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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-01-14 · N° 3. (14.1.1880) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 3. (14.1.1880)
Date
1880-01-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummern der „Wochenschrift" k 25 Pf., deS „Literaturblatts" k 15 Ps. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. M. Ilahrner in Magdeburg. Magdeburg, ILl. Januar. I nserate für die „W o ch « n s ch r i f 1", die dreigespalten« Petitzeile oder deren Raum 35 Pf., (für dar „Literaturblatt" k 20 Pf.,) sind durch sämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg einzusen« den. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2 6 0 0 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel r Zur Judrnsrage. Berichte und CorrespondenzenrDeutschland: Magdeburg. BreSlau. Berlin. Glogau. Liegnitz. Coblenz. Mühlhausen. Hamburg. Mannheim. Oesterreich-Ungarn: Aus Galizien. Budapest. Budapest. Holland: Rotterdam. vermischte nnd neueste Nachrichtenr Berlin. Berlin. Berlin. Berlin. Breslau. Breslau. Dessau. Potsdam. Frankfurt a. M. Posen. Loslau. — Inserate. — (Beilage.) Ehrenbreitenstein. Schweiz. Rotterdam. Feuilleton r Rabbi und Vagabond, oder: Schuld und Sühne. Wochen- Mittwoch . Donnerstag Freitag . . Sonnabend Sonntag. . Montag . . Dienstag . Januar 1880. Schewat 5640. 14 1 15 2 16 3 17 4 18 5 19 6 20 7 Kalender. Rosch Codesch. K3 (E. 5 U. 1 M.) Zur Judenfrage.*) Zum ersten Mal wird hier Herrn v. Treitschke irr einer dieses Gegners würdigen Weise geantwortet. Das soll kein Vorwurf sein gegen die Männer, die in der ersten Zornesgluth heiße leidenschaftliche Worte gegen den berühmten Publicisten geschleudert haben. Trotzdem einige Anzeichen einer den Juden unfreundlichen Gesinnung schon früher bei Tr. bemerkt worden, war doch alle Welt überrascht und alle Liberalen waren erbittert, diesen mit Recht gefeierten Mann, der in so manchem deutschen Jüngling die nationale Begeisterung erweckt hat, an dem freudlosen Werke betheiligt zu sehen, den Haß gegen eine schutzlose Minderheit zu schüren. Treitschke hat offenbar die Wucht seiner Worte nicht wohl bedacht, er vergaß, daß eine hervorragende Stellung zur Vorsicht verpflichtet, er vergaß, daß es nicht das Gleiche sei, wenn er oder Herr Stöcker zur Nation redet. Die Erbitterung machte die ersten Streiter wild und erbarmungslos gegen den begeisterten Herold der deutschen Einheit, und um der einen Sünde willen wurde Alles bei Seite geschoben, was der vortreffliche, ob auch einseitige Mann zum Ruhme Deutschlands geleistet hat. Herr v. Treitschke ist unzweifelhaft längst »u der Einsicht gekommen, daß er seinem Namen einen Makel angehestet hat, indem er zu einer Zeit, wo der literarische Janhagel gegen die Juden hetzte, sich diesem, wenn auch natürlich mit einigen Reserven, angeschloffen. Die schönen Worte verdeckten nicht den schlimmen Sinn und in der ersten Nummer der „G r e n z b o t e n" von diesem Jahre nimmt auch ein Satellit des Herrn v. Treitschke keinen Anstand diesen bösen Sinn in seiner ganzen Nacktheit herzustellen. *) Sendschreiben an Herrn v. Treitsche von Dr. Harry Breßlau, Professor der Geschichte. Berlin 1880. Dümmler. 25 S. Seltsam, diese „grünen Blätter", die einstmals den deutschen ^reiheitsfrühling bedeuteten und jetzt der verschämten Reaktion "Vtfneti/ bringen in derselben Nummer einen Artikel, der sich vielfach gegen den Juden Lasker mit seinem talmudischen Scharfsinn wendet, am Schluß einen Aufsatz, der den wildesten Judenhaß predigt, und in der Mitte steht ein Essay von Alfred Meißner, über die ersten Anfänge der Grenzboten unter der Leitung — Kuranda's, des Israeliten, des jetzigen Wiener Gemeindevorstehers und österreichischen Reichstagsabgeordneten. So gelb und welk sind die grünen Blätter im Lause der Zeit geworden. Doch dies nebenher. Weil wir meinen, daß Treitschke guten Gründen zugänglich ist, weil wir nicht glauben, daß er zu denen g e h ö r t, zu denen er g e z ä h l t wird, zu den Marr, Glagau, Stöcker, darum begrüßen wir die Schrift des Prof. Breßlau aufs Freudigste. Sie ist ganz leidenschaftslos gehalten und wohlgeeignet, Herrn v. Treitschke von einem Wege abzubringen, der in die Jrrgänge des Mittelalters zurückführt, auf dem wahrlich keine Lorbeeren zu gewinnen sind. Herr Pros. Breßlau schreibt zuvörderst eine Geschichte der neuesten Judenhetze; er erinnert, daß ihre ersten Keime im Jahre 1875 sich bemerkbar machten: da schrieb die Kreuzzeitung ihre Artikel: „Bleichröder-Kamphausen-Delbrück; ihre Tendenz war zu denunciren, daß die wirthschaftliche Politik des Reichesunter dem Einfluß der Juden stehe. Der Kreuzzeitung schlossen sich alsbald die ultramontanen und agrarischen Blätter an. Im Jahre 1875 war es so, daß die Reichsfeinde zugleich Judenfeinde waren. Das müßte Herrn v. Treitschke, dem feurigen Unitarier, darüber die Augen öffnen, in welche Gesellschaft er durch seinen antijüdischen Artikel gerathen ist. Breßlau weist nach, wie irrig die Ansichten Tr/s Hinsicht-

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