Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 17. (26.4.1877)
- Date
- 1877-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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/ 8. Jahrgang MYi. 1877. Hsrmelttjschr Wochen Schrift für die religiösen und soeialen Interessen des Audeuthums Erscheint jeden Db nnerstaq u. kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Literaturblatt" von Rabb. Dr. 901. Rah mer bei allen Postämtern ». Buchbandlungen vierteljährlich 2 Mark £50 Vf. Mit directer Zuscnvung : in Deutschland 12 Mk. (7 st.); nach dem AuSlande: 15 Mk. (18 Frei.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Pf. deS „Literaturblatts" » 15 Ps. Beiamworllichrr Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. Ä. Treneufels in Stettin. Magdeburg, 2«. April. Inserate für die „Wo ch e n s ch ri ft" oder das „Literaturblatt" werben mit 2 0 Pf. für die drcigefpal tene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen-Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Die Expedition der „Jsr. Wochenschrift" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Der religiöse Freisinn und der Religionsunterricht. Berichte und Korrespondenzen: Deutschlanv. Stettin. Magdeburg. Berlin. Leobschütz. Aus der Provinz Posen. Sohrau. Aus Bayern. Nord-Amerika: Neu-Pork. vermischte und neueste Nachrichten: Stettin. Frankfurt a. M. Breslau. Schwerin. Fraustadt. Wien. Amsterdam. Keutlleton r Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Inserate. Wochen- April. 1877. Ijar. 5637. J Kalender. Donnerstag . . 26 13 Freitag .... 27 14 Sonnabend . . 28 15 30 in Omer. Sonntag . . . 29 16 kereIc4.Sabb.Ende 8U.KM. Montag.... 30 17 Dienstag . . . 1 18 Lag be-Omer. Mittwoch . . . 2 19 Der religiöse Freisinn und der Religionsunterricht. Eine Sch ul re de. Geehrte Versammlung! Eine öffentliche Schulprüfung, wenn sie nicht zu einem leeren Schaugepränge herabsinken soll, hat den Zweck, den Lehrern einmal ein Stelldichein mit den Eltern zu bieten, um die geheimen Fäden, die während des Schuljahres zwischen Schule und Haus, zwischen Lehrern und Eltern hin und her laufen, bloszulegen und neue Anknüpfungspunkte für eine Verständigung mit einander zu gewinnen. Der Leiter einer Religionsschule zumal, der leider fast überall in der traurigen Lage ift, einen ununterbrochenen ' geheimen Kampf mit den Eltern feiner Schüler führen zu müssen, mag sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den unausgesprochenen Widerstreit einmal öffentlich aufzudecken, um so vielleicht einen Friedensschluß herbeizuführen. Ich kann es mir daher nicht v-rsagen, Ihnen auch heute wieder die Wünsche und Beschwerden vorzutragen, deren Erfüllung oder Beseitigung ich als eine Lebensfrage für unsere gedeihliche Wirksamkeit an dieser Anstalt betrachte. Gestalten Sie mir jedoch, daß ich, bevor ich mich den einzelnen Punkten meines ziemlich langen Registers zuwende, Ihre Aufmerksamkeit zunächst auf die Wichtigkeit unseres Lehrgegenstandes im Allgemeinen hinlenke und Ihnen Ihre Verpflichtung Nachweise, uns in unseren Bestrebungen die Förderung zu Theil werden zu lassen, die wir nun einmal nicht entbehren können. Unsere Zeit, m. G., ist von religiösen Kämpfen so mächtig durchzittert, wie es vielleicht seit Jahrhunderten nicht mehr der Fall gewesen ist. Diese Thatsache ist um so merkwürdiger, als es noch gar nicht so lange her ist, daß man in weiten Kreisen, und zwar in solchen gerade, die ganz besonders glaubten, den Anspruch auf eine höhere Bildung machen zu können, die sich gern als die Träger des Fortschritts betrachteten, die Religion für eine überwundene Macht ansah und ihren Einfluß auf die Gestaltung unserer Zeit, auf die Gemüther der Gereifleren einfach für gebrochen hielt. Wir sind eben im Sturmschritt unserer Zeit überraschend schnell von gar vielen Jrrthümern zurückgekommen; noch so manche andere vielverbreitete Anschauung, die bereits als Gemeinplatz, als eine Ueberzeugung von unumstößlicher Gewißheit umhergelaufen, hat sich uns in ihrer Hohlheit und Nichtigkeit offenbart, und wir haben uns oft entschließen müssen, die gerade entgegengesetzte Ueberzeugung als die richtige anzuerkennen. Es könnte dies vielleicht eine der wenigen heilsamen und segensreichen Wirkungen sein, die für uns aus den betrübenden Kämpfen, deren Zeugen wir sind, entspringen, wenn durch dieselben sich auch in denjenigen Kreisen, die sich früher in dünkelhafter Vornehmheit den religiösen Interessen ferngehalten, die Ueberzeugung Bahn bräche, daß die Religion ihre Lebensfähigkeit noch lange nicht eingebüßt habe, daß sie durchaus nicht Willens sei, aus dem Leben zu scheiden, weil Der oder Jener ihr eine falsche Diagnose gestellt und das Leben bereits abgesprochen hat. Sie fragen, meine Geehrten, was das uns angehe. Wir stehen ja außerhalb dieser Kämpfe, sind an denselben in keiner Weise betheiligt. Aus der Unbill der Staaten, die beharrlich unsere inneren religiösen Verhältnisse ignoriren, ist uns in dieser Beziehung ein Segen erwachsen, wir bieten dem Staate keine Handhabe, in unsere religiösen Institutionen einzugreifen, wir sind vor der Gefahr eines Kampfes geschützt, weil unser Judenthum für den Staat so gut wie nicht vorhanden war. Allein im Innern scheiden sich auch bei uns die Geister, und das in unserer Zeit so lebhaft angeregte re' I %. M »r l- *1 m i :N * h v ie