Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 26. (28.6.1877)
- Date
- 1877-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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/ M 26. 1877. 8. Jahrgang I I r, für die religiösen und Malm Interessen des Judenthums. Erscheint sedcn Dbnncrstaq ».kostet jamint dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Literaturblatt" von Rabo. Qr. M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchhandlungen vierteljährlich I Mark £50 Pf. Mit direkter Zusendung : in Dentschlan» IS Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Einzelnummern der „ Wochenschrift" » S5 Pf. des „Literaturblatts" ä 15 Ps. BeranttvorUicher Iiedakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. 31. Treuenfels in Stettin. — Magdeburg, 28. Juni. Inserate für die „Wo ch e n s ch r i ft" oder das „Literaturblatt" werden mit SY Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen-Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Die Expedition der „Isr. Wochenschrift" in Magdeburg. Inhalt: Kettende Artikel: Die Bibel und die deutsche Jugend. Berichte undborrespottde»»-en: Deutschland: Culm. Magdeburg. Aus Westphalen. Koschmin. Rumänien: Bukarest. Aus Rumänien. Jassy. Vermischte und neueste Nachrichten r Magdeburg. Gleiwitz. Saargemünd. Holland. Paris. Montpellier. Algier. Stockholm. Feuilleton r Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Sprüche der Väter. Inserate. Mit dieser Nummer schließt da/' zweite Quartal. Wir bringen die sofortige Erneuerung des Abonnements — bei den Postanstalten mit 21». SO Pf., bei der Expedition dieses Blattes mit 3 M. pro Quartal — in freundl. Erinnerung, damit die Zusendung keine Unterbrechung erleide. Das „Jüdische Literatnrblatt" allein kostet mit srankirterZusendung2 NI. vierteljährlich. Die Expedition. Die Bibel und die deutsche Jugend. Wie schwer einmal eingewurzelte Vorurtheile zu entwurzeln sind, können wir wieder einmal aus einer kleinen Abhandlung entnehmen, die im Machest der Westermann'- Monatsschrift sich findet, unter dem in der Ueberschrift angeführten Titel von Alb. Wittstock. Ich höre zwar schon den Einwand, daß man von dieser Thatsache schon längst und zur Genüge überzeugt sei; aber dennoch ist gerade dies ein eclatantes Beispiel. Denn von Jemandem, der irgend eine Arbeit einer öffentlichen Zeitschrift übergiebt, läßt sich voraussetzen, daß er diese Zeitschrift genau kennt, daß er sie liest. Man darf daher von Herrn Wittstock erwarten, daß er auch die gelehrte und vorurtheilsfreie Abhandlung Schleiden's im Oclober- und Novemberheft o. I, gelesen hat; und daß er trotzdem daraus Nichts gelernt hat oder Nichts hat lernen wollen, zeigt uns, wie tief seine vorgefaßte Meinung gegen die Juden in seiner Seele sich eingenistet. Aber selbst angenomnien, daß er Schleiden's Schrift vielleicht aus Judenhaß zur Zeit nicht gelesen hat, mußte er sie nicht zur Hand nehmen, ehe er nicht lange darauf in derselben Zeitschrift ein höchst ungünstiges Urtheil über Juden und ihre Moral fällt?! — Jndeß würden wir ihm seinen Judenhaß verzeihen; der ununbefangene Leser der Westermann'schen Monatshefte, der gewiß auch Schleiden's gründliche und wissenschaftliche Unter- Wochen Donnerstag Freitag . - Sonnabend Sonntag . Montag . . Dienstag . Mittwoch . h! Juni. 1877. 28 29 30 31 32 33 34 Tammus. 5637. Kalender. 17 18 19 20 21 22 23 | Fasttag. CH2S Perek 6. (Sab.-Ende: 9 U. 21 M.) suchung über die Bedeutung der Juden für die Wissenschaft gelesen, wird die einmal gewonnenen Ansichten durch solch oberflächliches Urtheil oder besser urtheilsloses Gerede sich nicht erschüttern lassen. Außerdem machen sich judenfeindliche Ausbrüche von vorn herein verdächtig, wenn sie immer wieder von der herrschenden Stellung der Juden „durch Banken und Wechsel" ausgehen oder darauf zurückkommen. Man merkt es sofort, daß solche Ausfälle gegen die Juden gemacht werden — um mit Börne zu reden —, nicht weil sie es verdienen, sondern weil sie verdienen! Was aber weniger verzeihlich ist. das ist der Umstand, daß Bibelstellen entweder mit Absicht oder bestenfalls aus grober Unwissenheit aus ihrem Zusammenhänge gerissen werden, um sie als Pfeile im heiligen Kampfe, im Kreuzzuge gegen die Juden, zu verwenden. Der Verfasser sucht zwar darzulegen, wie nolhwendig es sei, daß fortan die Philologie mit der Theologie und der Pädagogik Hand in Hand gehe, um die Aufgabe der Uebertragung der Bibel zum Gebrauche für die Schulen endgiltig zu lösen (obwohl sie in Bezug auf das alte Testament von Juden unternommen und theilweise mit gutem Erfolge gelöst morden); aber er selber ist noch himmelweit davon entferilt, philologisch das Berständniß des alten Testamentes zu erstreben, sonst konnte er unmöglich eine so haarsträubende Unwissenheit an den Tag legen. Doch nunmehr einige Proben davon! Nachdem er von jener Nothwendigkeit gesprochen, die Bibelfrage (in Bezug auf die Schule) mit Hilfe der Sprachforschung zu lösen, fährt er fort: „Selbst die Legenden von der Blutschande werden nach der philologischen Revision weniger verabscheuungswürdig erscheinen. In der feindseligen Moral jener kleinen Tribus, die sich für das ausgewählte Volk Gottes halten (was Schleiden in gewissem Sinne ge-