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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-01-04 · N° 1. (4.1.1877) · p. Seite 8

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 1. (4.1.1877)
Date
1877-01-04
Page
Seite 8 (sequence 11)
Language
German
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8 — 8 — runc Ann Ges solc S> r' Ertrag wurde, auf Wuusch des Herrn Professors, dem Fonds für die Waisenhäuser in Palästina gewidmet; der Erfolg mar ein glänzender, und der dem Vortragenden gezollte Beifall äußerte sich in verschiedenen außergewöhnlichen Ovationen. In Pribram, erzählt der „Jsr. Lehrerb.", wurde der Cultusvorsteher Herr Beständig zum Mitglieds des Stadtmunizipiums gewählt. Man muß wissen, daß vor wenigen Jahren noch keine Juden in dieser Bergwerksstadl wohnen durften. Belfast. Der Prediger der hies. isr. Gemeinde, Rev. vr. Ch otzner, ist auch in diesem Jahre von der Literary Society aufgefordert worden, einen Vortrag zu halten. Brooklyn. (New-Aork.) Bei dem unglücklichen Theaterbrande sind auch fünf Mitglieder einer jüdischen Familie Ns. Solomons umgekommen. Feuilleton?) Die Enthüllungsfeier der Statue der Religionsfreiheit. Philadelphia, 1. December. Gestern am Thankgiadings-Day, dem nationalen Dankfeste, wurde endlich die Statue der Religionsfreiheit, das für das „Centennial" bestimmte, unter den Auspicien des B'nai B'rith Ordens unternommene und gestiftete Monument aufgestellt. Sämmtliche hiesige Zeitungen sind voll des Lobes über die Idee und deren Ausführung, das Monument selbst und die Enthüllungsfeier. Aus dem „Demokrat", der einen sehr ausführlichen Bericht veröffentlicht, mögen hier einige Stellen folgen: „Kurz nach zwölf Uhr Mittags traf der Zug, an welchem sich die Mitglieder des Ordens B'nai B'rith, sowie die von New-Ijork, Cincinnati, Baltimore, Washington und anderen Städten eingetroffenen Gäste betheiligten, auf dem Platze ein und wurden von den bereits anwesenden Freunden und Gönnern des Ordens mit lebhaftem Beifall empfangen. Das Monument war durch ein Tuch noch verhüllt, doch konnte man am Piedestal die Worte „Congress shall make no law re specting an establishment of religion of prohibiting the use thereof“ (Der Congreß darf kein Gesetz schaffen, welches sich auf irgend eine Religionsherrschaft oder auf die Unterdrückung irgend einer Religion bezieht) deutlich lesen. Die Feier wurde durch den Vortrag einer Fest-Ouvertüre eröffnet, worauf Rev. George Jacobs ein tief empfundenes Gebet sprach u. s. w. Das Monument wurde durch den Bildhauer Herrn Moses Ezekiel dem Comite übergeben. Ein nicht enden wollender Beifall begrüßte den Künstler, welcher sicherlich gestern seinen Ehrentag gegiert hat und der seinen Lohn für manche trübe Stunde des Zweifels erhielt. Der Präsident des Monument-Comite's, Herr A. L. Sänger, hielt dann folgende Rede: „In der letzten, im Januar 1874 in Chicago abgehallenen Convention des unabhängigen Ordens B'nai B'rith wurde ein Beschluß angenommen, wonach unter Aussicht und Direktion des Ordens zur hundertsten Jahresfeier der amerikanischen Unabhängigkeits-Erklärung ein Monument zu Ehren religiöser Freiheit errichtet werden sollte. Eingedenk des Umstandes, daß eine der Missionen unseres Ordens die Entwicklung und Förderung des geistigen und moralischen Characters unseres Stammes ist, durch eine liberale Unterstützung der Kunst und Wissenschaft und die Hebung der reinsten Principien der Menschenliebe, der Ehre und des Patriotismus, übernahm die Convention die Pflicht, diesem Gefühle nicht allein tm Sinne der Israeliten von Amerika, sondern aller Aufgeklärten Ausdruck zu verleihen. Wir glaubten, daß die Anerkennung des Princips der Religionsfreiheit historisch ge- *) In nächster Nummer beginnen wir eine längere, spannende Erzählung. macht und daß der Einfluß, der auf Viele so glücklich wirkte, auf passende Weise anerkalint werden sollte. Unvorhergesehene