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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-11-28 · N° 48. (28.11.1877) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 48. (28.11.1877)
Date
1877-11-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 48. 1877. 8. Iahrgailg. Wochen-Zchrift für die religiösen und socialen Interessen des Iudenthums. Erscheint jeden Mittwoch ».kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jlid. Liter aturblatt" von Rabb. Dr, M. Rah mer bei allen Postämtern u. Bnchbandlungen vierteljährlich 8 Mark 50 Pf. Mit direkter Zusendung: in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem AuSlande: 15 Mk. (18 ftrcs.) jährlich. Beiaiirwocllicher Redakteur und Herallsgeber Rabbiner 1)r. A. Treuenfels in Stettin. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Pf. des „LireraturbiattS" a 15 Pf. Magdeburg, 28. November. Inserate für die „W ochenschrift" oder das„Literaturbl att" a 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, stnd an die Annoncen-Expedition von Haasenstein L Bögler in Magdeburg oder deren Filialen in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz «inzusenden. — Größere Aufträge werden rabattirt. Beilagen, 2000 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel*): Franz Joseph I. in der Landes-Rabbinerschule zu Budapest. Berichte nnd Vorrespondenzen: Deutschland: Stettin. Berlin. Berlin. Breslau. Oesterreich: Wien. Niederlande: Brüssel. Vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Breslau. Frankfurt a. M. Eßlingen. Stuttgart. Teplitz. Paris. Warschau. Serajewo. Jerusalem. Canea. Feuilleton r Der Schwan von Toledo. Inserate. Wachen- November. 1877. Kisslew. | 5638. Kalender. Mittwoch ... 28 22 Donnerstag. . 99 23 Freitag .... 30 24 Freitag Abends: Chanuka Sonnabend . . Dee. 1 25 n n (Ende 4 U. SS M. Sonntag . . . 2 23 »f n 2* Montag.... 3 27 n ii Dienstag . . . 4 28 nts&i b® yii ,, « 4 □ Avanz Joseph I. in der Larrdes-Nabbinerfchule zu Budapest. Zu den sprüchwörtlich gewordenen Tugenden des Kaisers von Oesterreich und Königs von Ungarn gehört die strenge Erfüllung seines gegebenen Wortes. Als er daher am 25. Oktober d. I. dem Sprecher der Budapester Seminarcommission, Herrn Br. Samuel Kohn, in der Königsburg zu Ofen den Besuch der Landes-Rabbinerschule in Aussicht gestellt hatte, konnte man nur daran zweifeln, daß er bald sein Wort einlösen werde, der Besuch selber mußte jedoch allenthalben als sicher zu erwartende Thatsache behandelt werden. Die Freude der Erwartung sollte nur von der Raschheit der Erfüllung überboten werden. Am 12. November verständigte das Ministerium für Cultus und Unterricht bereits die israelitische Landeskanzlei, daß der König zugleich das Nationalmuseum und die Rabbinerschule Donnerstag, den 15. November, zu besuchen beschlossen habe. Mit Recht hat man auch darin einen Beweis wohlwollender Absicht erblickt, daß die neu errichtete Schule die Auszeichnung erfuhr, mit der höchsten Anstalt des Landes gleichsam in Einenr Range behandelt zu werden. Für 1 Uhr war die Ankunft des Königs im Museum festgesetzt worden. Bereits unr diese Zeit versammelten sich die geladenen Mitglieder der Seminarcommission, die Ehrengäste und der Lehrkörper im Vestibüle der Anstalt, dessen architektonisch trefflich gelungene Räumlichkeit reich drapirt und durch exotische Gewächse an Schönheit noch bedeutend gehoben wurde. Die Aufstellung der Versammelten war durch Herrn Alexander Wahrmann in der Weise angeordnet worden, daß der Lehrkörper zur Linken des eintretenden Monarchen, die Commission zu seiner Rechten zu stehen kam. Um 3 Uhr 10 Minuten verkündeten die Straßen entlang voranbrausende Lljenrufe die Ankunft des hohen Gastes. Das Aufstiegen der Doppelthüren am Haupteingange des Seminars in der Fia- *) Fortsetzung des Leitartikels: Schul- und Unterrichtssragen — der zugleich zu Chanuka — in nächster Nr. (Red.) Jergaffe, wo die Auffahrt stattfand, und das Erscheinen der hohen. majestätischen Gestalt war das Werk eines Augenblicks. Bestügelten Schrittes war der König die Stufen zum Erdgeschoffe emporgestiegen, und schön stand er, sich freundlich verneigend, inmitten der ihn mit Lljenrufen begrüßenden Versammlnng. Rasch waren ihm sein Generaladjutant, Baron Mondel, Minister Trefort, die Ministerialräthe Szuß und Hegedüs, Oberst Hübner und Oberstadthauptmann Thaiß gefolgt. Der Präsident der Landeskanzlei, Hr. Martin Schweiger, der in ungarischer Nationaltracht erschienen war, empfing den König anr Eingang und geleitete ihn unter dreimaliger Verneigung in die Mitte der Vorhalle. Diesen Augenblick benutzten die Herren Proff. Rabb. Bloch undRabbinatspräses Brill, den üblichen hebräischen Segensspruch gemeinsam und laut zu recitiren, ohne erst wegen der Bedeckung des Hauptes um Erlaubniß anzusuchen und ohne ihren Worten eine Uebersetzung folgen zll lassen. Hierauf begann der Präsident den Monarchen, der die Feldmütze seiner Generalsuniform mittlerweile abgenommen hatte, in ungarischer Sprache mit den folgenden, getreu übersetzten Worten anzureden: Kaiserliche und apostolisch Königliche Majestät! Allergnädigster Herr! Im Namen der Commission und des Profefforen-Collegiums der Rabbiner-Bildungsanstalt begrüße ich Ew. Majestät mit tiefstem Dankgefühle in dieser Anstalt, welche in Folge des allerhöchsten Beschlußes Ew. Majestät zur Heranbildung unserer Glaubenslehrer errichtet wurde. Wir halten diesen Besuch für die allerhöchste Auszeichnung, welche unserer Confession hätte zu Theil werden können; wir erblicken darin die günstigste Vorbedeutung für die eben eröffnete Wirksamkeit unserer Anstalt, und es soll unser eifrigstes Bestreben ausmachen, den durch den erlauchten Gründer an diese Anstalt geknüpften Erwartungen nach Möglichkeit zu entsprechen. Möge der Himmel die Fülle seiner Segnungen auf Ew. Majestät herabergießen, und möge es der göttlichen Vorsehung gefallen, Ew. Majestät eine lange Reihe von Jahren hindurch zur Beglückung Ihrer treuen Völker zu erhalten." Mit donnernden Lljenrufen stimmte die Versammlung in den Schluß der ebenso würdevoll als feierlich vorgetragenen Worte ein.

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