Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 1. (1.1.1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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- Avignon 1× ep/1047822
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Beilage zur „Jsruelitischcil Wochenschrift." Nr. 1. Magdeburg, den 1. Januar 1880. 11. Jahrgang. der Entstehung, des Entwicklungsganges und der segensreichen Wirksamkeit des Vereins in gedrängt skizzirter Darstellung entrollte und darauf die Anwesenden aufforderte, das Andenken der verstorbenen Mitbegründer des Vereins (es leben z. Z. nur noch vier) durch Erheben von den Sitzen zu ehren. — Während des Mahles herrschte eine festlich gehobene Stimmung nnd heitere und ernste Tischreden und Trink - spräche wechselten mit einander ab. — Eine Sammlung für die Talmuo-Thorahschule des Dr. Neustadt in Breslau, veranstaltet von dem hochverdienten, langjährigen Vorsteher der Gemeinde, Hrn. M. Freudenthal, ergab ein hübsches Erträgniß, und mit dem Bewußtsein, einen schönen Chanukah-Abend verbracht zu haben, verließ spät in der Nacht die Gesellschaft das Haus des Gastgebers, welcher letzterer ein Interesse für die Chewrah auch noch durch eine Schenkung von 50 Mk. zu Gunsten derselben bekundet hatte. Möge der Verein, welcher Zedaka und Gemilluth Chcssed auf seine Fahne geschrieben, wachsen und gedeihen, und sein Fortbestand für alle Zeiten gesichert sein. 8. K. Budapest (Or.-Corr.) Bei all den vielen Wohlthätigkeits-Anftalten in unserer Gemeinde fehlt es noch immer an einer Volksküche, an welcher arme fromme Israeliten sich betheiligen könnten, d. h. an der die Speisen nach jüdischem Ritus zubereitet werden. Bei den jetzigen hohen Preisen der Lebensmittel und der grimmigen Kälte, welche hier herrscht, würde ein solches Institut wohl angezeigt sein. Es sollen zwar bereits hierüber von mehreren ehrbaren Gemeinde-Mitgliedern Berathungen stattgefunden haben, doch ob selbige von Resultat gewesen, ist noch nicht bekannt. Der Magistrat in Krakau hat 5 jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen 750 Gulden Beisteuer zugesichert. Paris. October — November brachte an Spenden für Gemeinden und Wohlthätigkeitsanstalten (deren kleinste 100 Frcs) 13,550 Frcs. (10840 Mark). Außerdem vom Baron Alfons v. Rothschild, der an obiger Summe auch seinen Antheil hat, Stiftung eines Bettes im Waisenhause, mit egyptischen Papieren im Betrage von etwa 11,500 Frcs. (9200 M.) — Unter den Wohlihätern von Paris wird auch ein bedeutender Financier genannt (wahrscheinlich Jsaac Pereire) der für die Armen 50,000 Frcs. gespendet hat. Paris, 13. Dec. Gestern hat die Firma Gebrüder Rothschild 150,000 Frcs. für die Stadtarmen gespendet. Frau Nathaniel v. Rothschild 13,000 Frcs. — Ueberhaupt an einem Tage von Juden 172,500 Frcs. bei einer Gesammtgabe von 178,000. Baron Hirsch spendete an einem andern Tage 25000 Frcs. Ueberhaupt betheiligen die Juden sich in wahrhaft großartiger Weise. Das isr. Wohlthätigkeitscomit6 hat am 10. cr. in Anbetracht der durch die Kälte auch in isr. Kreisen gesteigerten Roth beschlossen, vom 11. cr. an durch eine ständige Commission außerordentliche fortdauernde Vertheiluugen von Brennmaterial, Lebensmitteln, Kleidern und Geld vornehmen zu lassen. Die Mittel werden durch eine Sammlung herbeigeschafft. Auch hierzu haben die Rothschild 10000 Frcs. gegeben. Seit dem 10. werden vom