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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-04-07 · N° 14 u. 15. (7.4.1880) · p. Seite 128

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 14 u. 15. (7.4.1880)
Date
1880-04-07
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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— 128 — wissenschaftlicher, vielseitiger, ernster Kämpfer, der der liberalen Sache und seinem väterlichen Glauben treu blieb bis zum leltzen Athemzuge. Die „Magd. Ztg." schreibt über ihn: Der verstorbene Dr. H. B. Oppenheim war ein überaus liebenswürdiger Mensch, ein bedeutender Gelehrter und begeisterter Journalist. Wo nur immer Jemand seines Raths berurfte, da war er zu jeder Dienstleistung willig. Die Freundlichkeit und herzgewinnende Art seines Wesens hat ihm viel Freundschaften eingebracht. Als Gelehrter kam er zu Namen und Ansehen durch seine VölkerrechtSftudien; er war des alten Heffter wackersten Schüler. In unserer Rechtsliteratur behält Oppenheim seinen Ruf, und die ihn als juridischen Denker früh zu beobachten Gelegenheit fanden, haben eS immer bedauert, daß er nicht voll und ganz der gelehrten Jurisprudenz erhallen blieb. Run hätte Oppenheim, um sich schon in seiner Jugend innerhalb einer Facultät zur Geltung zu bringen, Christ werden müssen, aber es widerstand ihm, um äußerer Vortheile oder um einer glänzenden Carriere Willen seine Religion zu wechseln. Der freiwillige Verzicht auf jedwede Berücksichtigung durch den Staat steigerte in Oppenheim das Verlangen, vermittelst der Tagespresie sich Gehör zu schaffen und auf Viele zu wirken. So verbündete er sich 1848 mit Arnold Rüge zur Herausgabe der „Reform," deren beste Artikel nicht dem junghegel'schen Philosphen, sondern dem frischen, munteren, auf Welteroberung ausgehenden jungen Völkerrechtsgelehrten zuzuschreiben sind. Die hereinbrechende Reation verkannte Oppenheim's Wesen, indem .sie ihn unter der Beschuldigung der Staatsgefährlichkeit in das Ausland flüchten ließ — Oppenheim war sein Lebtag ein für d e u t s ch e Ehre, deutsches Recht und deutsche Größe begeisterter Mann, und so ganz und gar war er das Gegenlheil eines dem Vaterlande gefährlichen Mannes, daß Alle, die ihm persönlich näher standen, ihm nachrühmen konnten: der mächtigste Zug an diesem liebenswürdigen, zuverlässigen Manne ist sein Staatsgefühl. Wir Alle haben Anlaß, seiner in Liebe und Hochachtung zu gedenken." Berlin, 1. April. Eine erlauchte Versammlung hervorragender Geister schaarte sich heute Morgen um den Schrein, welcher die irdische Hülle H. B. Oppenheims barg. Verwandte, nahe persönliche Freunde, politische Gesinnungsgenoffen und Verehrer, wiffenschaftliche Mitstreiter füllten das Trauerhaus. Berthold Auerbach, Julius Rodenberg, Paul Lindau, Max Ring waren anwesend als hervorragende Persönlichkeiten der Publicistik, Oberbürgermeister v, Forckenbeck. die Abgeordneten Weder, Bamberger, Cuny, Rickert, Wehrenpsennig, Ludwig Löwe, Dr. Mendel, Dr. Cohn vertraten die verschiedenen Schattirungen des Reichstages, Geheimer Archivrath Dr. Haffel, Geheimer Oberregierungsrath Dr. Michaelis, Dr. Max Wirth, Dr. Weber, Dr. Wiß, Herbertz. Dr. Max Weigert, Dr. Fr. Goldschmidt nennen wir unter den übrigen Leidtragenden. Der Freund und Gesinnungsgenosse des Verklärten, Oberbürgermeister v. Forckenbeck, sprach im Namen der Freunde und Fraktionsgenoffen dem treuen Freunde Worte wärmsten, liebevollsten Andenkens nach. Mit vor Rührung erzitternder Stimme hob er hervor, wie die allezeit bewährte Treue des Mannes sich seinen Freunden gegenüber zu warmer Anhänglichkeit verklärte. Es waren wenige Worte, die er sprach, aber sie kamen aus übervollem Herzen und zeigten, wie groß die Wunde, welche der Heimgang des Verstorbenen seinen Frunden geschlagen. Namens der politischen Freunde ergriff dann Dr. Friedrich Kapp das Wort. Der Redner giebt einen Rückblick auf das Leben des Verblichenen. Er beklagt die zehn Jahre, die er als ein Exilirtrr in der Verbannung zugebracht. Es waren die besten zehn Jahre seines Lebens, und in dem Leben eines Einzelnen ist eine solche Zeit etwa das, was der dreißigjährige Krieg für die Nation gewesen. Es ist, als ob das Leben mitten durchgeschnitten worden, als ob die Wurzeln verkümmerten, aus denen es sein Wachsthum zu ziehen hat. Oppenheim ist, so unschätzbares er auch geleistet, nicht