Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 40. (3.10.1877)
- Date
- 1877-10-03
- Page
- Seite 315 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde bemerkt, daß nur deshalb eine so g-ringe Strafe erkannt werde, weil das Ausbleiben nicht aus Böswilligkeit, sondern aus „religiösem Scrupel" erfolgt sei. Laupheim, 10. Sept. Am Vorabend des israelitischen Neujahrsfestes wurde die neurestaurirte Synagoge hier ihrem gottesdienstlichen Zwecke wieder geöffnet. Die heilige Lade, Kanzel und der Altar, im Renaissancestyl hergestellt, sind Meisterwerke. Die Opferwilligkeit der Gemeinde hat die Mittel gern beschafft, um ein würdiges Gotteshaus in einfachem, nicht prunkendem Style den Raumbedürfnissen angemessen auszusühren und diese Absicht ist vollständig gelungen. Wien. Die confessionellen Verhältnisse der in Niederösterreich wohnenden Israeliten sollen gesetzlich geregelt werden. Wie der „Wien. Jsr." erfährt, wird vor allem daraus gesehen werden, daß der Vorstand und der Rabbiner (oder dessen Verteter) das österr. Staatsbürgerrecht besitzen, sich bezüglich ihres Staatsbürgerlichen Verhaltens als vertrauenswürdig erweisen und das nöthige Maaß allgemeiner Bildung sich angeeignet haben. — Im Abgeordnetenhause fand aus Rücksicht gegen die jüd. Abgeordneten am Versöhnungstage weder eine Plenar-, noch Ausschuß', noch Clubsitzung statt. — Der Kaiser hat dem isr. Krankenverein in der Vorstadt Sechshaus 100 Gulden zukommen lassen. — Die Sammlungen für die verunglückten bulgarischen Israeliten haben in der Zeit zwischen dem Versöhnungstage und dem Laubhüttenseste 10,000 Gld. ergeben. Proßnitz. (Verspätet.) Ende vor. Mts. verschied hier nach längerem Leiden im 79. Lebensjahre Herr Leopold Hirsch, Rabbiner-Stellvertreter und Talmudlehrer. Seit dem Hmscheiden des allverehrten Dr. Gideon Brecher fand kein Todesfall eine solche Theilnahme in fast allen Kreisen der Bevölkerung, wie dieser. Die bürgerlichen Tugenden des Verewigten und seine Verdienste um die hiesige Jsraelitengemeinde würdigte Herr Rabbiner Dr. Hoff in seiner ebenso formvollendeten wie warm empfundenen Leichenrede. In Jglau (Mähren) sind 14 jüd. Lehrer an 8 Communalschulen angestellt. Dieselben haben, wie dem „Wien. Jsr." berichtet wird, leider sogar am Jom Kippur den Unterricht ertheilen müssen (?), weil sie sich nicht vertreten lassen konnten. In Baranow (Russ.-Polen) ist an den letzten Feiertagen die Frauengallerie in der Synagoge zusammengestürzt. 5 Menschenleben sind durch diesen Unglücksfall zu beklagen; 40 Personen sind dabei mehr oder weniger schwer verletzt worden. Pest. Die Landes-Rabbinerschule wird am 4. October in feierlicher Weise ihrer Bestimmung übergeben werden. Zur Eröffnungsfeier sind seitens des Präsidiums der isr. Landeskanzlei vielfache Einladungen ergangen. Wie wir hören, hat Hr. Prof. Dr. Grätz aus Breslau sein persönliches Erscheinen zugesagt. Wir wünschen der nach so vielem Ringen endlich ins Leben tretenden Anstalt, daß sie die in sie gesetzten Hoffnungen und Erwartungen erfülle, und eine Pflanzstätte für jüdische Wissenschaft und echte Religiösität werde! Aus Rom wird der „Jüd. Pr." berichtet: Das Ha unseres ersten Mitbürgers, Samuel Ala tri, hochgeach und verehrt in jüdischen wie in christlichen Kreisen, hat . großes Unglück getroffen. Auf die Nachricht hin, daß s« zweijähriges Enkelkind, unbeachtet, beim Bau des Hauses em volles Wasserfaß gefallen sei, eilte die Gattin Alatr nach der Wohnung ihres Sohnes und beim Anblick des trunkenen Kindes wurde sie sofort von einem tödtlichen He Alag betroffen. Die Theilnahme, welche sich bei der am Er Rosch haschana stattgehabten Beerdigung von Großmutter u Enkel aus den verschiedensten Schichten der römischen Bev kundgab, legte Zeugniß ab von dem hohen Anseh, welches Alatri