Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 11. (10.3.1880)
- Date
- 1880-03-10
- Page
- Seite 101 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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verließ ich das Haus des Rabbi. Gleich einem Wahnsinnigen eilte ich in die finstere Nacht hinaus. Ich war ein Elender. Ich irrte in der Welt umher. Vergeudete mein Vermögen und als ich damit zu Ende war, da sank ich immer tiefer, immer tiefer." Die Stimme des Vagabonden wurde fast unverständlich. „Ruht Euch aus," sagte der Doktor. „Nein, nein!" sagte der Sterbende, „die Zeit ist mir kurz zugemessen und ich will zu Ende kommen. Die Frau, die ich so sehr geliebt, ich konnte sie nicht vergesien. Jahre schwanden. Da kam ich wieder in die Nähe von Florianow. Das Gefühl der Rache lebte noch frisch in mir, ich mußte mich für die mir gewordene Schmach an dem Rabbi rächen. Die wilden Kosakenhorden führten damals Krieg. Dies kam mir erwünscht, ich verdiente dabei Geld und auch meiner Rache konnte ich fröhnen. Ich führte den Feind auf geheimen Wegen in da- Städtchen Florianow. Um mich an dem Rabbi zu rächen, gab ich die ganze Gemeinde dem Verderben preis."- „Unglücklicher!" „Ja wohl, Unglücklicher. Ich verdiene kein Mitleid, nur Verachtung. Ich bin ein Auswurf der Menschheit. Meine Rache war jetzt befriedigt, als ich von der Niedermetzelung der Einwohner des Städtchens erfuhr. Da kam mir die Nachricht, daß der Rabbi Josua gerettet worden sei, und abermals machte ich Pläne, um den Rabbi zu verderben. Mein Geld, das ich für den Verrath erhalten hatte, war zu Ende, und ich befaßte mich nun damit, die auf dem Schlachtfelde liegenden Tobten zu berauben. O! ich war tief, tief gesunken. Wie gerne wäre ich zu meinem Weibe, meinem Kinde zurückgekehrt, wie gerne hätte ich mich ihnen zu Füßen geworfen, sie um Verzeihung gebeten, doch ich durfte nicht in die Nähe dieser Reinen kommen, ich war zu tief gesunken. „Auf dem Schlachtfelde bei Florianow traf ich einen jungen Offizier im Sterben liegend, wie ich damals glaubte, heute wurde ich vom Gegentheile überzeugt. Er gab mir einen Auftrag an seinen Vater. Es war der Sohn des Rabbi Josua. Mil Wollust führte ich diesen Auftrag aus, konnte ich ja doch durch die Todesnachricht dem Rabbi Schmerz bereiten. Und ich kam wieder in das HauS des Rabbi. Niemand kannte mich. Die Zeit und mein wildes bewegtes Leben hatten mich unkenntlich gemacht. Und da erblickte ich auch dessen Tochter Sarah, das Ebenbild Deborah's. Da tauchte eine teuflische Idee in meinem 'Kopfe auf. Diese Tochter wollte ich ihm stehlen. Kinderlos, einsam sollten sie ihr Leben vertrauern. Und mit ihr wollte ich die Welt durchziehen, bettelnd. Und was ich beschlossen, ich habe es leider ausgeführt. Die Tochter des Rabbi durchzog singend, um Almosen bettelnd das Land. Daß sie ihren Verstand verloren, war für mich um so nützlicher, da es mich mehr vor Entdeckung schützte; denn Sarah war sich ihrer Lage niemals klar. O! wie bereue ich es jetzt. Ich bin zu Ende mit meiner Mittheilung. Ihr wendet den Blick von mir, ich sehe es ein, welch' Scheusal ich gewesen. Kann mir Gott noch vergeben?" „Ihr habt schwer gefehlt, doch Gott wird Erbarmen mit Eurer Reue haben, Euch ein milder Richter sein. Doch sagt, was geschah mit Eurem eigentlichen Weibe, Eurem Kinde?" „Ich habe es erst später erfahren. Der Rabbi nahm sich ihrer an, unterstützte sie nach Kräften. Doch mein Weib, nicht lange hat sie es ertragen. Der Schmerz, der Jammer über meine Niedertracht hat ihr braves Herz gebrochen. Wohl ihr! Und mein Sohn, er wurde gut, brav und edel, wie es fein väterlicher Rathgeber, der Rabbi Josua, ihn gelehrt. Ich habe ihn nimmer wieder gesehen. Er soll der Lieblingsschüler des Rabbi geworden sein." „Wie ist sein Name?" „Benjamin Löw." „Um Gott! wie sagt Ihr? Benjamin Löw?" „So