das geworden, wozu ihn seine geniale allumfaffenoe Natur berufen hatte. Er hätte an der Spitze eines großen politischen Blattes, an der Spitze einer großen Partei in unserer Stadt stehen müffen, die jetzt erst anfängt, hohes politisches Leben zu entwickeln. In seiner wnteren Umschau erwähnt der Sprecher, daß Oppenheim zuerst in den „Deutschen Jahrbüchern" LaSker und Twesten einen Sprechsaal eröffnete, er erwähnt, wie er zuerst für die preußische Spitze in Deutschland nach dem Kriege eintrat, wie er in seinem Vorworte zur Biographie Waldecks Beherztgenswerthes geschrieben und wie er jetzt noch in einer Bewegung, die mehr auf eine irländische Wahlbewegung als auf das Volk zurückzuführen sei, welches sich mit Vorliebe das Volk der Denker nennt, mit zersetzender Schärfe wuchtige, vernichtende Kritik geübt. Der Mann, gegen den sich diese Aeußerungen richten (Stöcker), wohnt nur wenige Schritte von dem Hause des Verblichenen in derselben Straße. Und so schloß denn der tiefbewegte Redner, indem er noch einmal hervorhob, wie der Verstorbene belebend, erfrischend, kräftigend gewirkt. Was Oppenheim gesagt, wird nicht vom Winde verweht werden. — Nach dem politischen Freund kam der persönliche, der ältesten Einer zum Wort. In warmen, schmerz- und lieberfüllten Worten feierte Berthold Auerbach seinen Heimgegangenen Freund. Er schilderte ihn von Jugend auf, begleitete ihn bis zu dem Momente, wo die Amtsentsetzung der sieben Göttinger Profefforen für ihn zum zündenden Funken wurde, der ihn zu seiner späteren Richtung begeisterte. Er feierte den körperlich und geistig vollsäftigen Menschen, den allezeit Hilfsbereiten, der die Dinge in der Nähe übersah und ihren Zusammenhang mit der Weltordnung verstand. In bewegten, thränenersiickten Worten pries er ihn als einen seltenen Menschen, deffen Andenken fortleben wird in der Nation. Damit schloß die eindrucksvolle Feier. Die Bestattung erfolgte auf dem israelitischen Friedhofe, wohin ein langer Trauerkondukt dem Verstorbenen das Geleite gab. Breslau, 25. März. (Or.-Corr.) Sonntag, den 14. und Sonntag, den 21. d. M., haben nach einander die beiden Religions-Unterrichts Anstalten unserer Gemeinde ihre öffentliche Prüfung abgehalten. Die zahlreichen, den verschiedensten Ständen angehörigen Zuhörer bewiesen auf erfreuliche Weise, daß beide Anstalten im Publikum beliebt und ihr Gedeihen mit regem Jntereffe verfolgt werde. Und sie gedeihen beide, wie es unter der bewährten Leitung ihrer Dirigenten und dem regen, selbstlosen Pflichteifer der Lehrer nicht anders zu erwarten ist. Nicht nur die Schülerfrcquenz, sondern auch, so viel man bei einer öffentlichen Prüfung bemerken konnte, das Wissen und das lebendige Interesse der Schüler zeigen, daß in beiden Anstalten ein guter Geist und frisches Leben herrscht, von welchem wir uns für die Heranwachsende Generation großen Nutzen versprechen dürfen. Der oft beklagte Jndifferentismus gegen die Religion scheint, nach den Leistungen dieser Schulen zu schließen, in Breslau wenigstens in denjenigen Dimensionen nicht zu existiren, die ihm Pessimisten in ihren Klagen häufig geben. Vielleicht ist auch von den hämischen Anfeindungen, welche die Juden in letzter Zeit erfahren haben, für das Jntereffe an der Religion ein Nutzen zu erwarten. Ein sichtbarer Erfolg derselben ist jedenfalls ein engeres Anschließen der Juden an einander. — Auch die Aufnahme des jüdischen Religionsunterrichts in den Lehrplan der öffentlichen Schulen scheint in dieser Beziehung anregend auf das Publikum gewirkt zu haben. Wenigstens wird constatirt, daß trotz dieses Unterrichts die Gemeinde- Anstalten eine Zunahme ihrer Frequenz zu verzeichnen im Stande sind. Wir wünschen beiden Anstalten em ferneres Blühen und Gedeihen.-Auch die hebräische Unterrichts- Anstalt des Herrn Dr. Neustadt, die vor Kurzem ihren Jahresbericht veröffentlichte, ist zu erfreulichen Resultaten gelangt. — In einer der oben genannten Anstalten hielt einer der die Anstalt nach Absolviruna derselben verlassenden Schüler einen vorzüglichen Vortrag über den König Hiskia. Ob angeregt durch Herrn Stöcker, das konnte und mochte Ihr Referent nicht feststellen. Uebrigens haben wir den Herrn letzten Freitag in unfern Mauern gehabt. Eine große Menge, allerdings vorwiegend aus Neugierigen bestehend, lauschte für 1 Sgr.

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