Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 27. (4.7.1877)
- Date
- 1877-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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/ M 27. 1877. 8. Jahrgang SLS-Mischr ochen-Zchrift für die religiösen und soeinlm Interessen des Iudeuthums. Erscheint jeden Mittwoch u. kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden »Jüd. Literaturblatt" von Rabd. vr. M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich SB Mark GO P f. Mit direkter Zusendung: in Deutschland 13 Mk. (7 ff.); nach dem Ausland«: IS Mk. (18 ssrcS.) jährlich. Einzelnummern der »Wochenschrift" » 35 Pf. d«< »LiteraturblattS" » 15 Pf. Beranimocilicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. A. Treuenfels in Stettin. Magdeburg, Juli. Inserate für die »Wochenschrift" oder das„Li t eraturblatt" werden mit 2 0 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen-Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Di« Expedition der »JSr. Wochenschrift" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Eine neue Schutzschrist für die Juden. W«che«- Juli. 1877. Tammus. 5637. Kale»der. Berichte undLorrespondenzen:Deutschlanv: Breslau. Oberschlesien. Hannover. Leipzig. Worms. Mittwoch . . . 4 23 Oesterreich-Ungarn: Von der Donau. Donnerstag . . 5 24 Schweiz: Wisslisburg. Frankreich: Paris. Freitag ... 6 25 '2O!21 miDÖ Pcrek * Rußland: Moskau. Sonnabend . . 7 26 vermischte und neueste Rachrichten r Stettin. Berlin. Breslau. Remete. Constantinopel. Bukarest. London New-Dork Aeutstetou r Der letzte Jude. (Fortsetzung.! Inserate. Sonntag . . . Montag.... 8 9 27 28 (Sab..Ende: 9 U. 16 M.) Dienstag . . . 10 29 Eine neue Schutzfchrift für die Juden.*) I . Es ist eine eigenlhümliche und jedenfalls bemerkenswerthe Erscheinung, daß wir schon wieder von einer soeben herausgekommenen Sä-utzschrift für die Juden zu sprechen haben- ES ist gewiß kein erfreuliches Zeichen der Zeit, wenn auch das Schriftchen an sich ganz vortrefflich ist und jedem nicht von Vorurtheilen ganz verblendeten Leser ein wahres Vergnügen bereiten wird. Es ist nicht nöthig, über die Motive zu sprechen, die gewisse Parteien bewogen haben, seit 3—4 Jahren einen literarischen Jud ensturm in Scene zu setzen, oder die Strömungen der Zeitgeschichte in Erinnerung zu bringen, welche die Stürnier benutzt haben. Es ist alles noch zu neu, als daß es Jemand vergessen haben könnte, und wer sich des chronologischen und des inhaltlichen Zusammenyanges nicht mehr recht entsinnen möchte, der findet für beides zusammen eine Gedächtnißstütze in dem doppelten K.: Kirchenkampf und Krach; das und die zeitlichen Ausgangspunkte und die Motive, wenigstens die angeblichen. Erinnern wir lieber an Früheres, Längervergangenes. Mehr als zwei Menschenalter hindurch, etwa 1780—1848, war der Kampf um die sogen. Emanzipation der Juden geführt worden, um ihre bürgerlichen Rechte, wie man sagte — um ihr Recht auf bürgerliche Existenz, wie man eigentlich hätte sagen müssen. Die für und wider erschienenen Streikschriflen sind zahllos. Dann war dieser Streit in allen Culturländern beendet. Rach einer kurzen Pause folgte noch ein kurzes Nachspiel während der Neactionsperiode der fünf¬ *) „Die Juden. Von einem Christen." Berlin, Eugen Grosser. 1877. Preis 1 M. ziger Jahre, dann aber ist die bürgerliche Gleichstellung der Juden in der Thal nicht mehr in Frage gekommen, wedel>in gesetzgebenden Versammlungen, noch bei den Regierungen; ja man hat diese Frage nicht einmal mehr ernstlich berührt, da gelegentliche Aeußerungen einzelner Abgeordneten oder alter „Herren" weder in Betracht kommen noch Beachtung fanden. — Der Kampf gegen banale Vorurtheile aller Art konnte freilich darum noch nicht aufhören; ebensowenig wie die Vertheidigung des Judenthums gegen Angriffe von Seiten christlich-orthodoxer, liberaler oder radikaler Theologen, Philosophen, Naturforscher, Nationalökonomen, Schulmänner, Literaten, Novellisten, Dramatiker, Poeten und Poetaster u. s. w. überflüssig geworden ist. Wissenschaftlicher Streit dieser Art wird und kann auch noch lange nicht aufhören, da eine definitive Auseinandersetzung und Entscheidung zwischen Judenthum einerseits, Christenthum oder Atheismus oder neubelebtem Heidenthum andrerseits, noch in unabsehbarer Ferne liegt. Solcher Streit ist auch nicht unerwünscht, wenngleich das Judenthum sich auf allen jenen Gebieten mehr defensiv verhalten wird. Die eigentliche, einfache und einfältige, grobe und unverhüllte Judenfeindlichkeit war jedoch eine ziemlich lange Zeit in den Hintergrund getreten, barg sich in einzelnen exclusiven Kreisen oder im Schooße liefstehender Volksschichten, und hinter allerlei sozialen Neckereien und Nörgeleien. An die Oeffentlichkeit der Presse trat sie meist nur in localen Blättern und bei localen Anlässen, also immer nur sporadisch und durchsäuerte leicht einige große Zeitungen — abgesehen natürlich von den Organen der prinzipiell auf Judenhaß hingewiesenen Parteien, deren Einfluß sich aber in dem betreffenden Zeitraum in fortwährendem Rückgang befand. — Das ist also anders geworden.