Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 48. (27.11.1878)
- Date
- 1878-11-27
- Page
- Seite 381 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 381 — verdient! Ls erzählt also! daß Catargi auch bei Gambetta seine Visite machte; dieser sagte ihm: „Ich begreife, daß eS Euch hart ankommt, die Juden zu emanzipiren, aber es geht nicht anders. Ihr übertreibt auch die Sache! Mein Freund Cr6mieux hat die Juden in Algier emanzipirt, das hat Frankreich nicht im geringsten geschädigt. Frankreich wird eure Unabhängigkeit nie anerkennen, wenn ihr nicht die Bürgerrechte der Juden anerkennt. Cr6mieux hat bewirkt, daß Wadington auf dem Berliner Congreß die Jniciative hierfür ergriff, so ist nun Frankreichs Ehre dafür eingesetzt, daß der Vertrag in dieser Beziehung erfüllt wird. Ich habe Crcknieux mein Wort gegeben, ihn darin zu unterstützen, also macht ein Ende und gebt nach." — Daß „Univers" daran einige übelwollende Aeußerungen knüpft, geht uns nichts an. Aber dagegen Hit das Blatt nichts, daß Frankreichs Ehre die Erfüllung des Vertrags erfordere. Man hat schon oft darauf hingewiesen, daß zwischen deutschen und französischen Klerikalen der große Unterschied obwalte, daß die Letzteren trotzalledem Frankreich über Alles stellen. Dies hier nur ganz im Vorbeigehen Auch Fürst Bismarck ertheilte Herrn Bleichröder, wie dieser jüngst an Crämieux schrieb, die Versicherung, daß das deutsche Reich nicht eher Rumänien als selbstständigen Staat anerkennen werde, bis dasselbe den ganzen Berliner Vertrag, also auch die Emanzipation der rumänischen Juden, zur Ausführung gebracht haben werde. Bermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Unter den Anfangs November bei den hiesigen Garderegimentern eingestellten Rekruten befindet sich ein Elsässer jüdischer Confessiou, der seiner strenggläubigen Richtung wegen es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, die nicht den Grundsätzen des jüdischen Ritus gemäß zubereitete Garmsonstkost zu sich zu nehmen. Da der Soldat von Hause aus unbemittelt, so nahm sich seiner der als tolerant und human bekannte Compagnie-Chef an, der sich alsbald mit dem Rabbiner (Dr. Hildesheimer) in Verbindung setzte. Letzterer begab sich in Folge dessen sogleich zu dem betreffenden Hauptmann, um im Verein mit demselben zu berathen, welche Schritte zu thun seien, um dem bedürftigen Füsilier, ohne daß dieser dadurch seinen Dienst vernachlässige, zu den rituell angerichtelen Mahlzeiten zu verhelfen. Das Resultat mar der „Volksztg." zufolge das erwünschte. (In Berlin bedarf es wohl besonderen Entgegenkommens von Seilen der Vorgesetzten, wenn ein jüd. Soldat aus den oft so weit entlegenen Kasernen gehen soll, um Koscherkost zu erlangen. Das humane Benehmen des Hauptmanns ist jedenfalls rühmenswerth. Sonst aber kann in preußischen Garnisonen der jüd. Soldat, der koscher essen will, seinen Wunsch erfüllt sehen. Er bekommt dazu Erlaubniß, in der Regel auch Rückvergütung des Menagegeldes, und wenn er bedürftig ist, finden sich auch jüdische Familien, welche ein Mittagbrod gewähren.) Leipzig. Dem D.-J. Gemeindebunde sind die Gemeinden Fürstenwalde, Genthin und Le ob schütz beigetreten. Der Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, einen Aufruf zur Bildung von Vereinen für Vorträge über jüdische Geschichte und Institutionen rc. zu erlassen und die Herausgabe einer Festschrift zur Feier des 100jährigen Erscheinens von Lessing's „Nathan" zu veranstalten. — Sehr erfreulich ist auch der Beschluß: das Eigenthumsrecht an dem Mendelssohns-Haus in Dessau zu erwerben, vorbehaltlich weiterer Beschlüsse wegen Verwendung deffelben als Asyl für verdienstvolle jüdische Gelehrte. Schnmla. H. Haim Sem ach berichtet über die am 