Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 21. (24.5.1877)
- Date
- 1877-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 21. 1877. 8. Jahrgang Wochen-Zchrist für die religiösen und soeialm Interessen des Judenthums. Erscheint jeden Dc> nnerstng ».kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Literaturblatt" von Rabb. l)r. M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchhandlungen vierteljährlich 8 Mark 50 P f. Mit direkter Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: IS Mk. (18 Frcs.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" ä 25 Pf. des „Literaturblatts" ä 15 Pf. Beranttvortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. A. Treueufels in Stettin. Magdeburg, 2L. Mar. Inserate für die „Wo chens ch r i ft" oder das „Literaturblatt" werden mit 2 0 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen-Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Die Expedition der „JSr. Wochenschrift" in Magd ebürg. Inhalt: Leitende Artikel: Naturwissenschaft und Religion.— Darwins und die Lehren der Bibel. Berichte und Korrespondenzen: Deutschland: Von Frankfurt a. M. Düsseldorf. Kempen. Cassel. Oesterreich-Ungarn: Von der Donau. Pest. Schweden: Stockholm. »ermischte und neueste Nachrichten r Breslau. Berlii Lemberg. Linz. Genf. London. Tunis. Jerusalem. Feuilleton r Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Inserate. Hypothesen Wachen- Llai. 1877. Siwan. 5637. Kalender. der Elbe. Donnerstag. . 24 12 Freitag .... 25 13 Sonnabend . . 26 14 KÄ73 Perek 1» Sonntag . . . 27 15 (Sab.-Ende: 8 U. 35 M.) l. München. Montag.... 28 16 Dienstag . . > 29 17 Mittwoch . . . 30 18 Naturwissenschaft und Religion. Motto: Die Wissenschaft erkennt Nicht Papst noch Kaiser an, Der Wahrheit nur allein Der ist sie unterthan. Die Naturwissenschaften, die Consequenzen ihrer Wahrheit, sind gegenwärtig eine gewaltige Macht geworden, das immer Heller werdende Licht, das sie verbreiten, und das namentlich auf Gebiete fällt, wo man so gern die Finsterniß herrschen lassen möchte, haben einen Kampf heraufbeschworen, der von gewisser Seite mit verbissener Heftigkeit geführt wird, da man, wenn nicht Umkehr, doch Stillstand gebieterisch verlangt. Da ist denn wohl die Frage berechtigt: ob denn nothwenoiger Weise nur der Kampf den Streit zu entscheiden vermag, und ob Wissenschaft und religiöser Glaube nicht friedlich neben einander bestehen können? Wahrlich, wer nicht die Consequenzen eines starren Materialismus zur Richtschnur nimmt, wer nicht von dem Machtspruche ausgeht, Naturno thwendigkeit sei Alles; wer darnach strebt, durch die Naturforschung dem Verständnisse des Geistes in der Natur näher zu treten, der wird nnt uns darin übereinstimmen, daß die Verfolgung eines solchen Zieles nicht unvereinbar sei mit unserem religiösen Leben. Hat ja doch all unser wissenschaftliches Forschen, all unser Wissen eine Grenze, über die hinaus der menschliche Geist nicht zu schreiten vermag, und zwar die, wo wir mit unseren Sinnen nicht mehr objectiv wahrzunehmen vermögen. So kann unser Geist die Unendlichkeit des Raumes und der Zeit nicht fasten, wir erstaunen, wenn unser bewaffnetes Auge hinter dem Sternenhimmel immer neue Welten erblickt, und wir einräumen müssen, daß wir dafür keine Deutung haben, wenn unser Fassungsvermögen eine Grenze zieht, wo wir doch eingestehen müsten, daß keine sei. Wollen wir nun auch einräumen, daß aus der Erde in ihrer fortwährenden Umwandlung und Entwickelung aus dem feuerflüssigen Zustande bis zu ihrer Erstarrung itur mechanische und chemische Kräfte herrschten; daß das Leben nur eine fortwährende Entwickelung von Urkeimen bis zur höchsten Vollkommenheit sei, so bleibt doch noch immer die Frage offen, woher der erste Anstoß, woher der erste Lebenskeim zur Entstehung der Thier- und Pflanzenwelt? Auf diese Frage hat die Wissenschaft keine Antwort, hier ist die Grenze ihres Wissens gezogen, und hier, wo sie endet, da eben fängt der Glaube an, da ist es die Religion, die allein eine Antwort zu geben hat, der Glaube an Gott, den allmächtigen Schöpfer. Von diesem Standpunkte aus ist das Streben nach Wissen, das Forschen des Menschen allerhöchste Kraft; „der Wahr heit nur allein, der ist sie unterthan!" Celle, im April 1877. vr. Dawosky. Sanitätsrath. Die Hypothesen Darwins und die Lehren der Bibel. Eine der schönsten Wirkungen des mosaischen Gesetzes ist die Kritik, die sie uns erlaubt, an der Darwinschen Theorie anzustellen. Die Anschauungen der Bibel und die Darwins sind diametral entgegengesetzt. Moses kennt nur Thiere „nach ihrer Art". Es giebt nichts, was die Bibel mehr verabscheut, als die Vermischungen zwischen verschiedenen Thieren (namentlich natürlich Menschen und Thieren). Ja, nicht blos die geschlechtliche Vermischung (Erzeugung von Maulthieren rc.) war verboten, schon das bloße Zusammenspannen des Ochsen mit dem Pferde galt als Gräuel. Noch weiter: Wie die Bibel immer die Analogie zwischen Thier und Pflanze festhält, so erlaubt sie auch nicht das Besäen des Ackers mit verschiedenem Samen. In der Kleidung selbst wird heute wie vor Alters noch kein frommer Jude Wollenes und Leinenes