s Haus in Rom genießt. Die Dahingeschiedc wnd besonders von den Armen beweint, für die sie tägl in ihrem eigenen Hause den Tisch servirte; zu jedem Feste begab sie sich selbst in die elenden Wohnungen, um dort Freude zu bereiten. Sie verfehlte nicht, täglich die Mädchenschulen zu besuchen, um sich von den Fortschritten der armen Kinoer zu überzeugen und sie durch Geschenke immer mehr zum Fleiße anzuspornen. Darum ist die Trauer so groß und die Theilnahme so allgemein, mit welcher man den edlen Gatten, der im vorigen Jahre das Fest der goldenen Hochzeit gefeiert, und die ganze Familie aus ihrer tiefen Betrübniß zu erheben sucht. Türkei. Die Geschichte von dem jüdischen Pascha Freund scheint doch kein Phantasiebild zu sein. Es ist nur nicht Mehemed Ali, der jetzige Oberfeldherr, sondern ein Anderer. Das „Berl. Tagebl." theilt aus einem Briefe eines deutschen Arztes Nachstehendes mit. „Mein intereffantester .Patient war Mahmud Hanidi Pascha, alias Freund, der türkische Marschall polnischer Nationalität, der in Folge seines unglücklichen Feldzuges gegen Montenegro vor einem Kriegsgericht stand und meinem Bataillion zur Bewachung zugetheilt war. General Freund, dessen Haft bis zu meinem Dienstantritt eine ungemein strenge war, erlangte erst durch mein energisches Auftreten einige Freiheiten. Man wollte mir Anfangs nicht einmal erlauben, zu dem schwer Erkrankten zu gehen. Erst nachdem ich einen geharnischten Brief an den „Conseil supdrieur“ geschrieben, in welchem ich mit der Veröffentlichung der Mahmud Pascha zu Theil werdenden Behandlung drohte, kam vom Saraskier Redief Pascha der Befehl, den Arzt ungehindert zum Gefangenen zu lassen. Freund, der sich sehr vereinsamt fühlte, auch meuchelmörderische Angriffe fürchtete, bat mich, bei ihm zu wohnen. Ich willfahrte, und so habe ich bis zu meiner Abreise in Stambul noch 3 Wochen in der liebenswürdigsten, anregensten Gesellschaft verlebt." Bagdad. Se. Exz. Hussein Tevzi-Pascha, an den das C.-Comite ein Dankschreiben wegen seiner Sympathien für die Alliance gerichtet hatte, antwortete folgendermaßen: Herrn Senator Ad. Cremieux, Präsidenten des Central- Comites der Alliance Jsraelite Universelle. Herr Präsident! Ich hatte die Ehre, Ihr Schreiben vom 18. März zu erhalten und danke Ihnen herzlich für die Gefühle, die Sie mir im Namen des Central-Comites der Alliance Jsraelite Universelle auszudrücken so gütig waren. Es ist unstreitig anerkannt, daß die Verbreitung des Unterrichts die erste, wenn nicht einzige Quelle des Gedeihens einer Nation ist. Die kaiserliche Regierung, von diesem Prinzip durchdrungen und in ihrer unterschiedslosen Fürsorge für alle ihre Unterthanen, vernachlässigt kein Mittel, um dieselben auf diesem Wege schnell fortschreiten zu sehen. Ich selbst, der ich das große Werk ihrer Alliance im höchsten Grade zu würdigen weiß, schätze mich glücklich, in der Lage zu sein, dieselbe in ihren Bemühungen zu Bagdad unterstützen, zugleich den Grundsätzen meiner Regierung dienen, und so zu dem Gedeihen niemes Vaterlandes beitragen zu können. Ich ergreife die Gelegenheit, Herr Präsident, um Sie zu bitten, gefälligst der Dollmetscher meiner Glückwünsche bei der Alliance sein zu wollen, deren Wohlthaten sich bis Bagdad erstrecken. Nord-Amerika. Der berühmte amerikan. Prediger Henry Ward Beecher hat in der Hilton'schen Rischus-Affaire eine glänzende Rede (in der Plymouth-Kirche zu Brooklyn) zu Gunsten und Ehren des Judenthums gehalten; dieselbe ist unter dem Titel: „Jew and Gentile“ im Druck erschienen. Das zu Baltimore bisher erschienene „Jewish Chronicle" ist eingegangen; in Charleston kündigt sich dafür eine neue jüd. Zeitung ,,The Southern Hebrew“ an. Das Feuilleton mutzte wegen des sich ungesammelt habenden anderweitigen Stoffes in dieser Nr. fortbleiben.