21. September in der Knaben- und Mädchenschule daselbst stattgehabten Prüfungen und Prämienverthetlungen. Diese Feierlichkeit, welcher die Väter und Mütter der Zöglinge, sowie die Notabeln der Stadt beigewohnt haben, war nicht blos erhöht durch die Mitwirkung einer GarnisonSmusik, sondern auch durch die Anwesenheit Sr. Exellenz des russischen Gouverneurs und seiner Gemahlin, sowie des holländischen Consuls von Varna, des persischen Consuls H. Nagi Memet, der Mitglieder des bulgarischen Magistrats, eines russischen Generals und russischer Officiere und endlich der HH. Profefforen der bulgarischen Schulen. Am Ende der Feierlichkeit empfingen H. Semach und Frl. Salzer die Glückwünsche der Anwesenden zu dem Bildungsgrade, von welchem ihre Zöglinge Beweise gegeben. Einige Tage später wurden die Vorsteher der israelitischen Gemeinde und H. Semach zur Einweihung des Sitzes der bulgarischen Municipalität eingeladen und benutzten diese Gelegenheit, um die Schule der Alliance dem Wohlwollen der neuen Behörde zu empfehlen. (Bulletin der All. Jsr. Univ. vom Oct. — Es ist höchst erfreulich, daß jetzt die russische Behörde in derselben Weise, wie es früher die türklsche gethan hat, der Schule ihr Wohlwollen bezeugt.) Salonichi. Die freundlichen Beziehungen, welche hier schon früher zwischen der griechischen und israelitischen Bevölkerung bestanden, sind dieser Tage sehr befestigt worden. Der bisherige griechische Erzbischof in Salonichi, ist zum Patriarchen in Constantinopel befördert worden. Aus diesem Anlaß überreichte ihm eine jüdische Deputation, deren Sprecher Hr. Allatini, Präsident des Comite's der Alliance Jsr. Univ. war, eine Adresse, worin Glückwunsch und Dank für die Beweise des Wohlwollens und der Toleranz ausgesprochen wurde, welche der Prälat allezeit den Israeliten gegeben hatte. Die Ueberreichung der Adresse fand im Beisein des höheren Clerus und anderer Notabeln statt, und machte einen sehr günstigen Eindruck. Der Patriarch sprach bewegt seinen Dank aus und äußerte wörtlich: Möge der Jude in der Synagoge, der Grieche in seiner Kirche zu Gott beten, jeder nach seinen Glauben, aber außerhalb des Tempels und der Kirche sollen sie unter einander Brüder sein. Dies sind die Gefühle, welche ich in meinem neuen Amte immer weiter zu verbreiten suchen werde." Bei dem hohen Einsiusse des Patriarchen kann diese Gesinnung nur sehr segensreich wirken. Aber auch der Amtsvorgänger dieses Hrn. war bei den Israeliten in Constantinopel wohl gelitten; bei seiner Beerdigung betheiligte sich der Chacham Baschi und empfing bald darauf einen Dankbesuch von dem interimistischen K.rchen Oberhaupt (Nach Jew. Ehr. u. Arch. Jsr.) Rom. Der Provinzialrath hat den jährlichen Beitrag für das jüdische Asyl von 1000 L. auf 3000 L. erhöht. Nom. Als hier die Nachricht vom Attentate auf König Humbert bekannt wurde, begab sich eine Deputation der isr. Gemeinde sofort zum Minister des Innern, um ihm den Glückwunsch zur glücklichen Errettung des Königs auszudrücken; der Minister meldete dies dem König nach Neapel telegraphisch, und noch selbigen Tages ließ der König durch die Königl. Kanzlei in Rom der isr. Gemeinde seinen allerhöchsten Dank aussprechen. Bukarest. Wie die Zeitschrift „Hajoes“ mittheilt, hat der rumänische Minister Hr. Coglitscheanu den Juden seines Gutes eine sehr kostbare Seser-Thora für ihr Betlokal geschenkt. Diese Thorarolle stammt aus Philippopel, und war Eigeuthum des großen jüdischen Gelehrten Rabbi Josef Caro. Sie ist von den dortigen Israeliten derart hochgehalten worden, daß förmliche Wallfahrten unternommen wurden, um zur Vorlesung dieser Tyorarolle gerufen zu sein. Der Minister refüsirle die 300 Duk., welche man ihm für diese heilige Antiquität zahlen wollte.