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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-02-25 · N° 9. (25.2.1880) · p. Seite 81

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 9. (25.2.1880)
Date
1880-02-25
Page
Seite 81 (sequence 7)
Language
German
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— 81 — er eine Virtelmillion. Damals berechnete man, daß er ganz allein mehr geschenkt hatte, als die sämmtlichen fürstlichen Personen von Frankreich, als der Graf von Chambord, der Herzog Aumale, die Kaiserin Eugenie und Mac Mahon zusammengenommen. Rumänien. Wien, 21. Februar. Die „Polit. Korreip." veröffentlicht den Wortlaut der identischen Note, mit welcher die Regierungen von Deutschland, Frankreich und England die Anerkennung Rumäniens in Bukarest notiftzirten. Die Note besagt: Die Regierungen vermöchten die getroffenen constitutionellen Bestimmungen betreffs der in Rumänien domizili. enden Personen nichtchristlicher Riten nicht als den Anschauungen der Signatarmächte des Berliner Vertrags gänzlich entsprechend anzuerkennen, sie hätten indeß, im Vertrauen auf den kundgegebenen Willen der fürstlichen Regierung, sich bei Anwendung dieser Bestimmungen immer mehr dem liberalen Gedanken der Mächte zu nähern, und um der rumänischen Nation einen Beweis ihrer freundschaftlichen Gesinnung zu geben, beschlossen, die Unabhängigkeit Rumäniens ohne weiteren Verzug anzuerkennen und mit der fürstlichen Regierung in regelmäßige diplomatische Beziehungen zu treten. — Der österreichischungarische Gesandte, Graf Hoyos-Sprinzenstein, überreichte gestern dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Boerescu, eine Note, in welcher das Vertrauen der österreichisch-ungarischen Regierung ausgedrückt wird, daß die rumänische Regierung die neuen Verfafsungsbestimmungen bezüglich der Juden gemäß den von ihr den europäischen Kabineten gegebenen formellen Versicherungen vollziehen werde. Bukarest, 21. Februar. Der Senat votirte gestern das Jndigenat für den jüdischen Bankier Daniel in Jassy. Gegenüber der Opposition, welche die Verleihung des Bürgerrechts lebhaft bekämpfte, griff der Konfeilspräsident in die Debatte mit einer Rede ein, aus welcher hervorging, daß die Mächte Recht hatten, als sie in den gestern übergebenen Noten die Zuversicht ansdrückten, die rumänische Regierung werde die gesetzlichen Bestimmungen betreffs der Naturalisirung der Israeliten ausführen. — Aber wann?! Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Wie der „Bert. Börs. Cour." berichtet, hat der hier weilender Impresario Glaser Herrn Hofprediger Stöcker, dem Häuptling der christlich-socialen Arbeiterpartei, den sehr verlockenden Antag gemacht, mit ihm durch Deutschland zu reisen (wie Barnum mit irgend einer Curiosität, mit einem behaarten Frauenzimmer, einem Skelett-Menschen, oder sonst einer Abnormität durch Amerika gereist ist). Herr Stöcker hat abgelehnt. Wir halten es für sehr belustigend, die kaum glaubliche Correspondenz wieoerzugeben. Der „Impresario" schreibt: Euer Hochehrwurden! Ergebenst Unterfertigter, Impresario der Carloconcerte, erlaubt sich Euer Hochehrwürden die Offerte zu machen, 30 Vorlesungen Ihrer Lehre betreffs der Semitenfrage unter Aegive des Gefertigten abzuhalten. Da die Tournee so ziemlich ganz Deutschland umfaßen dürfte, so muß mir das Recht .zustehen, am 15. Abend, noch weitere 30 Abende zu prolongiren. Die Honorarfrage würde ich, fall's Euer Hochehrwürden, der Sie Ihrer Idee so große Opfer gebracht, darauf verzichten sollten, einem von Ihnen bestimmten Wohlthätigkeitsinstttute täglich in Ihrem Aufträge übergeben. Freie Reise I. Elafse, Bestreitung sämmtlicher Auslagen, fällt selbstredend den, Impresario zu. Ich bitte Euer Hochehrwürden zum Schluß, dw Idee, die die größte Verbreitung Ihrer Lehre, sowie den Akt der größten pecuniären Humanität, in Erwägung zu ziehen. Th von Glaser, Impresario der Carloconcerte. Unter dem 24 Januar hat Herr Stöcker Herrn Glaser geantwortet: Ew. Hochwohl geboren! Die ergebene Erwiderung, daß es an meiner Stellung nicht angemessen ist, in der von Ihnen proponirten Weise meinen Bestrebungen Verbreitung zu verschaffen. Ergebenst Hofpr. Stöcker. Stargard i. Pommern, 16. Febr. (Or.