Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 19. (10.5.1877)
- Date
- 1877-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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/ M IS. 1877. 8. Jahrgang Msslttjschr ochen-Zchrist für die religiösen und socialen Interessen des Indenthums. Erscheint jeden Dvnnersta« u. kostet sammt dem allwöchentlich trscheinenden .Jlld. Liter aturblatt" von Rabb. 0r. M. Rahmer »ei allen Postämtern «. Buchhandlungen vierteljährlich S Mark SO Pf. Mit dirrrter Zusendung: in Deutschland 12 Mk. <7 fl.): nach dem »u«lande: 15 Mk. (18 Frei.) jährlich. Einzelnummern der »Wochenschrift" » *5 Pf. de» »Literaturblattt" » 15 Ps. Beraiuwocllichcr Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. A. Treuenftls in Stettin. -- Magdeburg, IO* Mai. Inserat« für die »Wochenschrift" oder das „Literaturblatt" werden mit 2 0 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. All« Annoncen-Expeditionen besorgen Aufträge. — Di« Inserate sind bis Sonntag «inzusenden direct an: Die Expedition der „JSr. Wochenschrift in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Ueber unsere synagogalen Einrichtungen. Berichte und «orresponden-e«: Deutschland: Breslau.Dresden. Frankreich: Paris. Marokko: Mogador. vermischte und neueste Aachrichte« r Berlin. Straßburg. Alzey. Pest. Pest. Brüx. Triest.» Giurgewo. Rumänien. Algier. Eonstantinopel. Aus Ainerika. Feuilleton r Sprüche der Väter. Inserate. Ueber unsere synagogalen Einrichtungen von einem allgemein vernünftigen und dem administrativen Standpunkte. *) Brünn, im März 1877. In Oesterreich vollzieht sich bekanntlich seit etwa 50 Jahren eine Aenderung der äußeren Form des Gottesdienstes nach dem Muster des Wiener Tempels, in welchem Mannheimer und Sulzer mit viel Geschmack, Tacl und Geschick den sogenannten „geregelten" Gottesdienst eingeführt hatten. Wie es bei Nachahmungen schon immer geht, waren dieselben bald mehr, bald minder treu, da geschickt, dort sogar ans Lächerliche streifend, nirgends aber an das Vorbild heranreichend. Denn Prediger rm vorderer in Wien waren schöpferische Naturen von genialem Schwünge und künstlerischer Begeisterung. So viel aber steht fest, und selbst die Corservativen beginnen hierzulande es einzugestehen, daß alles, was die neu eingeführten synagogalen Einrichtungen von den ehemaligen unterscheidet, einerseits keine wesentliche religionsgesetzliche Abänderung der ersteren involvirt, und anderseits sich als eine nothwendige Concesston an den unterdessen erwachten Formen- und Schönheitssinn der gegenwärtigen Generation und somit als „zeitgemäß" herausstellte. Die Predigt ist eine Institution, so alt als die Synagoge, der Choralgesang älter als diese, und Unruhe, vorlaute Störung des Vorbeters, sowie andere die Würde und Weihe des Gottesdienstes beeinträchtigende Uebungen (wie die Mizwoth-Versteigerung oder selbst das Spenden vor der Thora) sind doch wenigst nirgends und von Niemandem vorgeschrieben oder geboten. Aber Wachen- Mai. 1877. Ijar. 5637. Katender. Donnerstag. . 10 27 Freitag .... 11 28 Sonnabend . . 12 29 PerekG. 44 Omer. Sonntag . . . 13 1 Siwan. Sab. Ende: 8 U SO M. Montag.... 14 2 Dienstag . . . 15 3 Mittwoch .. . 16 4 *) Die Abhandlung hat österreichische Verhältnisse zur Grundlage. Inwiefern dies« theilweise auf Deutschland Anwendung finden, darf dem Urtheile der Leser überlasten werden. (Red.) eines wurde bei den ganz löblichen Versuchen, dem Gottesdienst eine geläuterte Gestalt zu verleihen, vergessen oder wenigstennicht genug gewürdigt: der K o st e n p u n k t. Der neue Gottesdienst erfordert einen theologisch und academisch gebildeten Prediger, einen Vorbeter, hier C a n t o r genannt, der wieder nebst der Kenntniß der Gebete und Brauche eine musikalisch fachliche Ausbildung genosten haben soll, und endlich einen regelrechten Chor mit mindestens 3 Männerstimmen, geschulten Sängerknaben und Chordirigen ten, von den zur Aufrechthaltung der äußeren Ordnung bestellten Tempeldiene rn ganz zu schweigen. Ein solcher Apparat kostet sehr viel Geld und ist auch gar nicht einmal so leicht zu beschaffen. Es ist kein Wunder, wenn seit dieser Zeit der Haushalt der Gemeinden eine ganz veränderte Gestalt einnahm. Eine ganz neue Kategorie von „Ausgaben für den Tempel" war geschaffen, und bald stellte es sich heraus, daß dieselbe eine sehr bedeutende Erhöhung des Budgets mit sich brachte. Es gab allerdings auch früher einen Chasan, aber wie gering waren die Ansprüche und demgemäß auch die Besoldung eines solchen — aber jetzt: der erste und zweite Cantor, der Chordirigent, Bassist, Tenorist u. s. w.! Und auch der moderne Prediger mußte anständiger honorirt werden, den geänderten Zefiverhältniffen entsprechend, als der alte Rabbiner. Aber auch die Räume des Gotteshauses paßten ja zur neuen Herrlichkeit nicht mehr, die einen zu eng, die anderen zu verfallen. es galt also auch würdigere Stätten für den verschönerten Cultus zu schaffen. Die Begeisterung , mit der noch vor gar nicht langer Zeit solche Pläne ausgenommen und auch durchgeführt wurden, verdient in der That alle Anerkennung. Allein mit diesen rühmlichen Bemühungen ging eine Folge- Erscheinung Hand in Hand, die sich jetzt besonders fühlbar zu machen beginnt: die finanzielleUeberbürdung der