Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 30. (25.7.1877)
- Date
- 1877-07-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 30. 1877. 8. Jahrgangs Wochenschrift für die religiösen und soeialm Interessen des Judenthums. Erscheint jeden Mittwoch ».kostet fammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Literaturblatt" von Rabb. De. M. Rah me r bei allen Postämtern ». Buchbandlungen vierteljährlich 3 Mark SO Pf. Mit direkter Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: IS Mk. (18 FrcS.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Pf. > des „Lireraturblatts" a 15 Ps. Veiamworllicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner I)r. I. Treuenfels in Stettin. -—-— Magdeburg, 23 Juli. Inserate für die „W o ch e n f ch r i f t" oder das „L i t e r aturblatt" werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen-Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Die Expedition der „Jsr. Wochenschrift" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Verderblicher Parteizwist. I. Berichte und Correspondenren: Deutschland: Etargard in Pommern. Breslau. Hannover. Seesen Aus Thüringen. Heilbronn. Nürnberg. Oesterreich: Wien. Rumänien: Darabani. Vermischte und neueste Nachrichtenr Berlin. Könitz. Mainz. Wiesbaden. Wien. Fünfkirchen (Ungarn). Italien. London. Taunton (Sommerset). Paderborn. Feuilleton r Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Inserate. Verderblicher Parteizwist. I. Der Gedächtnißtäg der zweimaligen Zerstörung Jerusa - lems ist vorübergegangen und hat uns an die härtesten Schicksalsschläge erinnert, welche Israel betroffen haben. Aber das Gedächtniß der nackten gesch'chtlichea Thatsachen genügt nicht, es gilt den inner» Gründen derselben nrchzuoenken, sie so mit der jedesmaligen Gegenwart in Verbindung zu bringen und dadurch fruchtbar zu machen. Das mag füglich nach dem Gedächnißtage selbst geschehen. Die inneren Gründe der Zerstörung des ersten Tempels gibt uns die Haftorah des 9. Ab an. Das Wort Gottes durch Jeremias spricht sie aus: „Warum ist das Land zu Grunde gegangen? . . . Weil sie verlassen meine Lehre und nicht gehört haben auf meine Stimme, und dienten den Götzen." — Aber das begründet nicht die zweite Zerstörung. Von Götzendienst war in Israel damals keine Spur vorhanden, in der Torah wurde riesig tief, und von den größten Männern geforscht, ihre Gesetze wurden im allgemeinen in noch ungeschmälertem Inhalt aufs Strengste und bis ins Kleinste befolgt. — Den Weisen unter den Zeitgenossen der Zerstörung war jedoch der Grund des Unheils klar zum Bewußtsein gekommen, ihre Schüler haben es uns so überliefert, und die Geschichte bestätigt ihre Ansicht: die Quelle des Verderbens war V2N „grundlose Zwietracht, unnachgiebiger Haß," das bezieht sich nicht auf Privatstreitigkeiten,*) sondern auf — Parteizwist. *) So möchte der „Israelit," der auf einen Leitartikel über 22N '27 brachte, seinen Lesern einreden. Die von ihm vorgetragenen schönen Lehren über Frieden und Zwietracht zwischen Privatleuten kennt Jude, Christ, Türke und Heide. Die Weisen Israels aber klagen über Parteisucht; sie sagen indessen auch: „indenQuell, aus dem Du Wochen- Juli. 1877. Aw. 5637. Kalender. Mittwoch . . . 25 15 Chamischo-oasor*). Donnerstag . . 26 16 Freitag .... 27 17 Sonnabend . . 28 18 Spr* Perek 4. Sonntag . . . 29 19 (Sab.-Ende: 8U.463H.) Montag.... 30 20 Dienstag . . . 31 21 ♦) In vor. Nr. war der jüd. Kalender um 1 Tag zu früh heraufgerückt. Wir können hier nicht genauer auf eine Charakteristik der Parteien zur Zeit der zweiten Zerstörung Jerusalems angelst"' Das^ Urtheil über sie ift nach achtzehn Jahrhunderten endlich — wenn auch erst seit kurzem — geklärt. Die Geschichte verwirft das alte Verdikt gegen die Todesmuthigen, auch das gegen die intrasigenten Patrioten, welches nach dem Zeugniß des Josephus, des gotischen Feindes der „Zeloten", von Hassern und Verächtern des Jndenthums begierig nachgesprochen worden ist. Die Geschichte verurtheilt ebensowenig auch die Friedensfreunde, die durch Nachgiebigkeit Land, Heiligthum und Leben retten wollten. Es ist von den verschiedenen Parteien keine zu verdammen. Eine oder mehrere mögen übel berathen gewesen sein, mögen geirrt und gefehlt haben, aber an Vaterland und Religion ist keine zur Verrätherin geworden, jede hat Freiheit und Judenthum geliebt, jede hat in ihrer Weise die Erhaltung der höchsten Güter der Nation erreichen wollen. — (Wir sehen hier nämlich von den Herodäern und Römlingen ab; ihr Einfluß war nicht groß und verderblich, aber sie bildeten nicht, wie einst die Griechlinge in der Syrerzeit, eine Partei innerhalb des jüd. Volkes, unter dem es eben eine große Zahl von Abtrünnigen, auf Abfall vom Judenthum Sinnenden, nicht gab. Von der kleinen Christengemeinde kann hier vollends keine Rede sein.) Verschiedene Parteien, die einander hart bekämpft haben, und dennoch hat keine allein Recht gehabt, keine nur Unrecht Das paßt nicht zu den Grundauschauungen unserer (wie aller) Parteimenschen, paßt nicht zu den Schlagworten, daß es nur eine Wahrheit und ein Recht geben könne, daß trinkst, sollst Du keinen Stein werfen" — darum darf ein Blatt, welches von Parteihader und Anfeindungen lebt, solches nicht tadeln.