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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-02-25 · N° 9. (25.2.1880) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 9. (25.2.1880)
Date
1880-02-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 9. 188«. Israelitische Jahrgang n. -Schrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. Erscheint jeden Mittwoch u. kostet sammt dem wöchentlich erscheinenden „Jüdischen Literaturblatt" bei allen P o st ämtern und Buchhandlungen vierteljährlich 3 Marie. Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich 8 fl.; nach dem Auslande: 16 Mk. (20 Frcs. 8 Rub. * Dollar?) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" a 25 Pf., des „Literaturblatts" k 15 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner Dr. W. Wahrner in Magdeburg. Magdeburg, 25. Februar. Inserate für die „Wochens chrift", die dreigespaltene Petitzeile ober deren Raum J3£5 Pf., (für das „L i t « r a t u r b l a t t" k 20 Pf.,) sind durch fämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2 60 0 Stück, werden mit U Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel: Die Alliance israslite universelle. — Adolphe Isaak Cr^mieux — In causa Grätz. — Ein kurzes Wort der Erwiderung an I>r. ü. Philippson. Berichte und Correspondenzenr Deutschland: Berlin. Breslau. Aus Westpreußen. Aus Westfalen. Hamburg. Aus Württemberg. Oesterreich: Teplitz. Frankreich: Paris. Rumänien: Wien. Bukarest. «ermischte nnd neueste Nachrichten: Berlin. Stargard. Frankfurt a. M. Bielefeld. Mannheim. Aus Württemberg. Paris. AuS Indien. (Beilage.) Feuilleton : Rabbi und Vagabond, oder: Schuld u. Sühne. Inserate. Die AAiance israelite universelle. Ein Klageton durchzieht alle jüdischen Gemeinden der weiten Erde. Der Anwalt aller Juden, der Verbrüderer aller Zerstreuten Israels ist dahin. Der glanzvolle und klangvolle Name, der allein schon begeisterte wie eine Rede, der allein schon das jüdische .Herz wachrief wie ein Schofarton, der Name, auf den jeder Jude mit Stolz hinwies wie auf einen Patriarchen, der das Herz beruhigte wie ein himmlischer Trost, dieser Name hat seinen irdischen Träger verloren. Ein angstvoller Schauer ergreift jeden Freund unseres Volkes, als wäre die festeste Mauer gefallen, hinter der das verfolgte Israel neuen Schutz gefunden, ein Gefühl erfaßt uns, als wären wir verwaist. Wo ist der Mann, der sich in den Riß stellt, wo der Mann, der so muth- und nachdrucksvoll der Juden sich vor den Thronen annimmt? wo der Mann, dessen JTDT allein oft hinreichte, um das Herz der Mächtigen für die Sache des Rechtes geneigt zu machen? wo der Mann, der so sittenrein, so herzensgroß, so rede stark, so th atenreich, so unangreifbar für unsere gedrückten Brüder sich erheben wird? Und was wird aus der Alliance werden, dieser größten Schöpfung des Judenthums unserer Zeit? Dieser Alliance, welche zum Schiboleth unseres Glaubens geworden, in der wir gewissermaßen das treueste Abbild unserer weltumfassenden und beglückenden religiösen Friedensaufgabe erblicken? Hat nicht der Name, das Wort „C r 6 m i e u x" diese Alliance gegründet, gepflegt und groß gemacht? Hat nicht Crsmieux' Seelenadel auch die Gegner der Alliance besiegt und sie zu Freunden derselben gemacht? Wer hätte es vermocht, diesem liebevollen, feurigen, berühmten Manne Widerstand entgegenzustellen? Doch, das Traurige ist geschehen, das Leid muß und wird getragen werden, der Schmerz wird unauslöschlich sein in der Brust aller Wochen- Februar 1880. Adar 5640. Kalender. Mittwoch . . . 25 13 Taanis Ester. Donnerstag . . 26 14 Purim. Freitag .... 27 15 Schuschan Purim. Sonnabend . . 28 16 «fern '2 (E. 6 u. 13 M.) Sonntag.... 29 17 Montag .... März 1 18 Dienstag . . . 2 19 unserer Zeitgenossen. Aber es gilt nicht nur zu klagen, es gilt zu wachen, auf Her Hut zu sein. Es gilt vor Allem das Werk Citlinieux' festzuhalten wie ein heiliges Vermächtniß: Die Alliance Jsraslite Universelle muß zur Ehre des Judenthums in ihrer Integrität bestehen bleiben! Nur keine Zersplitterung nach Ländern, nur keine Zerbröckelung des großen stolzen Bau's. Freilich, noch stehen wir rathlos am Grabe des Führers, noch wagt es Keiner zu sagen, wer ihn vertreten solle, denn er ist unersetzlich. Aber Eines steht für uns fest. Wir müssen Zusammenhalten und einig bleiben. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der gegenseitigen Verantwortlichkeit muß mehr denn je wach erhalten werden. Nur in der Einheit werden wir st a r k sein. Unsere Parole bleibt die altbewährte: "[ölD 'Bl Tn«1 “jtttPl NNX nns ins na bw. Adolphe Isaak Crvmieux. Die jüdische Gemeinschaft steht trauernd an der Bahre eines ihrer besten Söhne. Je weniger unsere Alles nivellirende Zeit geeignet ist, scharf umrissene Persönlichkeiten hervorzubringen, desto beklagenswerther ist es, wenn eine solche, die aus früherer Zeit in die Gegenwart hineinragt, ins Grab sinkt. Menschen dieser Art sind durch ihre Fehler fast ebenso liebenswürdig und lehrreich, wie durch ihre Tugenden, in Allem eigenartig und selbstständig, in Nichts schablonenhaft unb Nachahmer. zeigen' sie noch den spätesten Geschlechtern, wie ein Mensch von echtem Schrot und Korn aussieht und aussehen soll. Wie die knorrige Eiche, die in der Freiheit des Waldes aufwächst, deren Zweige von der zustutzenden Scheere des Gärtners nie berührt wurden, unbekümmert um das kleine Gestrüpp in ihrer Nähe, das ihr nicht zu folgen vermag, zum Himmel strebt und da droben ihre Krone mächtig ausbreitet: so schießen solche Persönlichkeiten, ihrem inneren Drange fol-

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