Castellan des neuen portugiesischen Tempels koscher bereitete Suppen allen Armen ausgetheilt. Juden geben die dazu nölhigen 150 Frcs. täglich. Dagegen hat der „Figaro" von jeuier Collecre 25000 Fr. an den Oberrabbiner von Paris für die jüd. Armen geschickt. — (Jst's da Ueberhebung wenn „Un. isr." von der „jüdischen Wohlthätigkeit" spricht? Red.) Paris Herr S6e , Generalsecretär der Haute-Marne ist Unterpräfect v. Louviers (Eure), Herr Joseph Leon Rabbinatschef des Präfecten, Unterpräfect v. Castellane (Niederalpen) geworden. — Trotz der Proteste gegen die Wahl des Herrn Leven als Stadtrath, welche den „Prussien" bekämpfen, ist sie bestätigt worden. — Besaneon, Avignon und Nimes sollen zu Grandrabbinatsstellen erhoben werden. (U. I.) — Der Großfürst Thronfolger von Rußland hat bei seiner jüngsten Anwesenheit in Paris den Baron Horace Günzburg besucht und soll dabei angedeutet haben, daß am nächsten Geburtslage des Kaisers (3. März 1880) die vollständige Gleichstellung der russischen Juden werde proklamirt werden. Gott gebe es. (U. I.) Piemont. Der Rabbiner von Asti (der Vaterstadt des Grafen Astom) hat gestaltet, ohne Minjan öffentlichen Gottesdienst abzuhalten, was natürlich großen Widerspruch hervorgerufen hat. (Arch. isr.) In Italien wird auf Anregung des Herrn Abraham Pesaro ein Verein gegründet, um durch Preise Arbeiten über die Geschichte der dortigen isr. Gemeinden anzuregen. Der Mitgliedsbeitrag ist auf 15 Lire — die Mitgliedschaft auf mindestens 5 Jahre normirt. In Constantinopel soll schon wieder ein 19jähriges jüd. Mädchen im Hause eines englischen Missionärs zurückbehalten werden. — Der Oberrabbiner von Algier, Herr Ab. Cahen, hat im Recueil des Memoires de la societ6 archeologique de Constantine, eine Abhandlung über die punrschen und neupulinischen Inschriften dieser Stadt (etwa 30 veröffentlicht. In San Francisco hält jetzt ein jüdisch-chinsisches Ehepaar eine Chinesische Restauration. Der Mann ist ein Chinese, die Frau eine schmucke, junge Jüdin; der Chinese soll vor der Hochzeit in aller Form zum Judenthum übergetreten sein. Feuilleton.*) Rabbi»nd Bagabond, oder: Schuld und Sühne Historisch-romanttsche Erzählung von Ad. v. Z e m l i n s z k y. 1. Purim. Von silbernen Leuchtern getragen, strahlen zahllose Kerzen ihr freundliches Helles Licht in der Wohnstube des Rabbi Josua aus. Es ist Purim-Abend. Die Familie des Rabbi saß um einen mit weißen Linnen bedeckten Tisch. — Obenan saß der Rabbi, ihm zur Seite die Frau des Hauses, — weiter unten die schöne 12jährige Sarah und ihr etwa um 2 Jahre älterer Bruder Jakob. Doch Frohsinn und Heiterkeit, all' die muntern Scherze und Neckereien, welche doch noch jederzeit unzertrennliche Gefährten des Purim gewesen, fehlten heute und Purim war es eben nur dem Namen nach. Sorgenschwer starrte der Rabbi, in trübe Gedanken versunken, in die brennenden Lichter und stille, fast athemlos, schaute die Familie ängstlich zu ihm auf. Zum ersten Male in seinem Leben war der Rabbi heute beim Gebete zerstreut gewesen, und wie der Rabbi, so war es auch die ganze Gemeinde. Gestern Abend schon im Bethause, als der Chasen die Megillah verlesen, da fehlte es an der sonst immer herrschenden Ruhe und Aufmerksamkeit, und selbst als der Name „Haman" zum Oeftern genannt wurde, vernahm man nichts von dem altherkömmlichen Stampfen mit den Füßen, Lärmen unä *) Nachdruck verboten.