Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 49. (5.12.1877)
- Date
- 1877-12-05
- Page
- Seite 387 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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;jrilioij!j chA«WWWW> w*.1K2«S®sifcrÄ; I^bAs*»aSlv-'ay A£?^WSä.' -#ä!cJr. Ä 387 Und Einer nach dem Andern verließ den Platz bis die Drei allem zurückgeblieben waren. „Kann ich Euch mit irgend etwas helfen? begann der Arzt freundlich, ich würde es gern thun. Sprecht!" „Nicht doch, Herr, wir danken Euch recht sehr für Euren Schutz, doch bedürfen wir nichts weiter. Wir verlaßen ja morgen schon die Stadt." ’ „Und dennoch glaube ich mich nicht zu täuschen, wenn ich sage, es drückt Euch Beide schwerer Kummer!" „Und wenn es so wäre, Ihr könntet uns ja doch nicht helfen Herr. Ihr habt es ja gehört, ich bin ein Meschummed und diese Frau „eine arme Wahnsinnige." Eben deshalb glaube ich Euch helfen zu können, für „die Wahnsinnige" kann der Leibarzt des Königs Hilfe bringen, für den Meschummed, die zweite Hälfte des Leibarztes, der Rabbi Jehuda Halevy. „Niein Gott, welchen Namen habt Ihr ausgesprochen Herr, Ihr seid-?" „Ich bin Jehuda Halevy, des Königs Leibarzt. Doch kennt Ihr mich? säst läßt mich Euer Erstaunen es vermuthen?" „Nein, mein Herr, ich kenne Euch nicht, Hab' Euch noch nie gesehen, doch verzeiht mir die Frage, sie klingt unbescheiden, seid Ihr verheirathet?" „Ja, wohl bin ich's, Hab eine schöne, treue Frau. Und wenige Monate erst sind vorbei, da schenkte mir meine Rebecca ein liebes Töchterlein." „Rebecca, mein Gott!" stammelte die Frau, „auch ich hatte eine Tochter gleichen Namens." „Und wo ist sie jetzt!" „Weiß ich's?" entschlüpfte unachtsam die Antwort Sarah's Lippen. „Wie, Frau? Ihr wißt es nicht, wo Eure Tochter ist, wie seltsam, die Mutter soll von ihrem Kinde nichts wissen." „Seht Ihr Elieh, seht Ihr," jammerte Sarah plötzlich auf, „die Müller gehört zu ihren Kindern, sie nicht zu verlassen ist ihre heiligste Mutterpflicht!" „Ja wohl, arme Frau, es ist die heiligste Mutterpflicht. Ich will mich nicht in Euer Vertrauen drängen, und dennoch ein unbeschreibliches unsagbares Etwas zieht mich zu Euch hin. Könnt Ihr mir nicht den Grund Eures Leides sagen, vielleicht kann ich Euch helfen." „Herr, könnt Ihr die beiden Pole der Erde einander nähern?" fragte Elieh erregt, „ebensowenig könnt Ihr uns helfen." „Wer weiß, wenn Mutterliebe das Bindemittel ist." „Und wenn ein schreckliches Verbrechen?" „Ein Verbrechen, sagt Ihr?" fragte der Arzt erschreckt. „Nun dann, schwört niir, Niemanden« etwas von dem mitzulheiien, was Ihr jetzt hören sollt und Ihr sollt Alles wissen, und dann entscheidet auch, ob ich recht gehandelt, daß ich die Mutter von Ihren Kindern trennte." „Doch halt! hier auf der Straße, laßt uns nicht länger weilen, kommt nach meiner Behausung. „Und Eure Gattin, Herr?" sagte Elieh zögernd. „Sie wird Euch Beide nicht sehen, wenn Ihr es nicht wollt." „Ich bitte darum, den Grund werdet Ihr aus meiner Erzählung entnehmen." Und der Arzt führte seine Gäste in sein Haus. Und dort saßen sie im traulichen Arbeitsstübchen des Gelehrten und mit beredeter Zunge erzählte Elieh dem Arzte, während sich Sarah in einem Nebengemache ausruhte. „Uriti jetzt sagt Herr", sagte Elieh, nachdem er geendet, „habe ich recht gelhan?" „Ihr habt recht gethan, doch jetzt muß endlich dieser Frau ihre Familie zurückgegeben werden, glaubt es mir, ich habe es aus dem Aufschrei ihres Herzens vernommen, glaubt es dem ersahrenen Arzte, diese Frau, wird sie nicht bald von ihren Seelenleiden befreit, wird sie von ewiger Nacht des Geistes gefangen gehalten werden. Und darum ist es am Beiten, wenn Ihr vor Allen Andern dafür Sorge tragt, daß sie ihre Tochter, wenn sie am Leben, wieder erlangt; denn ein weibliches Herz allein ist ihr zur Linderung ihres Kummers nöthig. „Ihre Tochter!" sagte Elieh seltsam lächelnd „Ich habe Euch gefragt, Herr, ob Ihr verheirathet seid, hört den Grund, der mich zu dieser Frage veranlaßte. Ihr kennt mich nicht, und dennoch war ich bei Euch, bei Euch in der schwersten Stunde