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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-03-22 · N° 12. (22.3.1877) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 12. (22.3.1877)
Date
1877-03-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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/ 8. Jahrgang 12.^ MT. HsLS-ltkischr ochen-Zchrist für die religiösen und foeialm Interessen des Iudeuthums Erscheint jedciv D c, n n er sta ff ».kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden .Jüd. Literaturblatt" von Rab5. I>«. M. Rahmer bei allen Postämtern 11. Buchbandlungcn vierteljährlich 8 Mark 30 Ps. Mit directer Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslände: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrist" » 25 Ps. deS „Literaturblatts" » 15 Pf. Beiamivocrlicher Redakteur und Hcrausgedcr Rabbiner l)r. Treueuftls in Stettin. ------- Magdeburg, 22 März. Inserate für die „W o ch e n s ch r i f t" oder das „L i t e r aturblatt" werden mit 2 0 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen- Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag «inzusenden direct an: Die Expedition der „Jsr. Wochenschrift" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Die Juden im Culturkampfe. Berichte und Corresp»«»den-en Deutschland: Breslau. Frankfurt a. M. Cassel. Aachen. Stuttgart. Königsberg. Labischin. O esterreich: Prag. S erbien. Wachen- Aärr. 1877. Nissan. 5637. Kalender. Donnerstag . . Freitag .... Sonnabend . . 22 23 24 8 9 10 Geburtstag d.deutschenKaisers. 12 (6 U. 59 M.) Sch. hagodaul. Vermischte und neueste Nachrichten r Stettin. Halberstadt. München. Schwerin. Kiel. Wien Wim. Wien. Prag. Pest. Triest. London. London. Constantinopel. Jerusalem. Sonntag . . . Montag.... 25 26 11 12 Feuilleton r Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Dienstag . . . 27 13 Inserate. Mittwoch . . . 28 14 Erew l’essach (Eruw TawgchiL) Die Juden im Culturkampfe. Vortrag von Adv. Emil Lehmann in Dresden.*) M. v. D. u. H! Die Juden im Culturkampf — die Aufgabe meines heutigen Vortrags — diese Verbindung zweier scheinbarer Gegensätze klingt noch wunderlicher, als die zahllosen Zusammenstellungen von Juden und Judenthum, die man in jüngster Zeit zu lesen und hören gewöhnt ward. Wir haben ein „Judenthum in der Musik", man hat die Juden und die Banken in Verbindung gebracht, warum sollte nicht auch der Culturkampf eine Seite darbieten, die ihn mit den Juden in Verbindung bringt? Unter Culturkampf, diesem jüngsten unter den politischen Stichworten, verstehen wir im engereit Sinne die durch das unbeugsame, undeutsche und — unkluge Verhalten der unfehlbarkeitsgläubigen Römlinge hervorgerufene Nolhwehr des Staats, zunächst des preußischen — ausgedrückt in den sogenannten Maigesetzen, dem Verbot geistlicher Schulleitung, der Bestrafung aller Anstellungen katholischer Geistlichen ohne staatliche Genehmigung, ja der Bedrohung Zuwiderhandelnder mit der Verbannung. Das deutsche Reich hat diese Nothwchr fortgesetzt in einem der heilsamsten und heiligsten Gesetze: dem über die Beurkundung der Standesverhältnisse und die bürgerliche Eheschließung, einem Gesetz, mit dem das jugmdfrische Reich den ersten kräftigen Schritt ansetzte, um sich vom Heiligenschein und von dem Flittertand des „christlichen Staates" zu emancipiren. Die Schärfe, mit der in dieser Zeit hüben und drüben gekämpft wurde, gab dem „Culturkampf" den Namen, und *) Siehe Nr. 10 unter Dresden. — Daselbst ist zu lesen: ,in diesem Jahre (st. Fache) zuerst eingeführten." rechtfertigte die an sich fremdartige Verbindung zweier einander widerstrebender Begriffe: Cultur und Kampf. „Cultur", diese edelste Blüthe menschlichen Strebens nach Vervollkommnung, reift — um biblisch zu sprechen — nicht im Toben der Gewitterwolken und nicht im Zucken der Blitze im friedlichen Sonnenschein emsiger Arbeit, im linden Säuseln erquickender, geisterfrischender und herzerhebender Vorbilder und Ereignisse — da entfaltet sie ihre Schwingen und hebt das Volk, die Menschheit von Stufe zu Stufe. Und doch, blicken wir zurück in die Geschichte, welchen gewaltigen, ja furchtbaren Antheil hatten selbst blutige Kämpfe an der Culturförderung! Jndeß — nicht auf die Rechtfertigung, nicht auf die Entschuldigung, nicht auf die Begründung des Wortes „Culturkamps" kommt es hier an. Es ist da, und jeder weiß, was es bedeutet, jeder Denkende weiß, wo er Stellung zu nehmen hat ini Culturkampf. Und vor Allen der Jude! Wüßte er es nicht, lehrte es ihn seine neunzehnhundertjährige Leidensgeschichte nicht, sagten ihm seine heiligen Schriften nicht, wo seine Stellung ist im Culturkampfe dieser Tage — er hätte doch keine Wahl. Denn mit instinctiver Erkenntiliß haben die Dunkelmänner, die das deutsche Volk zurückstoßen wollen in die einzig und allein von Scheiterhaufen erhellte Nacht des Mittelalters, in den Juden ihre entschiedensten Gegner herausgefordert und ihnen Haß, Rache und Vernichtung geschworen. Eine ganze Literatur — wenn es erlaubt ist dies edle Wort auf Brandschristen und Machwerke des widerwärtigsten Inhalts anzuwenden ■— kennzeichnet diese allerneuesten Ausbrüche der ältesten aller Leidenschaften — des Judenhasses. Der Haß des ganzen Menschengeschlechts — mit den: ein altrömischer Schriftsteller die Juden beehrte (odium ge-

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