heißt er, mein Sohn!" „Dies ist Gottes Fügung, sein weiser Rathschluß hat es so gewollt. Euer Sohn ist es gewesen, der Eurer Spur bis hieher - gefolgt." „Mein Sohn?" „O! laßt mich ihn noch einmal sehen, sprechen, damit ich vor meinem Tode ihm all die Leiden abbitte, damit er mir verzeihe. Und wenn Ihr den Rabbi Josua wiedersehet, so, ich flehe Euch an, saget ihm: ich ließe ihn bitten, er möge mir verzeihen, möge mir nicht fluchen, auf daß die Erde mir leicht werde, unter der mein Körper ruhen wird, wenn die Seele bereits vor dem Richterstuhle des allgewaltigen Meisters stehen wird." „Er wird Euch verzeihen all die Leiden, die Ihr durch Eure Verblendung über ihn heraufbeschworen habt." Der bleiche Bocher, welchen der Doctor inzwischen holen ließ, erschien jetzt im Gemache. „Komm näher!" sagte der Rabbi feierlich, „reich diesem Manne die Hand zur Versöhnung. Er steht auf der Scheide des Lebens, nur wenige Augenblicke noch und der allerbarmende Gott wird diesen Körper von seinen Qualen befreit haben. Das Geschick hat es so beschlossen, daß ihr im Leben euch nur feindlich gegenüberstehen mußtet, und dennoch hätte es anders sein sollen. Eure Herzen hätten in Liebe und Zuneigung zu einander schlagen sollen. Es sollte nicht sein." Das Gesicht des Sterbenden war von fahler Bläffe umlagert, die Zeichen des Todes kamen immer mehr zum Vorscheine. Ein einziger strahlender liebevoller Blick aus seinen halbgebrochenen Augen traf seinen Sohn, krampfhaft hielt er dessen Hand umschlossen, seine Lippen öffneten sich nochmals und Schma Jisrael flüsterten sie, und seine Seele st ans vor Gott. Reuig war er gestorben. „Bete für ihn, mein Sohn!" sagte der Rabbi sanft, bete für ihn, denn jetzt erst bist Du verwaist, er war Dein Vater." Und der Doctor verließ daS Gemach. Der bleiche Bocher blieb mit dem Todten allein. (Schluß folgt.) Murer, auch solche, welche andere Anstalten ohne Erfolg besuch- ’ teil, heilt sicher Cmtl Denhardt senior, Burgsteinfurt, Westfalen. Genaue Adresse. Honorar nach der Heilung. Heilverfahren durch Preuß. Orden anerkannt. Geheilt 1191. Profpect gratis. [2808 Zeugniß: Ich bin dem Herrn Emil Denhardt senior in Burgsteinfurt zu großem Danke verpflichtet. Ich überschickte seiner Anstalt einen meiner Schützlinge, den Abel Schwarz aus Schidlew in Rußland, einen tüchtigen talmudgelehrten Menschen, aber ein so entsetzlicher Stotterer, daß er ganz einem Stummen ähnlich kaum ein Wort hervorbringen konnte. Nach etwa fünf Wochen kam er hierher zurück, wie durch ein Wunder von seinem Uebel geheilt; und dieses Wunder hat Herr Denhardt in hochherziger Weise bewirkt durch seine Heilung des armen Mannes. Mögen ihm noch recht viele solcher Kuren gelingen. Dr. Rülf, Rabbiner. Memel, 18. Februar 1v80. Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen in Deutschland. Einnahmen im Monat Februar 1880. ». Mitglieder-Beiträge r Von Herren A. Model in Straßburg i. C., Plaut in Grebenstein, Davidsohn in Rehburg, Rabb. Dr. Buchholz in Emden, Meyer in Tauberbischofsheim, Schnerb in Merzig, Großmann in Emden, Levy in Heiligenstadt, Marschütz in Burghaslach, Meyer in Peckelsheim, Herzberg in Hameln, Spier in Alsfeld, Diels in Großkarben, — je 6 Mark. I». Einkanfsgelder. Von Herren I. Großmann in Emden M. 30, Ph. Levy in Heiligenstadt M. 40, in Plaut in Grebenstein M. 60, M. Spier H. Alsfeld M. 13, N. Driels in Großkarben M.48. 2307] «?. Geschenke: Ungenannt M. 20; Frau Rosa Bingen in Genua M. 100; Clkan u. Baer, Gottespfennig M. 10; Frau A. Merton hier M. 300z L. Müller in Bamberg M. 8; Sammlung von Frau Blümlein in Halberstadt M. 19.80 z Sam. Friedberg'sche Stiftung in Bingen M. 88.08; Familie Strauß hier M. 20; Fran Regina Friedmann in Fürth M. 40; Ad. Baer hier M. 18. d. Zinsen: Mark 136.88. Frank.fu rt a/M., 2. März 1880. Namens der Verwaltung: Adolf Teblee.