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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-08-08 · N° 32. (8.8.1877) · p. Seite 255

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 32. (8.8.1877)
Date
1877-08-08
Page
Seite 255 (sequence 7)
Language
German
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255 — zu Posen den Amtscharakter als Rector, der erste jüdische Lehrer in der Provinz Posen. Nach der Verschmelzung der jüdischen Schule mit den übrigen städtischen Lehranstalten fungirte er an denselben als Religionslehrer, sowie 30 Jahre lang als Seelsorger sbei den jüdischen Gefangenen in der Strafanstalt. Stuttgart, den 23. Juli. Heute fand dahier im Hotel Degginger die statutengemäße 3jährige Plenarversammlung des israel. Lehrerunterstützuugsvereins und die jährliche freiwillige Conferenz statt. Die Versammlung, an welcher sich auch Hr. Kirchenrath Wassermann, sowie Mitglieder aus allen Landestheilen betheiligten, zeigte, wie lieb der Verein dem isr. Lehrer- und Vorsängerstande geworden ist. In der That ist auch genügender Grund^dazu vorhanden, wie das auch der Vereinsvorstand in interessanter Weise und aktenmäßig nachgewiesen hat. Ein mit Gottvertrauen in den Boden der Humanität gelegtes unscheinbares Samenkörnlein hat von einigen Wenigen gehegt und gepflegt, in 15 Jahren sich zu einem viele segensreiche Früchte tragenden Baume entwickelt. Die zur Einsicht aufgelegte amtlich revidirte Rechnung zeigte ein recht günstiges Ergebniß, es konnten deshalb auch wieder recht ansehnliche Unterstützungen dekretirt werten. Auch für die nächsten 3 Jahre wurde der bisherige Ausschuß wiedergewählt, nur die krankheitshalber von Rothschild niedergelegte Kastirstelle wurde Stern in Eßlingen übertragen. Für die sodann beginnende freiwillige Conferenz blieb nur noch so viel Zeit, den der Ständeversammlung vorliegenden Gesetzesentwurf zu besprechen und dem Ausschuß Auftrag zu ertheilen, gegen mehrere Artikel desselben, die dem Lehrer- und Vorsängerstande sehr bedenklich, ja gefährlich erscheinen, zu petitioniren. Bei dem gemeinsamen Mittagsmahl wurde noch mancher in* terefsante Gegenstand zur Besprechung gebracht und der vom Vorstand Liebmann Sr. Maj. dem Könige, der dem Verein stets höchste Gnade und Huld thatsächlich zuwende, ausgebrachte Toast fand begeisterte Aufnahme. (Schw. M.) Wien. Die hiesige türkische isr. Gemeinde hat dem türkischen Botschafter für die Verwundeten der türkischen Armee 5000 Frcs. überreichen lasten. — Am 31. Juli überreichte eine Deputation dieser Gemeinde dem jetzt hier weilenden Midhat Pascha eine prachtvolle Adresse. Zu dem Herausgeber des „Wiener Israelit", Hrn. W. Weiß, der die Ankunft Midhat Pascha's in einem besonderen Artikel gefeiert hatte, sagte derselbe: „Ich ließ mir den in ihrem Blatte erschienenen Begrüßungsartikel übersetzen nnd bereiteten mir Ihre freundlichen Worte eine vergnügte Stunde; ich kenne die Juden und ihre Dankbarkeit." Im weiteren Verlaufe des Gespräches äußerte er der Deputation: „Ich werde, so Gott mir hilft, wie immer den Juden meine Unterstützung nicht versagen." Warschau, 27. Juli. (Or.-Corr.) Unsere neue Synagoge, ein prächtiges Gebäude, welches an 300,000 Rubel (eine Million Mark) kostet, wird in kurzem fertig sein. Außerdem unternimmt die Gemeinde jetzt auch den Bau eines Hauies i (zur rnnts) auf dem Friedhofe, mit dem eine Synagoge und ein Zimmer für Leidtragende verbunden sein wird. Die Kosten > sind auf 30,000 Rubel veranschlagt. Run gibt es hier freilich an 90,000 Juden und darunter sind viele reich; aber abgesehen davon, daß ein Theil der Orthodoxen und alle Chastidim nicht zu der Synagoge beitragen, ist auch wohl die Hälfte der 90,000 Neuzugezogene und Fremde, die seit Aufhebung des Tagezettels sich in Warschau besetzen. Diese Leute haben für Theater und Vergnügen aller Art Geld, aber die Synagoge der Warschauer Gemeinde kümmert sie nicht; zum Erwerben sind sie hier heimisch, der Synagoge gegenüber bleiben sie Fremde. So ist denn der Baufonds von einer kleinen Anzahl zusammengebracht. Paris. Ddß