Hinderniffe haben die Einweihungsfeier über die ursprünglich festgesetzte Zeit hinausgeschoben. Wir freuen uns, daß wir im Stande sind, dies Monument noch vor dein Schluffe des „Centennial" einzuweihen." Redner sagte noch, daß kein besser geeigneter Tag zu der Feier hätte gewählt werden können, als derjenige, an welchem eine ganze Nation dem Geber alles Guleil Dank gebe und die Weisheit der Gründer der Republik ehre. Nach mehreren Anderen, sprach Hon. Horatio Ianes Jones, Mitglied des Senats. Er dankte für die ihm erwiesene Ehre der Einladung zur Theilnahme an der Feier, als ein amerikanischer Bürger und als Christ. Er sagte, er habe die Frage der religiösen Freiheit immer für eine der wichtigsten Angelegenheiten gehalten und freue sich, an der erhebenden Feier Theil nehmen zu können. Er sprach von den Verfolgungen, welchen sowohl in Europa, wie auch in Amerika die Angehörigen verschiedener Religionssecten ausgesetzt gewesen wären und erwähnte den Danksagungstag als besonders geeignet für die Einweihung des Monuments. Er sprach von dem Centennial und den ausgestellten Werken der Kunst und Industrie aller Länder aus Europa, Asien, Afrika u. s. w., deren Ideen nichts wären im Vergleiche zu der großen Idee, welcher das von Mr. Ezekiel ausgeführte Monument Ausdruck gebe. Ohne religiöse Freiheit sei bürgerliche Freiheit werthlos. 'Das System der religiösen Freiheit habe nur langsam in diesem Lande Wurzel gefaßt. Als sie vor ungefähr zweihundert Jahren von Rogers Williams in Massachusetts Bay zuerst proklamirt worden sei, habe sie dessen Verbannung aus der Colonie zur Folge gehabt. Er habe bei Wilden Zuflucht suchen müssen und diese hätten ihm Schutz und Hülfe gewährt, die ihm von Denen, die sich Christen nannten, verweigert worden wäre. Mr. Arnold, der Rhode Island Geschichtschreiber, sage hierüber: „Er fand emen Ort in der pfadlosen Wildniß, woselbst er einem Tenipel der Freiheit, Gott und der ganzen Erde geweiht, errichten könnte, vor dessen Altar Jude und Christ, Sklave und freier Mann, Gott nach seinem eigenen Gewissen preisen durfte." Er sprach mit hoher Anerkennung von dem Wirken des Roger Williams und dem Sinne der Bevölkerung von Rhode Island, welche zuerst die Idee der Religionsfreiheit beförderte. Er sagte, wie die große Corlrß Maschine ans Rhode Island in der Maschinenhalle Alles in Bewegung setzte und am 10. November bei ihrem Stillstehen Ab es in's Stocken gerieth, so wird es der Constitution ergehen, wenn je die Doktrin der religiöse,t Freiheit daraus entfernt werden sollte Der Fortschritt einer freien Nation wäre dann für immer unmöglich. „Wir mögen sterben und vergessen werden, dies Princip kann nie sterben — und wenn Religionsfreiheit aufhört der größte Schmuck unseres Diadems zu sein, hat die bürgerliche Freiheit keinen Bestand mehr." Redner schloß mit den Worten des unsterblichen Webster: „Laßt uns unserer persönlichen Verantwortlichkeit für die Erhaltung des Princips der bürgerlichen und religiösen Freiheit vollständig eingedenk sein. Laßt uns nicht vergessen, daß nur Religion, Moral und Wissen die Menschheit unter irgend einer Regierungsform ehrenhaft und glücklich machen kann. Laßt uns die Wahrheit festhalten, daß Gemeinden sowohl wie Individuen verantwortlich sind; dnß keine Regierung ehrlich ist, wenn sie nicht gerecht ist, daß., ohne Vertrauen, hehre Principien, Treue und Ehre, keine Regierungsform und keine Gesetze der politischen Gesellschaft Ansehen verleihen können. Laßt uns in unserer Zeit versuchen, das moralische Gefühl zu heben, damit wir nicht in eine düstere, sondern in eine bessere Zukunft blicken können." Dieser Nr. liegt Titel u. Inhaltsverzeichnis; znm Jahrg. 1876 bei; sowie das „Jüdische Literatnrblatt" Nr. 1 and »Jnseraten-Beilage." Verlag der Expedition der „Israelitischen Wochenschrift" in Magdeburg. Druck von C. Scharnke in Barby. ti V

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