Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 20. (17.5.1877)
- Date
- 1877-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 20. 1877. 8. Jahrgang srssliljschr Wochen Schrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. Erscheint jeden Donnerstag I u. koktet kämmt dem allwöchentlich erscheinenden »Jüd. Literaturblattvon Rabv. l)r. M. ' -lahmer bei allen Postämtern u. Ruchhandlungen vierteljährlich iS Mark 50 Ps. Mit directer Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl ); nach dem Auslände: Id Mk. (18 Arcs.) jährlich. Einzelnummern der »Wochenschrift- » 25 Ps. de» »Literatnrblatt«- »15 Pf. Beiamwoctlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner I)r. Ä. Treuenfels in Stettin. Magdeburg, 17. Mai. Inserate für die »Wochenschrift- oder das »L > t e r aturblattwerden mit 2 0 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen-Expeditionen besorgen Aufträge.— Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Die Expedition der »JSr. Wochenschriftin Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Eine Schabouth-Predrgt. — lieber unsere synagogalen Einrichtungen. Berichte und <5orrespondenzen Deutsch! anv. Magdeburg. Königsberg. Frankfurt a. M. Preußisch Oldendorf. Oesterreich: Brünn. Frankreich: Paris. Großbritannien: London. Rußland: Warschau. Vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Potsdam. Straßburg Pest. Wien. Aus Galizien. Amsterdam. Copenhagen. Rumänien. Serbien. Südarabien. Feuilleton: Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Inserate. Wachen- Mai. 1877. Siwan.! 5637. Kalender. Donnerstag . . 17 5 Eruw Tawschilin. Freitag .... 18 6 Schowuaus. 1. Tag. Sonnabend . . 19 7 „ 2. Tag. Sonntag . . . 20 8 Sab. Ende: 8 11. 41 M. Montag .... 21 9 Dienstag . . . 22 10 Mittwoch . . . 23 11 i Cine Schabuoth predigt von I. N. Mannheimer s. A. Die Predigt, von der wir heute sprechen wollen, ist vor 24 Jahren gehalten, aber erst vor Kurzem veröffentlicht worden.*) Sie ist also zugleich alt und neu, und beides nicht bloß in Hinsicht auf ihr äußeres Schicksal. Ein Vierteljahr- Hundert ist in unserer vorstürmenden Zeit eine gewaltige Frist, da veraltet gar Manches; was aber nach 24 Jahren noch wahr und wirksam ist, das erlangt schon dadurch erhöhete Bewährung. Und das gilt von jener Rede. Da nun Predigtsammlungen, auch von einem Mannheimer, nur recht selten in israelitischen Familien gekauft und gelesen werden, so geben wir zum Feste einige Bruchstücke aus dem Mannheimer'schen Vortrage. Wie wahr und gediegen die Worte sind, und wie sie heut' nach 24 Jahren noch schwerer wiegen, klagen, anklagen und ermuntern, weil sich seitdem die Dinge noch nicht zum Besseren gewendet haben, das wird in die Augen fallen. Es verlohnt sich aber, den Gedankengang des Ganzen vorzuführen. Text und Thema bilden die Worte aus dem Büchlein Ruth ’öW nx?n „ist dies Noomi?" — Noomi kehrt aus der Fremde in die Heimath zurück, gebeugt und ergraut unter herbsten Schicksalsschlägen; und die ganze Stadt sieht sie verwundert an und spricht: „Ist das die Noomi, die Anmuthige?!" Wäre ste aber auch nicht „reich begabt ausgezogen und leer und arm zurückgekehrt", so wäre ste doch jetzt die alte Nooini gewesen, nicht n ehr die von ehedem. Das geht nun nicht nur mit der Schönheit, der vergänglichen, so, sondern mit *) Im zweiten Heft der Gottesdienst!. Vorträge von I. N. M. Siehe „Literbl. Nr. 10.« allen«, was die Welt anftaunt. Nach Jahren staunt ste es wieder an und wundert sich über sich selbst, daß sie es je groß, -schön, anziehend gefunden hat. Vieles liegt dabei in der Vergänglichkeit der Zeit, mehr aber noch in der Unbeständigkeit der menschlichen Ansichten und Neigungen. Je mehr die Menschen von einem Vorzug, von Geist, Talent, Verdienst entzückt gewesen sind, desto mehr möchten sie es nachher von der Kebrseite nehmen und es in seiner Verfallenbeit recht auffällig und bemerkbar machen. Man glaubt, selbst um soviel zu steigen, wie der einst Bewunderte herabsteigt oder heruntergezogen wird. — Hätten die Leute, die jetzt sich verwunderten, rechtzeitig etwas für Noomi gelhan, so wäre sie vielleicht nicht so elend geworden. Und nun schlagen sie die Hände zusammen; daß aber Jemand etwas für sie gethan hätte, davon steht nichts im Buche. Hätte die jugendliche schöne Ruth nicht einen Annehmer gefunden, die alte Noomi hätte trotz aller Verwunderung der Stadt verhungern und verkommen können. Als sie dann durch das Glück ihrer Schwiegertochter wieder zu Ansehen und Ehren kommt, da ist die Welt auch wieder mit Gruß und Glückwunsch da. Man legt den neugebornen Sohn der Ruth ihr in den Schooß, und es geht wie aus einem Mund: „Die Noomi hat einen Sohn!" Nun ist sie wieder Noomi, „die Anmuthige". Was Glück und Geschick nicht alles machen können! Ist die alte Noomi auch wieder schön geworden! So ist die Welt, so geht es uns! Hätten wir nichts, als den Beifall der Welt, wie arm wären wir im Glück, wie arm in« Unglück, wie leer an Hoffnung. Weiter spricht der Prediger von Hoffnung und Gottvertrauen, wie wir sie uns retten, spricht über das eitle Eingehen auf j?de flüchtige Neigung und Richtung der Zeit; über die technische Uebung und Fertigkeit, die für einen Augenblick