-Corr.) Die Nachricht von dem Tode Crdmieux', des von den Juden aller Zonen hochgeehrten Präsidenten der Alliance, hat auch hier einen tiefen Eindruck hervorgerufen, und veranlaßte den Rabbiner, der allgemeinen Trauer über den Verlust dieses unvergeßlichen Mannes am verflossenen Sabbath in der Synagoge in beredten Worten Ausdruck zu geben. Ad vocem Judenhetze möchte ich bemerken, daß die Flugblätter („Zur Abwehr." Nr. 1 u. 3), die der Gemeindebunv versendet, eine ganz entschieden nützliche Wirkung hier und da erkennen laßen. Obgleich auch in unserer Stadt das Vorhandensein der Rischuspflanze nicht geleugnet werden kann, so ist sie doch noch nicht zu stolzer Blüthe emporgewachsen und vegetirt noch etwas versteckt unter der Oberfläche. Eine unserer Zeitungen bringt zuweilen Auszüge aus den Artikeln der „Weser- und Nationalzeitung", welche beiden Blätter in erfreulicher Weise Front gemacht gegen die Verleumdungen und Verunglimpfungen, die man den Juden kühn ins Angesicht schleuderte. Frankfurt a. M. Im M e n de l s s o h n v e r e i n hielt am Montag Abend Herr Dr. Hochstädter aus Ems einen Vortrag über den „Einklang der positiven Religionen und ihrer Bekenner. Er führte vier Ideen an, welche das Judenthum, das Christenthum und der Islam gemeinsam hätten, nämlich die wahre Erkenntniß von Gott, den Begriff der Nächstenliebe. die Vorstellung vom messianischen Gottesreich und den Glauben an die Fortdauer der menschlichen Seele. An der Hand des alten und neuen Testaments der Bibel, sowie der Lehren des Koran wies er eingehend nach, daß diese Ideen den drei Glaubensbekenntnissen zur ethischen Grundlage dienten. Wenn der Islam die Ausrottung der Andersgläubigen predige, so hätten die auf einer höheren sttttlichen Stufe stehenden Religionsbekenner durch den Geist der Duldung und Liebe, den sie im gegenseitigen Verkehr bewiesen, ein gutes Beispiel zu geben. Friede und Einklang sei in dem Gedanken zu suchen und zu finden, daß Alle einem Ziele zustreben, wenn auch auf verschiedenen Wegen. Bielefeld. (Or.-Corr.) Den zahlreichen Freunden und früheren | Schülern unseres Lehrers und Predigers Herrn Blumen au 1 wird die Notiz willkommen sein, daß derselbe am 18. April d. I. das Doppelsest seiner silbernen Hochzeit und seiner 25jährigen hiesigen Amtsthätigkeit feiern wird. Mannheim. Hier hat jüngst Herr Rabbiner Dr Guttmann aus Hildesheim gepredigt und soll noch ein Candidat gehört werden; alsdann wird die Wahl endlich, wie man hofft, erfolgen. Am meisten Chancen hat Herr Dr. Stöckelmacher. AvS Württemberg. Frau Henl in Eßlingen, die bekannte Lustspieldichrerin („durch die Intendanz u. a.") wurde vom freien deutschen Hochstift in Frankfurt a. M. zum Mitgliede ernannt. Paris, 12. Februar. Zur Bestreitung der Kosten des Crämieux'ichen Leichenbegängnißes aus der Staatskasse hatte der Minister des Innern 10,000 Frcs. gefordert, die die Kammer mit großer Majorität (344 Stimmen) bewilligt hat. AuS Indien. In Tanna wurde am 30. December eine neue Synagoge eingeweiht. Die Feier selbst war eine großartige; Reden und Lieder in der Landessprache und der englischen Sprache wechselten mit einander ab, selbstverständlich fehlten die üblichen hebräischen Gesänge nicht. Was die Feier aber besonders auszeichnete, war das Meeting nach der synogogalen Einweihung, dem die höchsten Behörden beiwohnten und bei dem Herrn W. M. Coghtern, Richter des Seßi» onshofes zu Tanna eine Ansprache hielt, von der Marr, Treitschke, und Stöcker erröthend lernen könnten. (Feuilleton in der Beilage.)

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