Eures Lebens. Ich war es, der den todtgeglaubten Jehuda Halevy mit dem Leichentuchs bedeckte, das Todtenlämpchen zu seinem Haupte stellte." „Wie? Ihr seid Elieh Carmo? und jene Frau Eure Begleiterin, wer ist sie?" „Ist die Mutter jenes blondgelockten Engels, der als Schutzgeist an Eurem Bette damals saß." „Und diesen Schutzengel nenne ich ja meine Frau!" „Nicht länger dürfen Beide getrennt sein, die Vergangenheit sei begraben und die Gegenwart und Zukunft soll neue, frische, grünende Reisige auf dem Stamm des Glückes dieser armen Frau treiben. Am Herzen ihrer Tochter soll Sie die letzten Schmerzens-, die ersten Freudenthränen weinen. Ich will jetzt die Tochter, Ihr sollte die Mutter vorbereiten." Der Arzt eilte zur Thüre hinaus. Elieh betrat das Gemach, in welchem Sarah weilte, welche sich bei seinem Erscheinen aus ihrer liegenden Stellung aufgerichtet hatte. „Sagt Elieh, was habt Ihr mit diesem Manne gesprochen, in dessen Haus wir sind?" „Ich habe ihm gesagt, was zu sagen war und für alle diese schrecklichen Mittheilungen, die ich ihm machte, antwortete er mir: „Sei Du die Taube Noah's, nimm diesen grünenden, Hoffnung verheißenden Oelzweig und trage ihn hin zu der armen Dulderin und sage ihr, daß Gott nicht mehr will, daß die Mutter von ihrem Kinde getrennt sei." „Mein Gott, Elieh! das hat e r gesagt?" schluchzte Sarah. „Erinnert Euch, Sarah, was ich Euch draußen „auf dem guten Orte" antwortete, als Ihr mich um das Ziel Eurer Leiden fragtet. Gott hat gesprochen durch den Mund dieses Mannes, der Euch näher steht, als Ihr es ahnet. Und wenn Ihr stark sein wollt, so steht Euch heute noch, in wenigen Minuten, große Ueberraschung bevor, denn wisset, Ihr befindet Euch im Hause des Gatten Eurer Tochter Rebecca. —" „Mein Kind!" jubelte Sarah auf, „mein Kind darf ich an meine Brust drücken, darf es herzen und küssen. Wo ist sie, meine Tochter, meine Rebecca?" Und die Thüre flog auf und herein stürzte eine hohe, schöne Frauengestalt und schmiegte sich fest an Sarah's Brust und beide Frauen küßten und herzten sich, während Thränen der Freude, des Glückes und Jubels ihren Augen entströmten. Der Arzt hatte leise die Thüre geschloffen und beide Frauen saßen allein — Mutter und Tochter. (Forts, folgt.) Im Jnseratentheile dieses Blattes (vor. Nr.) befinden sich Empfeblungen der weltberühmten Spielwerke von Herrn I. H. Heller irr Bern. Derselbe liefert diese so allgemein beliebten Werke in einer geradezu staunenerregenden Vollkommenheit; sie können daher Jedermann nicht warm genug empfohlen werden. Was kann wohl der Gatte der Gattin, der Bräutigam der Braut, der Freund dem Freunde Schöneres uiff) Willkommeneres schenken? Denjenigen in vorgerückter« Jahren, vergegenwärtigt es glücklich verlebte Zeiten; es tröstet den unglücklich Liebenden; es klagt, lacht und hofft mit ihm; dem Leidenden, dem Kranken gewährt es die angenehmste Zerstreuung: dem Einsamen ist es ein treuer Gesellschafter; es erhöht die Gemüthlichkeit der langen Winterabende im häuslichen Kreise u. s. w. Hervorheben möchten wir noch ganz besonders die nur zu lobende Idee vieler der Herren Wirthe, die sich ein solches Werk zur Unterhaltung ihrer Gäste angeschafft. Die gemachte Ausgabe hat dieselben wie uns von mehreren Seiten bestätigt wird, nicht gereut; es erweist sich somit auch deren praktischer Nutzen auf's Evidenteste, und ist deshalb allen Herren Wirthen zu rathen, sich o h n e S ä u m e n ein Spietwerk anzuschaffen, da die Gäste stets dahin wiederkehren, wo ihnen eine Unterhaltung geboten. Es sei noch bemerkt, daß die Wahl der einzelnen Stücke eine fein durchdachte ist; die neuesten sowie die beliebtesten älteren Opern, Operetten, Tänze und Lieder heiteren und ernsten Genres finden sich in den Heller'schen Werken aus das Schönste vereinigt; reichhaltige illustrirte Preiscourante werden Jedermann franco zugesandt. Wie wir vernehmen, werden von Händlern gewöhnlich andere Werke für Heller'sche angepriesen; jedes seiner Werke und Dosen trägt seinen Namen; aste anderen sind fremde, auch diejenigen mit geschriebenen Namen. (1147 -1