auch in Frankreich von verschiedenen und entgegengesetzten Seiten oft genug' gegen Juden gehetzt wird, und daß auch dort nicht nur von den Klerikalen, wie sich von selbst versteht, sondern auch von Radikalen, Liberalen u. s. w. die Gegner der Partei als Juden und Judengenosten bezeichnet werden, davon giebt fast jede Woche Proben. So schreibt das »Not ä'Orärc« vom 19. Juli, es sei im Besitze einer Liste der Beiträge für das conservative Wahlcomitee und auf derselben siguriren Rothschild mit 500,000, Dreyfuß mit 200,000 und rin fingirter (schmutziger) jüdischer Name mit 50,000 Francs. Und auf diese Erfindung hin spricht dann das Blatt von einer Juiverie Mac Mahonienne. Ein Tage später sagt dann dasselbe Blatt, alle französischen Israeliten seien Republikaner bis auf zehn, gerade Minjan. (Arch. Isr.) (Die „A. Z. d. I." hat sich durch die fingirte Liste dupiren lassen und knüpft daran sehr unnütze Lamentationen über Juden, welche thöricht genug seien, mit ihren geschworenen Feinden zu cooperiren.) Rom, 29. Juli. Einige italienische Comitss der „Alliance israelite universelle" richteten am 12. d. anläßlich der Ereignisse in Darabani (Rumänien) eine Adresse an den Minister des auswärtigen, Melegari, in welcher sie die Nothwendigkeit herorhoben, daß die rumänische Regiernng eine vollständige Gleichheit der Bürger ihres Landes ohne Unterschied der Religion herstelle. Melegari erklärte in seiner Antwort auf die Adreste vom 23. d., er habe den rumänischen Agenten in Rom von dem schmerzlichen Eindrücke, den diese Ereignisse auf die italienische Regierung gemacht hätten, verständigt; die Regierung werde nach Kräften bemüht sein, die bürgerliche Gleichyeit zur Geltung zu bringen. Rumänien. Wie der „Israelitischen Allianz" zu Wien berichtet wird, erregt die Art und Weise, wie der in der Affaire Darabani aus Bukarest dahingeschickte Judicatorin (Richter) Stefenicke verfährt, mannigfache Bedenken gegen die Unparteilichkeit seines Vorgehens. Abgesehen davon, daß Belastungszeugen, die sich meldeten, nicht einmal vernommen wurden, hatte die von dem beeideten Bezirksarzt constatirte Thatsache, daß der Gesundheitszustand der Frau Cimara ihre Ueberführung in das Gefängniß zu Dorohoi gestatte, dem Jnstructiousrichter so wenig zugesagt, daß er eigens nach Dorohoi reiste, um die Delegierung eines andern Arztes zu erwirken. Mehrere durch Zeugen überwiesene Attentäter wurden dennoch freigegeben, und man hat es nur dem Präfecten Janko Rüstet zu danken, daß ein Theil der Räuber in Haft genommen wurde. Die Cimara selbst ist zwar im Gefängniß, doch wird ihr mündlicher und schriftlicher Verkehr ohne jegliche Controlle gestattet, ungeachtet dies den bestehenden Gesetzen zuwiderläuft. Nordamerika. Vor 15 Jahren schlug S. Hirsch, damals Rabbiner in Luxemburg, jetzt in Amerika, vor, den Sabbath auf Sonntag zu verlegen. Ein Christ rief damals aus: „Es wäre doch besser, den Sonntag auf Sonnabend zu verlegen." Jetzt gibt es in Amerika 6 Zeitungen, welche die Verlegung des christlichen Feiertages auf den biblischen Ruhetag predigen. In der Schweiz und in England erscheinen Monatsschriften, welche dasselbe verfechten. (Arch. Isr.) . (In Deutschland war es K. Gutzkow, der zu der Zeit, als jene verschollene Thorheit unter den deutschen Juden grastirte, zwar nicht im Ernste die Verlegung des Sonntags auf den Sonnabend forderte, aber sich doch dahin aussprach, daß, wenn das Gemein-Jnteresse einen gemeinsamen Feiertag verlange, nur jene Verlegung der Gerechtigkeit entspreche, denn die Päpste hätten den Ruhetag verlegt, um die Christen von den Juden zu trennen; solle die Trennung rückgängig gemacht werden, so müssen diejenigen die Hand bieten, die den Zwiespalt herbeigeführt haben; nicht umgekehrt. Red. d. I W.) Constantinopel. Der Sultan Abdul Hamid hat den Chacham Baschi (Oberrabbiner), R. Jakir-Din, zur Audienz geladen und ihm höchst eigenhändig einen Orden als Auszeichnung und Anerkennung für seine vielen Verdienstewährend des Krieges übergeben.

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