Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 23. (7.6.1877)
- Date
- 1877-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/5369809-9583384-9583564--3150-9583565- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 23. 1877. 8. Jahrgang Mselmschr ochen-Zchrift für die religiösen und socialen' Interessen des Judenthums. Erscheint jeden Do nnerstag «.kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jfld. Literaturblatt" von Rabb.vr. M. Rahme r bei allen Postämtern u. Buchhandlungen vierteljährlich S Mark SO Pf. Mit directer Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.);nach dem Ausland-: 15 Mk. (18 FrcS.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Ps. deS „Literaturblatts" ä 15 Pf. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. Ä. Treuenfels in Stettin. Magdeburg, 7. Juni. Inserate für die „Wo chenschrift" oder das „Literaturblatt" werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen - Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Die Expedition der „Jsr. Wochenschrift" in Magdeburg. Inhalt: Kettende Artikel: Die Juden in Jerusalem. Berichte und Vorresponvenzen: Deutschland: Cöln. Hannover. Wreschen. Fürth. Laupheim. Oesterreich-Ungarn: Wien. Schweden: Stockholm. Rumänien: Bukarest. vermischte und neueste Nachrichten: Frankfurt a. M. Kastrop. Bern. Prag. Carlstadt. Amsterdam. Leiden. Besoul. Bukarest. Washington. Feuilleton: Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Inserate. Wachen- «Juni. 1877. Siwan. 5637. Kalender. Donnerstag . . 7 26 Freitag .... 8 27 Sonnabend . . 9 28 NeumondSeinsegnung. Sonntag . . . 10 29 P. 3. (Sab.,Ende:SU. 14 M.) Montag.... 11 30 Rösch Chodesch. Dienstag . . . 12 1 Tammus. Mittwoch .. . 13 2 Die Juden in Jerusalem. Aus „Die heilige Stadt und deren Bewohner" von vr. Ne um a nn. *) Von allen Jrrthümern, welche man verbreitet hat, ist der am häufigsten ausgesprochen worden, daß die Juden in Jerusalem Müßiggänger seien und nur von Almosen leben. Dem ist aber nicht so. Sie sind in ihrer großen Mehrheit Kaufleute, Inhaber kleiner Geschäfte und Handwerker in etwa vierzig Professionen, unter denen manche sehr anstrengend sind. Die jüdischen Handwerker sind als die zuverlässigsten und tüchtigsten allgemein in der Stadt bekannt. Die Gewerbthätigkeit ist übrigens nicht neu. Schon in den dreißiger Jahren bemerkte von Schubert in seinem Werke (2. 554): „Es ist ganz unrichtig, daß die Juden ohne Handel und Gewerbe wären" rc. Daß die Minderheit nicht ihren ganzen Lebensunterhalt gewinnen kann und daher auf öffentliche Unterstützung angewiesen ist, liegt in den früher erwähnten eigenthümlichen Verhältnissen der Stadt,**) welche ihren nachtheiligen Einfluß auch auf die anderen Einwohner ausüben und dieselben ebenfalls nöthigen, öffentliche Hülfe in Anspruch zu nehmen. Es ist hier die geeignete Stelle, die Mittel zur Verbefferung der Lage der Israeliten in Jerusalem zu erörtern. Man hat schon viel davon gesprochen und geschrieben, den Juden in Jerusalem Aecker zu kaufen, die sie selbst bearbeiten sollen, um auf diese Weise ihr Brod zu erwerben. Ackerbau ist ohne Zweifel eine für diesen Zweck paffende Beschäf- *) Indem wir auf die im Literaturblatt von voriger und dieser Woche enthaltene Besprechung des Neumann'schen W erkes verweisen, geben wir hier aus demselben das Resumä, mit dem der Verfasser das Kapitel über die Zustände der Juden in Jerusalem abschließt. **) Mangel an jedem eigentlichen Handel, große Theuerung der Lebensmittel, einschließlich (sehr oft) des Wassers, der Wohnungen u. s. w. tigung für den Armen, aber nicht für die Juden in Palästina unter den gegenwärtigen Verhältniffen. In civilisirten Staaten, wo vollkommene Sicherheit der Person und des Eigenthums herrscht und ein Jude ruhig „unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum" sich setzen kann, da mag der Israelit Wälder in Kornfelder umwandeln; aber soll der Jude im heiligen Lande den Pflug in die Hand nehmen und im Schweiße des Angesichts das Feld für den plündernden Nachbar bebauen? Wer sichert ihm die Ernte auf dem Felde vor den räuberischen Arabern? Schon oft haben Europäer und Amerikaner Ackerbau zu treiben versucht, allein immer ohne günstigen Erfolg. Ueberdies eignet sich ein solcher Erwerbszweig nur für kräftige Männer, aber nicht für schwache und ältere Personen, wie es die meisten Juden in Jerusalem sind. Eine Verbefferung der Lage der Juden kann nur durch industrielle Einrichtungen erreicht werden. Unter diesen steht der Ackerbau in erster Reihe. Die Cultur des Maulbeerbaums und die mit ihr verbundene Industrie des Seidengewinns macht den größten Reichthum von Syrien aus und ist die Basis des Levantenhandels an den Gestaden des mittelländischen Meeres. Pflanzungen von Maulbeerbäumen wären sehr leicht in der nächsten Nähe der Stadt anzulegen, wie die Griechen bereits den Anfang gemacht haben. Die Zucht der Seidenraupe, die Spinnerei der Seide und die Fabrikation der Stoffe könnten eine sehr geeignete Beschäftigung für Personen jedes Alters und Geschlechts abgeben» Auch der Absatz der verfertigten landesgebräuchlichen Artikel, ähnlich denen, die in Damaskus, Beirut und anderen Städten Syriens fabricirt werden, würde nicht schwer fallen. Ferner könnte die von Sir Moses Montefiore eröffnete, aber badl wieder eingegangene Leinweberei, die viel Gutes für die Zukunft versprach, unter guter Administration eine pas-