit den Konsuln und der Presse zur Ruhe mahnte, wiederholen sich auf den Straßen noch immer die pöbelhaftesten Ausschreitungen. Auf Verwendung des Central-Comitäs der Alliance Jsraelite hat der franz. Minister des Aeußern an den Vice-König in Kairo telegraphirt, in Folge dessen erhielt der hies. Gouverneur den Befehl, gegen die Unruhestifter strenge Maaßregeln zu ergreifen. Feuilleton. Chajim Pro stak. Historische Erzählung aus der Entstehungszeit des Chassidismus. Eine wahre Geschichte aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von A. S. Weißmann. (Fortsetzung.) Es war schon vorgerückte Nachtstunde, Chajim lag noch immer auf der nackten Erde tief im Schlafe versunken. Erst um Mitternacht ging Urisch Kazew (Metzger) hier vorbei, als er den auf der Gasse unter freiem Himmel liegenden Knaben gewahrte, weckte er ihn sanft und lud ihn zu sich ins Haus. Chajim klagte sein Schicksal, soweit er Worte stnden konnte. „Höre mein Kind," sagte Urisch zu ihm, „ich bin Metzger, meine Frau führt eine Bäckerei, an Brot und Fleisch fehlt es in unserem Hause nicht, wenn Du arbeitsam, gehorsam und treu sein willst, soll Dir unser Haus zur Heimath werden. Mittlerweile wirst Du mein Nachtmahl mit mir theilen." Danken hatte der Junge auf seiner Bettlerlaufbahn gelernt und mit heißen Dankesworten versprach er die an ihn gestellten Forderungen zu erfüllen, ja zu übertreffen, und er hielt Wort. In des Metzgers Haus, wo er abwechselnd dem Metzger und seiner Frau der Bäckerin beistand, wuchs er zu einem starken und kräftigen Jüngling heran. Wenn es zu Hause keine Arbeit gab, suchte er sie anderwärts, denn faul war Chajim keineswegs. Meistens wurde er in jener Zeit, da es noch keine Postanstalten gab, zum Botenlaufen verwendet, weil er zuverlässig war. Und so geschah es eines Tages, daß ihn ein Kaufmann in dringenden Geschäftsangelegenheiten noch Buczacz schickte. Er ging seines Weges recht munter und heiter, das thurmartige Gebäude dieser Stadt zeigte sich bereits seinen Augen, als ihn ein herrschaftliches Viergespann in Begleitung von berittenen Haiducken ereilte. In dem Augenblick, als die Kutsche an dem nichts ahnenden Chajim vorbeifuhr-, ließ die Herrschaft halten, die Haiducken absitzen und befahl ihnen den ruhig Wandelnden zu ergreifen und ihn herzubringen. Sie thaten es mit solchem Ungestüm und so unversehens, daß Chajim bis zu Tode erschrak und am ganzen Körper zitterte. Die Herrschaft riß die Wagenthür auf und sah sich das höchst bestürzte und überraschte Opfer lachend an. Auf einen gegebenen Wink zog jeder der Spießgesellen seine Feuerwaffe aus dem Gürtel und sie setzten die todtbringenden Röhren hart vor Chajim's Gesicht. Dieser konnte kaum noch aufrecht stehen. „Jude, Deine Stunde hat geschlagen. Nur noch wenige Augenblicke sind Dir zugemessen und diese nur, weil es mich ergötzt, Dich zappeln zu sehen," redete ihn nun der Jnsaß des Wagens an. Chajim war noch immer außer sich vor Schrecken, es schwirrte ihm im Kopfe, er glaubte schon im allernächsten Augenblick den vernichtenden Knall zu vernehmen, der seinen Tod herbeiführen solle, und er beeilte sich daher diesen günstigen Augenblick auszunützen, um als Jude zu sterben Er ballte seine zitternden Hände, wendete sein Gesicht zum Himmel, suchte seine Gedanken so weit als möglich zu sammeln, und sprach in außerordentlicher Hast das letzte: „Schma Jrael". Erst als er es gesprochen begann er, im Bewußtsein seine größte und heiligste Pflicht erfüllt zu haben, seine Ruhe und Fassung zu gewinnen. „Was für eine Zauberformel hast Du da gesprochen? o, kein Zauber ist mächtig genug. Dich der Gewalt dieser Leute zu entreißen, die im Dienste des Großmeisters des Todes stehen. Ich allein wäre es im Stande, ich werde es aber nur dann thun, wenn Du Deinem Gotte entsagest.